Die Krone wechselt den Besitzer

von Matthias Vogel

Lichterfelde. Damit hatte keiner gerechnet: Mit 4:1 (2:0) hat ein bärenstarker FC Viktoria 1889 Berlin das Topspiel der Frauen-Regionalliga Nordost zuhause gegen den 1. FC Union Berlin deutlich für sich entschieden. Die Treffer für die Himmelblauen fielen im Viertelstunden-Takt. Viki-Coach Roman Rießler: „Ich bin stolz auf diese Mannschaft.“

Mit einer 4:3:3-Grundordnung starteten die Gastgeberinnen in das Spitzenspiel. Die Aufgabe der Offensivreihe, besetzt mit Kimberly Zietz im Zentrum und den beiden schnellen Außen Danya Barsalona und Louise Trapp: Union schon an vorderster Front aggressiv und konsequent anzulaufen. Die überraschende Gier auf den Ball machte den Eisernen Ladies merklich zu schaffen, im Spielaufbau unterliefen ihnen ungewöhnlich viele Fehler.

Kimberly Zietz (li.), hier an Unions Elisa Schindler dran, machte in Sachen Angriffspressing einen Top-Job. Foto: Judith Diecke.

Die ersten beiden Treffer fielen dennoch nach Standards. Hülya Kaja gelang mit einem Traumtor die Führung. Eine langen Freistoß von Vanessa Lux, getreten von der Mittelkreis-Grenze aus, gabelte sie in halblinker Position in der Union-Box mit dem ersten Kontakt auf, um die Kugel dann mit dem zweiten per Seitfallzieher und unhaltbar für Keeperin Monique Eichhorn unter das Dach des Gehäuses zu nageln (13.). „Unglaublich“, frohlockte Rießler, „Hülya ist besser als je zuvor.“

Doppeltorschützin Danya Barsalona

Das 2:0 durch Barsalona war weitaus weniger spektakulär, aber dennoch ein Beleg für den Unterschied zwischen den beiden Teams an diesem Tag: Viktoria war einfach präsenter, zwingender. Kapitänin Stefanie Gerken brachte den Eckball ins Zentrum, einen Kopfball aus dem Getümmel konnte Natalie Götz noch von der Linie kratzen, im Nachfassen drückte Barsalona den Ball über die Linie (30.).

„Du kommst hier ned rein!“ Viktorias Innenverteidigerin Vanessa Lux (4) macht für Lena-Marie Wolter Cosme den Laden dicht. Foto: Judith Diecke.

Auch nach dem Seitenwechsel änderte sich an den Gewichtsverhältnissen im Lichterfelder Rund zunächst nichts. Viktorias Überlegenheit fand im 3:0 Ausdruck. 66 Minuten waren gespielt, als Barsalona links an der Strafraumkante zum Schuss kam und das Spielgerät in den rechten Knick des Unioner Gehäuses packte. Die Messe war gelesen. Zwar konnten die Köpenickerinnen danach die Partie ausgeglichener gestalten, „weitere, nennenswerten Torchancen hatten sie aber nicht“, konstatierte Rießler.

Eine hatten die Gäste während der zweiten Schicht, der eingewechselten Celine Frank gelang am Ende eines gebrauchten Tages für Union noch Ergebniskosmetik (89.). Zuvor hatte Gerken mit einem direkt verwandelten Eckstoß zum 4:0 die Viktoria-Gala veredelt (78.). Nicht verschwiegen werden darf der Pfostentreffer von Marta Stodulska in der Anfangsphase des Duells, genauso wenig wie die Phase nach dem 2:0, als die Himmelblauen laut Rießler durchaus noch einen dritten und vierten Treffer hätten nachlegen können.

Josi Bonsu (am Ball) war bei Corinna Statz in besten Händen. Foto: Judith Diecke.

Viktorias Teamchef Peter Rießler hatte eine „in allen Belangen überlegene“ Viktoria gesehen. „Heute waren wir schneller, haben kaum Fehler gemacht und eine enorme Physis sowie den unbedingten Siegeswillen an den Tag gelegt. Der Sieg war so eindeutig, wie ich es gegen eine Spitzenmannschaft noch nicht erlebt habe.“ Hülya Kaja, seit Wochen in bestechender Form, sagte: „Wir waren heute mit einer unglaublichen Power auf dem Feld. Richtig beeindruckt hat mich auch die hervorragende Kommunikation zwischen uns. Wer nicht im Stadion war, hat echt etwas verpasst.“ Unions Trainer Falko Grothe empfand die Begegnung als weniger einseitig. „Wir haben in den entscheidenden Situationen nicht gut verteidigt und das wird natürlich aufzuarbeiten sein. Ansonsten habe ich uns jetzt nicht hoffnungslos unterlegen und Viktoria auch schon stärker gesehen. Der Sieg ist aber absolut verdient.“

Roman Rießler: „Es ist nur eine Momentaufnahme“

In der Tabelle tauschen die beiden Teams nun jedenfalls die Plätze und die Krone im Berliner Frauenfußball tragen jetzt erst einmal die Viki-Girls. „Wir sind sicher in unserer Entwicklung auf einem guten Weg. Der Sieg ist heute toll, aber er ist auch nur eine Momentaufnahme. Das kann im nächsten Vergleich mit Union schon wieder ganz anders aussehen. Und Ausruhen dürfen wir uns auf diesem Erfolg sowieso nicht“, sagte Roman Rießler, auch im Hinblick auf das Pokalspiel am 15. Dezember gegen Borussia Pankow.


FC Viktoria 1889 Berlin – 1. FC Union Berlin 4:1 (2:0). Viki-Girls: Haake, Grosch, Lux, Sänger, Statz – Gerken, Sange (89. König), Kaya – Trapp (86. Steinmeyer), Zietz (79. Reh), Barsalona. Eiserne Ladies: Eichhorn, Stodulska, Heiseler, Weidt, Wolter Cosme (70. Pearl), Bonsu, Ahlswede, Schrey (59. Frank), Schindler (46. Radloff), Götz, Budde. Tore: 1:0 Kaya (13.), 2:0, 3:0 Barsalona (30., 66.), 4:0 Gerken (78.), 4:1 Frank (89.). Schiedsrichterin: Christine Weigelt. Zuschauer: 100.

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