Stodulska bittet zum Tanz

von Matthias Vogel

Steglitz. Es kam wie vermutet: Die Fußballerinnen des 1. FC Union Berlin dominierten das Regionalliga-Gastspiel beim SFC Stern 1900 und siegten verdient mit 3:0. Die „eiserne“ Stürmerin Marta Stodulska war wieder einmal Gold wert – sie markierte alle drei Treffer.

Es hätte schon deutlich mehr zusammen passen müssen für einen Sieg der Sterne. Zum Beispiel hätten die Nadelstiche, auf die es die Elf des Trainers Harald Planer einzig und alleine angelegt hatte, piksen müssen. Gerade während des ersten Spielabschnitts fanden sich die schnellen Steglitzer Spitzen Emina Wacker – direkt aus dem Urlaub ins gelb-blaue Jersey geschlüpft – und Kimberly Lange drei- bis viermal in aussichtsreichen Kontersituationen wieder. Aber entweder trafen sie die falschen Entscheidungen, spielten sich zu ungenau an oder warteten vergeblich auf nachrückende Unterstützung. So blieb es bei einer Chance für Stern, die hatte es aber durchaus in sich: Wacker kam über die linke Seite angeflitzt, ließ ihre Gegenspielerin stehen und passte punktgenau auf die einlaufende Lange. Zum Leidwesen der Sterner Fans befand sich Lange in Begleitung, die Unionerin war eine Stiefelspitze eher am Ball und verhinderte den Rückstand für ihr Team.

Unions Marta Stodulska ist nur schwer zu stoppen, hier versucht Sterns Kapitänin Leonie Sohr (vorne) ihr Glück. Foto: Matthias Vogel

Die einzige Frage, die sich Falko Grothe, Trainer der Köpenickerinnen, am Ende der Partie möglicherweise gestellt haben dürfte, lautet: „Was machen wir im letzten Drittel, wenn Marta Stodulska nicht spielt?“ Union war Chef im Ring, aber vor der Kiste nicht zwingend genug. Das änderte sich auch nicht, nachdem Stodulska per Abstauber die Dosenöffnerin gab (17.). Grothe, der während der bisherigen Saison genau mit der mangelnden Chancenverwertung haderte, aber immerhin eine positive Entwicklung konstatierte, verzog nach der Partie ein wenig das Gesicht, als es um die Offensive ging. „Unsere Defensive war stark, der Sieg sicher verdient. Bin auch nicht unzufrieden aber offensiv ist sicher noch Luft nach oben.“

Auch die eingewechselte Katharina Göttfried (am Ball) konnte Unions Defensive nicht gefährden. Greta Budde & Co. hatten alles im Griff. Foto: Matthias Vogel

Ein bisschen Pech hatten die Eisernen Ladies auch am Hacken kleben, sonst hätte sich beispielsweise Lisa Heiseler in die Torschützen-Liste eingetragen. Ihr wuchtiger Distanzschuss aus 20 Metern klatschte an die Latte des Sterner Gehäuses (67.). Kurz zuvor war ein kluger Heber von Stodulska ebenfalls nur an der Querstrebe abgeprallt (63.). Stern stemmte sich mit großem Einsatz gegen die Niederlage und die frühere, langjährige Kapitänin Kristin Krömer sagte nach dem Spiel: „Ich fand uns in der zweiten Hälfte richtig gut und habe bis zu Martas zweiten Treffer wirklich an einen Lucky Punch für uns geglaubt.“ Am Ende warfen die Steglitzerinnen jedenfalls alles nach vorne, und waren damit ein gefundenes Fressen für die Unioner Torjägerin und ihre Lieferanten. Zwei Pässe aus der Tiefe, zweimal war Stodulska auf und davon, zweimal wackelte sie die Steglitzer Torhüterin Nicole Bartholdi gekonnt aus und schob zweimal ein (84., 90.) – 0:3.

Starker Auftritt von Lisa Heiseler (am Ball), ein Distanzschuss von ihr klatschte an die Latte. Foto: Matthias Vogel

SFC-Coach Harald Planer meinte am Ende, das Ergebnis sei ein wenig zu hoch ausgefallen. Im Vergleich zum Auftritt bei Erzgebirge Aue habe sich sein Team ohnehin gesteigert. Planer hatte einigen Reservisten den Vorzug vor vermeintlichen Leistungsträgerinnen gegeben, weil sie im Moment mit einer besseren Einstellung am Werke seien. „Ich habe den Mädels daher gesagt, heute werden sie von mir nur nach ihrem Auftreten bewertet. Und das war absolut in Ordnung. Dass wir gegen Union am Ende den Kürzeren gezogen haben, kommt ja nicht wirklich überraschend. Wenn man da keinen Unterschied sehen würde, müsste dort einiges falsch laufen.“

Stadtderby-Charakter hatte die Partie: Sie war phasenweise hart, blieb aber immer fair. Foto: Matthias Vogel

Es scheint also so zu werden, wie es in der vergangenen Saison auch war: Die Regionalliga Nordost spaltet sich frühzeitig in eine Zweiklassengesellschaft. Nach diesem Spiel ist die Grenze zwischen Platz fünf und sechs, aktuell zwischen Union und Stern, noch schärfer gezogen.


SFC Stern 1900 – 1. FC Union Berlin 0:3 (0:1). Sterne: Bartholdi, Schwabe, Gierig, Wacker (65. Göttfried), Armanious (77. Schmitz), Gohlke (61. Schröder), Miethke, Weinberg, Cibusch, Sohr, Lange. Eiserne Ladies: Duszat, Fredrich, Stodulska, Heiseler (79. Zander Zeidam), Weidt (22. Radloff), Ahlswede, Schwietz (58.) Wolter Cosme), Büttner, Schrey, Götz, Budde. Tore: 0:1, 0:2, 0:3 Stodulska (17., 84., 90.). Schiedsrichterin: Lea Kretschmar. Zuschauer: 100.

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