Mit offenem Visier

von Matthias Vogel

„Solche Spiele wie die beiden gegen den FC Phoenix Leipzig erlebst du nur einmal in deiner Karriere“, sagt Stephan Illmann. Nicht nur der Presse, vor allem sagt er es seinen Spielerinnen. Und er hat Recht.

Denn es geht auch um die Entstehung der Situation, mit der sich die Spandauerinnen nun konfrontiert sehen. Der Weg von der sportlichen Bedeutungslosigkeit bis zum Duell mit dem Landesliga-Meister Sachsen um den Einzug in die Regionalliga Nordost dauerte gerade einmal drei Jahre. Drei Meistertitel und zwei Aufstiege in Folge, der dritte könnte nun folgen – es wäre eine große Sensation. Schon jetzt ist der Aufstieg aus den Niederungen der Bezirksliga hin zum Titel in der Berlin-Liga legendär, die Stimmung und das Selbstbewusstsein im Verein sind auf dem Gipfel. Und dieses Momentum, diese Gunst der Stunde zu nutzen, die herrschende Euphorie mitzunehmen, das ist Illmanns Devise vor der kniffeligen Aufgabe gegen Phoenix nix, um das ganz große Ding zu drehen.

Auf sie wird die Staakener Defensive ein Augenmerk richten müssen: Marlene Haberecht (re.), hier im Duell mit Viktorias Marlies Sänger, hat in der Punkterunde der Landesliga Sachsen unglaubliche 61 Treffer erzielt. Foto: Matthias Vogel

Illmann und seine Co-Trainer haben die Leipzigerinnen beobachtet. Im Test gegen den Regionalligisten FC Viktoria 1889 Berlin und im Finale des Sachsenpokals und Stadtderby gegen den RB Leipzig, ebenfalls Regionalliga. Beide Spiele gingen für Phoenix nur mit 2:3 verloren und Illmann zeigte sich durchaus beeindruckt: „In diesen beiden Spielen waren sie stark. Sie haben wirklich einige richtig gute Fußballerinnen dabei.“ Bange ist ihm dennoch nicht. Früh anlaufen möchte er die Sächsinnen, wenn am morgigen Sonntag die Partie vor heimischer Kulisse angepfiffen wird. „Und wir müssen körperlich präsent sein. Dann könnten wir das positiv für uns gestalten.“ Sorgenfalten hat Stephan Illmann nur deshalb auf der Stirn, weil sowohl Tochter und Stürmerin mit eingebauter Torgarantie Julie Illmann als auch Flügel-Wirbelwind Maxi Woelke stark mit ihrem lädierten Sprunggelenk zu tun haben. „Ich denke aber, unsere Physio-Abteilung bekommt das noch hin“, so der SC-Coach.

Pia Feldhahn spielt eher unscheinbar im Vergleich zu ihren torhungrigen Teammates, ist aber enorm wichtig für die SC-Abwehr. Foto: Matthias Vogel

Beim FC Phoenix Leipzig ist der Name Programm. Einst gliederte der 1. FC Lokomotive Leipzig seine Frauen aus, die fortan unter dem Namen FFV Leipzig in der Regionalliga auf Punktejagd gingen. Nach der Insolvenz des Clubs wollten die Spielerinnen zusammenbleiben, allerdings brauchte es eine neue Flagge. Und so gründete sich vor zwei Jahren der FC Phoenix Leipzig. Ähnlich kompromisslos wie beim SC Staaken erfolgte der Aufstieg aus der Landesklasse, ähnlich wichtig ist auch der Aufstieg auf das nächste Level. „Das war bei uns allerdings das erklärte Ziel. Wir wollten schnell wieder dorthin, wo es geendet hatte“, sagt Leipzigs Coach Timo Enders – eben wie Phönix aus der Asche.

Angelina Lübcke (li.) ist nicht nur für das eine oder andere Tor gut. 27 Buden markierte die Phoenix-Angreiferin in der Landesliga-Spielzeit. Foto: Matthias Vogel

Den SC Staaken habe man nicht persönlich unter die Lupe genommen. „Dafür sind wir zu wenig“, so Enders. Also habe man sich online informiert, was das Netz eben so hergebe. „Ich denke aber, wenn wir unser Spiel aufziehen, sind wir ganz gut beraten.“ Abwarten und vielleicht geduldig auf eine günstige Ausgangslage für das Rückspiel am 9. Juni in Leipzig zu spielen, das sei nicht das Spiel des FC. „Wir müssen sehen, wie wir das auf den Platz bringen – morgen soll es ja sehr warm werden – , aber eigentlich wollen wir von der ersten Minute an Alarm machen.“

Zwei Teams, die mit offenem Visier aufeinander losgehen? Das hört sich vielversprechend an. Stephan Illmann glaubt an wenigstens 300 Zuschauer. Anpfiff ist am Sonntag, 2. Juni, um 16.30 Uhr im Sportpark Staaken an der Eichholzbahn 116.

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