Die Mutter aller Spiele

von Matthias Vogel

Im Finale des Polytan-Cups treffen am Tag der Arbeit, 1. Mai, die beiden aktuell besten Frauen-Fußball-Teams der Hauptstadt, der FC Viktoria 1889 und der 1. FC Union, aufeinander. Anpfiff im Ernst-Reuter-Stadion an der Onkel-Tom-Straße 40 ist um 14.30 Uhr. Prognosen anzustellen ist schwierig, die Dauerrivalen sind auf Augenhöhe. Das Momentum liegt aber sicher auf Seiten der Elf aus Köpenick.

Die Begegnung ist bezogen auf diese Saison einfach die Mutter aller Spiele. In der Hinrunde dominierten die Viki-Girls die Regionalliga Nordost nach Belieben, in der Rückrunde die Eisernen Ladies, inklusive Sieg gegen den Rivalen auf dessen Geläuf (0:4) und der damit verbundenen Wachablösung an der Tabellenspitze. Das Hinspiel in Köpenick ging mit 2:0 an die Himmelblauen. Im Semi-Finale des Pokals taten sich beide Mannschaften schwer. Viktoria bezwang den Liga-Konkurrenten Hohen Neuendorf knapp aber nicht unverdient mit 2:1, genauso verhielt es sich beim 1:0-Erfolg von Union beim SC Staaken.


Obenauf oder unten drunter? Marlies Sänger (18) und ihre Himmelblauen haben eine Hand am Pott. Foto: Matthias Vogel

Mit dem Rückspiel-Triumph in Lichterfelde und der tadellosen zweiten Saisonhälfte kommt Union sicher mit mehr Rückenwind nach Zehlendorf gesegelt. Dazu ist Trainer Falko Grothe mit einem deutlich breiteren Kader ausgestattet. „Die starke Bank ist sicher eine unserer ganz großen Vorzüge“, sagte er vor dem Finale. Nicht genug, dass die Nummer 12, 13 und 14 genauso gut in der Start-Elf stehen könnten. „Es kann wirklich sein, dass die Nummer 15 gerade besser zur Spielsituation passt. Wir sind da wirklich sehr flexibel“, so der Coach der Eisernen. Einziger Wermutstropfen: Innenverteidigerin Charleen Niesler ist nach ihrer Roten Karte im Halbfinale gesperrt. Große Überraschungen seitens der Viktoria erwarte er nicht, könne seinerseits aber auch nicht großartig mit welchen aufwarten. „Klar lassen wir uns wieder etwas einfallen, aber man kennt sich schon ziemlich gut.“ Grothe glaubt, dass viel im Kopf entschieden werden wird. Er sieht „leichte Vorteile“ seiner Truppe, weiß aber auch, dass die Tagesform eine Rolle spielen wird.

Im Rückspiel gegen Viktoria rückte Unions Spielführerin Marie Weidt aus dem Zentrum auf den Flügel, wo baut sie Trainer Falko Grothe diesmal ein? Foto: Matthias Vogel

Abgesehen von den Langzeitverletzten, zu denen sich jüngst auch Top-Torschützin Anja Kähler gesellte, kann auch Roman Rießler aus dem Vollen schöpfen. Vor allem die Rückkehr von Dilara Türk nach ihrer Rot-Sperre ist ein Pfund für die Waagschale. „Sie kann den Unterschied ausmachen“, sagt der Viki-Coach. Wie Grothe möchte auch er grundsätzlich nicht vom bisherigen Spielstil seiner Mannschaft abweichen. „Beim 0:4 haben wir allerdings zu bedingungslos nach vorne verteidigt, das hat uns das Genick gebrochen. Wir werden also diesmal mehr auf unsere Restabsicherung bedacht sein.“ Rießler will mit dieser Mannschaft Titel holen, das hat er mehrfach betont. Das könnte seiner Ansicht nach auch klappen, wenn seine Mädels ihr Potential abrufen. „Aber es muss schon einiges zusammenpassen, um zu gewinnen“, so Rießler.

Schnell, technisch versiert, aber auch launisch. Dilara Türk (am Ball) kann den Unterschied ausmachen – wenn sie will. Foto: Matthias Vogel

Die Voraussetzungen für eine echtes Frauen-Fußball-Highlight sind bestens. Grothe glaubt an einen amtlich bestückten Union-Fanblock und Viktoria hat in Zehlendorf ja fast ein Heimspiel, himmelblaue Anhänger haben es nicht weit. Und welches Lager am Ende auch jubelt, der Verlierer hat jetzt schon das dicke Trostpflaster im Arztkoffer: Nicht nur der Berliner Pokalsieger darf in der der nächsten Saison die erste Runde des DFB-Pokals bestreiten, sondern auch Meister und Vizemeister der Punkterunde. Und die beiden Plätze sind an Union und Viktoria so gut wie vergeben, in welcher Reihenfolge auch immer.

Große Ziele und viel Können dahinter: Unions Flügel-Pfeil Josephine Bonsu will den Pokal. Foto: Matthias Vogel

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