Die Trumpfkarte sticht

von Matthias Vogel

Staaken. Trainer Stephan Illmann hatte es angekündigt: In den Distanzschuss-Skills seiner Spielerinnen habe der SC Staaken immer ein Ass im Ärmel. Im Topspiel der Berlin-Liga zuhause gegen den Tabellenführer 1. FC Union Berlin hat der Aufsteiger es ausgespielt. Mit 5:1 behielt er die Oberhand und holte sich den Platz an der Sonne zurück. Vier Bälle schlugen aus weiterer Ferne ein, drei davon hatte Illmanns Tochter Julie abgefeuert.

Für Julie Illmanns Gegenspielerinnen ist es oft, wie es für Arjen Robbens Bodyguards lange Zeit war: Sie wissen zwar was kommt, verhindern können sie es aber nicht. Jedenfalls nicht über die gesamte Spieldistanz hinweg. Bis kurz vor der Pause ging die Strategie von Unions Coach Oliver Hartrampf auf, die Staakener Scharfschützin beinahe auf Schritt und Tritt doppeln zu lassen, bei Bedarf luchste ihr das Köpenicker Mittelfeld auch im Dreier-Verbund die Kugel ab. Illmann schien genervt, holte sich wegen Meckerns die gelbe Karte ab. Dann aber eben doch: Einen kurzen Moment lag der Ball für sie frei, sie zog ab und die Kugel rutschte Unions Torhüterin Kathy-Diane Reich durch die Handschuhe ins Netz (39.). Der Schock für die Gäste war perfekt, als Reich das gleiche Missgeschick quasi mit dem Pausenpfiff noch einmal unterlief, wieder hatte Illmann Maß genommen. „Sicher beide haltbar“, sagte Hartrampf, „und sicher haben die beiden Tore auch Staakens Spiel begünstigt.“ Von Zorn oder Schuldzuweisungen war der Coach der Eisernen aber meilenweit entfernt: „Das Mädel ist gerade 17 Jahre alt geworden und hat uns in dieser Saison schon einige Spiele gerettet. Sie war heute ein bisschen nervös, das ist normal und für uns überhaupt kein Problem.“

Unions Kapitänin Charly Thomas (am Ball) hätte um ein Haar mit einem wuchtigen Freistoß die Führung für ihr Team erzielt. Foto: Matthias Vogel

Bis zu dem Zeitpunkt war die Partie vor 150 Zuschauern absolut ausgeglichen gewesen, mit einem leichten Chancen-Plus für die Gastgeberinnen. Zunächst stieg Jasmine Moschko nach einer Ecke am höchsten, ihr Kopfball setzte auf und prallte an den linken Innenpfosten, danach kratzte ihn Unions Alexandra Almasalme von der Linie (11.). Kurz darauf wurde Monika Sinka auf halbrechter Position in Szene gesetzt, ihr Versuch von der Strafraumkante hoppelte links am Tor vorbei. Auf der Gegenseite hätte dann Charly Thomas den SC Staaken fast mit dessen Waffen geärgert, an ihrem fulminanten Freistoß aus gut und gerne 25 Metern war Staakens Keeperin Nadine-Michelle Moschko noch mit den Fingerspitzen dran, vielleicht knallte der Ball deshalb nur an die Unterkante der Latte und sprang von dort ins Spiel zurück (13.). Kurz vor Illmanns Doppelpack hatte dann Sinka noch einmal die Führung für den SC auf dem Fuß, als Abwehrchefin Pia Feldhahn sie mit einem tollen Flugball aus der eigenen Hälfte wieder auf halbrechts blank spielte. Diesmal sauste ihr Ball rechts oben am Kasten vorbei (34.).

Illmanns dritter Streich nur zehn Minuten nach der Pause

„Wir haben dann weiter sehr ordentlich gekickt und den Gegner unter Kontrolle gehabt“, beschrieb Stephan Illmann dann seine Sicht der weiteren Dinge. Viel Zeit das Spiel zu drehen hatte Union auch nicht. Zehn Minuten nach dem Seitenwechsel hämmerte Julie Illmann den Ball aus 30 Metern unter die Latte – diesmal war absolut nichts zu löten für Reich, und die Messe für Hartrampf gelesen. „Ein Sonntagsschuss, den sie uns da reinknallt“, sagte er. Offenbar beflügelt forderte stark agierende Kimberly Stegermaier ihr Schussglück aus größerer Entfernung heraus – mit Erfolg: 4:0 (66.). Illmann machte ihr Glück dann gegen ihren Ex-Club perfekt und traf aus 18 Metern zum 5:0 (85.). Union konnte in der letzten Minute per Elfmeter noch Ergebniskosmetik betreiben. Den überließen die Kameradinnen Youngster Katharina Kunze. „Ihr erster Treffer im Frauenbereich. Dadurch konnten wir doch noch etwas Positives mit nach Hause nehmen“, sagte Hartrampf, der trotz eingebüßter Tabellenführung nicht sonderlich verdrossen wirkte. „Wir sind bis zum Schluss ruhig geblieben und die Stimmung innerhalb des Teams war schon kurz nach dem Abpfiff unverändert gut. Es ist ja auch noch nicht vorbei.“

Jasmine Moschko (re.) ist Zielspielerin bei Staakens Standards, ihr Kopfball landet am Pfosten. Foto: Matthias Vogel

Wenn sich die beiden Trainer auch sonst nicht gerade grün sind – in diesem Punkt waren sie sich einig. Mit einem Sieg im nächsten Punktspiel zuhause gegen Türkiyemspor am kommenden Sonntag würde zumindest Illmann seine Meinung ändern. „Das wird schwer, aber dann können wir langsam den Sekt kalt stellen. Wir haben dann die großen Gegner weg und unsere Verfolger spielen alle noch gegeneinander.“ Mit schwer meint Staakens Coach unter anderem die Beine seiner Mädels. „Am Mittwoch steht ja noch das Pokal-Halbfinale gegen die Erste von Union an. Wir sind zwar fit, aber zwei solch intensive Spiele kosten natürlich Körner.“


SC Staaken – 1. FC Union Berlin II 5:1 (2:0). SC-Gipfelstürmerinnen: N.-M. Moschko, Albrecht, Jasmin Moschko, El Bahry, Ebel (81. Janine Moschko), Fiedler, Illmann, Woelke, Sinka, Stegermaier, Feldhahn. Eiserne Ladies: Reich, Wippig, Almasalme, Wolter Cosme, Pearl, Bach, Udich (56. Henschel), Dittrich, Brockt (63. Georgi), Thomas, Liersch. Tore: 1:0, 2:0, 3:0, 5:0 Illmann (39., 45., 56., 85.) 4:0 Stegermaier (66.), 5:1 Kunze (90.). Gelb-Rot: Feldhahn (75.). Schiedsrichter: Andrè Brandt. Zuschauer: 150.

Titelbild (Matthias Vogel): Julie Illmann (re.) lässt sich von ihren Mitspielerinnen für ihre Tor-Gala herzen.

3 Kommentare zu „Die Trumpfkarte sticht

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  1. Zu einem Team gehört ein Kader von 20-25 Spielerinnen. Natürlich bekommen diejenige Spielerinnen die Balken in den Berichten, die die Buden machen! Aber wer bereitet diese vor, wer gewinnt den Ball und spielt den klugen Pass?!Wer kreuzt und zieht dadurch die Gegnerische Abwehr auseinander, damit dieses Tor aus 25 Metern erzielt werden kann?! Ich bin stolz auf meine Mannschaft und weiß ganz genau, wer diese starke Saison spielt! Namen wie Moschko ( bei uns 3 mal ) , Albrecht, Feldhahn, Stegermaier, Sinka, Ebel, Wölke, Zukierska , El Bahry u.s .w haben alle dazu Beigetragen. Danke dafür, macht weiter so und wir können weiter träumen lg euer Trainer
    Und komisch , ob der Trainer von Türkiyem, Hallo lieber Murat oder von Union 2 , es wird immer wieder geschrieben, das wir uns nicht so mögen, ich kann nur von mir sagen, das auf dem Platz und während des Spiels Emotionen da sind, mehr nicht! Nach dem Spiel ist bei mir alles vorbei. Ich kenne beide nur vom Platz und denke das sie Privat so wie ich liebevolle Eltern, Kollegen und Freunde sind! Also nicht alles glauben was geschrieben wird ! Danke

  2. Das ist doch mal eine Aussage Herr Illmann. Wer selber gespielt hat und das Geschehen kennt kann damit umgehen. Ich sehe mich als Sportsmann und handle auch danach und setze es auch bei meinen Kollegen vorraus. Emotionen gehören zu diesem Spiel und machen es interessant, wer damit nicht umgehen kann, hat im Fussball nichts verloren.
    Hätte ich jetzt nicht erwartet aber schätze es, wenn jemand den A…. in der Hose auf Menschen zuzugehen. Ich schätze aber auch das Engagement von Matthias, er nimmt sich die Zeit und wertet mit seiner Arbeit den Frauenfußball in Berlin auf, wie ich finde mit der nötigen Würze auch.

    1. Hallo, das sehe ich auch so, wollte nur zum Ausdruck bringen, das in dieser Spielklasse ein Kader diese Leistung erbringt , eine Spielerinn kann das Spiel beeinflussen , zum gewinnen benötigen wir aber den Kader. Ansonsten schätze ich die Berichterstattung auch, die Würze ist auch mit dabei, da stimme ich auch zu! Hatte es aber für nötig empfunden, mich zu äußern. Es sah für mich so aus, als ob wir uns alle außerhalb des Platzes anpfeinden. Ich freu mich auf Sonntag, da trinken wir beide vor dem Spiel noch einen Tee oder Kaffee. Gruß aus Staaken

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