Die Letzte hat das Licht ausgemacht

von Matthias Vogel

Es ist natürlich vor allem ein Schlag in das Kontor des Vereins, aber auch in die Magengrube des Berliner Frauenfußballs. Der einstige Regionalligist und DFB-Pokal-Teilnehmer BSC Marzahn hat zum 31. Juli sein Team vom Spielbetrieb abgemeldet. Der Grund: Personalmangel.

Vor ein paar Tagen haben sie sich noch einmal getroffen, die restlichen Spielerinnen des BSC Marzahn. Sie haben zusammen gegessen und die Zeit gefeiert, die sie gemeinsam auf dem Platz hatten. „Die Stimmung war eigentlich gut, aber Wehmut war schon auch dabei“, beschreibt Teammanagerin Franziska Schöber, selbst eine Dekade lang für den BSC an der Kugel, den Abend im Brauhaus.

Noch ein schöner Abend zum Abschluss und das war’s: Der BSC Marzahn meldet sein Frauenfußball-Team ab. Foto: BSC Marzahn

2009 feierten die Frauen die Berliner Meisterschaft und setzten sich dann auch noch in den beiden Aufstiegsspielen zur Regionalliga gegen Hafen Rostock durch. „Beim Heimspiel waren 400 Zuschauer da, das war schon eine Marke“, erinnert sich Schöber. Zwei DFB-Pokal-Teilnahmen folgten noch, Marzahn war lange eine der Top-Adressen für leistungsbezogenen Frauenfußball in der Hauptstadt. Aus der eigenen Nachwuchsarbeit gingen unter anderem die beiden Nationalspielerinnen Isabel und Monique Kerschowski hervor, die beide von 2000 bis 2005 für den BSC ihre Schuhe schnürten.

Kapitänin und Leistungsträgerin Paula Schöber legt jetzt eine Pause ein. „Ich glaube nicht, dass sie es dauerhaft ohne Fußball aushält“, sagt ihre Frau Franziska. Foto: BSC Marzahn

Die Saison 2018/2019 entpuppte sich dann als Horror-Jahr für den Club aus dem Berliner Osten. Dem permanenten Aderlass zwischen den Spielzeiten bei gleichzeitig nur wenigen Neuzugängen – ein stets gut gefülltes Lazarett tat sein Übriges – spiegelte sich nun in den Ergebnissen beider Teams wider. In der Hinrunde waren Doppelschichten für etliche Spielerinnen in der Landesliga- und der Regionalliga-Elf keine Seltenheit. Das spürbare Aufbäumen gegen den sportlichen Niedergang wurde nicht belohnt, beide Teams fanden sich am Ende auf einem Abstiegsplatz wieder. Für die Berlin-Liga wollte der BSC dann alle Kräfte bündeln und hängte seinen zweiten Anzug in die Garderobe. Zunächst fristete die Elf vom Trainer Harald Lindner dennoch ihr Dasein im Tabellenkeller. Erst in der Rückrunde lief es besser, Marzahn arbeitete sich bis zum Corona bedingten Abbruch der Saison auf den 9. Platz vor. Wer das als Ende der Talfahrt gedeutet hatte, sieht sich nun getäuscht.

„Wir hätten 14 oder 15 Spielerinnen an den Start gebracht, das ist für eine Saison einfach zu wenig“, begründete Schöber den Shut Down für das Frauenteam. Zumal nicht wenige Spielerinnen bereits „Ü 30“ seien und zwar gerne im Falle einer Frischzellenkur im Form von Neuzugängen noch eine Saison dran gehängt hätten, aber nicht noch einmal die Hauptlast hätten tragen wollen. So wie zum Beispiel Leistungsträgerin Stefanie Henke, die sich seit geraumer Zeit mit Knieproblemen herumschlägt. Neue Spielerinnen zu finden sei schwer, weil man geografisch schon etwas „ab vom Schuss“ liege. Und aus der Jugend käme schon lange kaum etwas, sagt Schöber. „Die Nachwuchsarbeit ist vernachlässigt worden und war auch fehlerhaft“, kritisiert die Teammanagerin. Zum Beleg: In Sarah Friedrichs wechselte vor Saisonbeginn gerade mal eine Spielerin von den B-Juniorinnen zu den Frauen.

Was ist mit der „Konkursmasse“?

Jetzt verteilen sich die letzten Marzahner Mohikanerinnen natürlich in aller Herren Winde, aber nicht alle wird man wieder in der Berlin-Liga oder überhaupt am Ball sehen. Torhüterin Lea Grün möchte sich ihrem Studium widmen, Luana Panten der Arbeit. Eine der Elezi-Schwestern wechselt zusammen mit Michelle Fansel zum Liga-Konkurrenten Sp.Vg. Blau Weiß 1890 Berlin, Antonia Platte und Lara Emde werden wohl zu den Spandauer Kickers gehen. Jennifer Lüdicke spielt laut Franziska Schöber wenn, dann nur noch „Just for fun“, das gleiche gelte für die zweite Elezi-Schwester. Franziskas Frau und Kapitänin Paula Schöber wird sich zunächst auf die künftigen Aufgaben in den eigenen vier Wänden konzentrieren, das Paar befindet sich in freudiger Erwartung.

Eine Spielerin aus der eigenen Jugend in jüngster Vergangenheit – das war einfach zu wenig. Sarah Friedrchs. Foto: BSC Marzahn

„Das ist alles schon hart, aber unabdingbar“, findet Schöber. Immerhin: Mädchenfußball wird beim BSC Marzahn im 25. Jahr nach Gründung der Frauen- und Mädchen-Sparte des Vereins weiterhin gespielt. Bei den Frauen hat die Letzte das Licht ausgemacht. Ein trauriges Jubiläum.

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