Vergebliche Liebesmüh‘

Alles richtig gemacht, aber nur einen Punkt eingesackt. Die Fußballerinnen des FC Viktoria 1889 Berlin sind am Samstag nicht über ein torloses Remis gegen die Zweite des FF USV Jena hinausgekommen. Das Manko in diesem Spiel: Die Chancenverwertung.

Irgendwann in der Schlussviertelstunde wäre Viktorias Teamchef Peter Rießler fast von seinem Stuhl gekippt. Die eingewechselte Jule Reh hatte auf der rechten Seite ihre Gegenspielerin überlaufen und kam diagonal auf das Tor der Gäste zugesaust. Irgendwer brüllte: „Schieß!“ Reh entschied zwar anders, aber nicht unbedingt schlechter. Sie passte mustergültig in den Rückraum, den die mitgelaufene Marlies Sänger just besetzte. Ihr Schuss landete hoch oben im Fangzaun und zum Glück hielt Rießler das Gleichgewicht.

Eine sehr gute Partie mit schlauen Bällen in die Schnittstellen der letzten Gäste-Reihe bot „Sechser“ Anina Sange. Foto: Matthias Vogel

Eigentlich ist Rießler senior ein ruhiger Beobachter der Viktoria-Spiele. Aber das halbe Dutzend ungenutzter Großchancen brachte ihn doch in Rage. In der Anfangsviertelstunde lief Corinna Statz zweimal alleine auf den USV-Kasten zu – und scheiterte. Steffi Gerken hatte kurz darauf die Führung auf dem Fuß – Fehlanzeige. Danya Barsalona, beim Auswärtssieg beim SV Eintracht Leipzig-Süd zweimal treffsicher, nahm Anlauf – wieder nichts. Dann noch einmal Gerken in der zweiten Hälfte und schließlich Sänger mit jeweils einem vergebenen „Riesen“ – das brachte Rießlers Stuhl bedenklich ins Wackeln.

Ansonsten wackelt wenig in Lichterfelde. Trainer und Teamchef-Filius Roman Rießler sprach nach dem Spiel von der „besten ersten Halbzeit“ der Saison und davon, dass wirklich alles so gelaufen sei, wie geplant. „Bis auf die Chancenverwertung.“ Ob Umstellung von 4:3:3 auf 4:5:1, das aggressive Anlaufen der im Spielaufbau befindlichen Jenaer Elf, die spielerischen Lösungen bei des Gegners Druck auf den Ball, die Moral oder das bis zum Abpfiff an den Siegtreffer glauben – es lief: „Mir ist es lieber, wir treten so auf und spielen Remis, als würden wir uns mit mangelhaftem Spiel zu einem 1:0-Sieg würgen.“

Viktorias Neuzugang Celine Dey (himmelblau) erweist sich als echte Verstärkung. Foto: Matthias Vogel

Das kann er freilich gut sagen, die Chancen auf den Titel sind angesichts der Dominanz von RB Leipzig gering – ob mit und ohne Sieg gegen Jena. Rießler hätte seinen Schützlingen womöglich auch amtlicher die Leviten gelesen, hätten diese ungenutzten Chancen das Rennen um die Meisterschaft entschieden. Das läge aber in der Natur der Dinge und kann an dieser Stelle nur Spekulation sein.

Rießler junior war dennoch zu Recht angetan von seiner Truppe. Denn zu den dicken Chancen kamen auch noch jeden Menge schick vorgetragene, erfolgversprechende Offensivaktionen hinzu, die „hi“ nicht konsequent zu Ende gespielt, „da“ durch eine aufopferungsvoll verteidigende Jenaer Mannschaft unterbrochen wurden. Rächen – wie per Fußball-Weisheit beschrieben – hätte sich die fehlende Torausbeute dabei kaum können, denn Jena verzeichnete nur einen, mäßig gefährlichen Schuss auf das von Jule Haacke behütete Viki-Tor. Dazu muss geschrieben werden, dass den Himmelblauen in Hülya Kaya, Beslinda Shigjeqi und Kimberly Zietz alle drei gelernten Stoßstürmerinnen fehlten. „Das können wir dann doch nicht wegstecken“, zog Roman Rießler nach der Partie Resümee.

Viki-Capitana Steffi Gerken (himmelblau) hatte zweimal die Führung auf dem Schlappen. Foto: Matthias Vogel

Mit zunehmender Spieldauer fuchste sich die Gäste-Elf immer besser in die Abwehrschlacht, weshalb Jena-Coach Christian Kucharz am Ende des Liedes auch durchaus stolz sein durfte: „Hut ab vor der Leistung meiner Mannschaft. Das was Viktoria bezüglich Aggressivität und Pressing seit Jahren anbietet, ist richtig stark. Deshalb nehmen wir den Punkt gerne mit.“

Was im Kopf der Zuschauer bleibt, ist ein sehr ansehnliches, packendes Remis der besseren Art. Hätte eine Kamera drauf gehalten, könnte man den Mitschnitt getrost als Werbung für den Frauenfußball verkaufen.


FC Viktoria 1889 Berlin – FF USV Jena II 0:0. Viki-Girls: Haacke – Grosch (79. Steinmeyer), Lux, Fandre, Sänger – Sange, Dey – Trapp, Barsalona (71. Reh), Gerken – Statz. Buli-Backup Jena: M. Wichmann, Große, Güther, Halter, Berk (39. Juckel), Grajquevci, Mehler, Adam, Klinger (42. L. Wichmann), Huck, van Doerdonk. Tore: Nickes! Schiedsrichterin: Kosan. Zuschauer: 70.

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