Dünner Kader, breite Brust

von Matthias Vogel

Schon am morgigen Sonnabend, 7. März, bestreiten die Regionalliga-Fußballerinnen des FC Viktoria 1889 Berlin ihr nächstes Spiel. Die Bundesliga-Reserve des FF USV Jena ist zu Gast, Anstoß ist um 14 Uhr im Stadion Lichterfelde. Viki-Coach Roman Rießler sprach im Vorfeld der Partie von einer „schweren Aufgabe“.

Jung, talentiert, schnell und gut organisiert – der Zweiten aus Jena sieht der geneigte Fußballfan gerne zu. In der vergangenen Spielzeit belegte die Elf des Trainers Christian Kucharz mit 28 Punkten den siebten Platz im Endklassement, in dieser Saison hat sie bereits 22 Punkte gehamstert und bekleidet Rang 5. Auch wenn sich Jena im Derby gegen den 1. FFC Erfurt am vergangenen Wochenende mit einem 1:1 begnügen musste: Zur stets ambitionierten Leistung scheinen sich nun auch gute Ergebnisse zu gesellen.

Muss vielleicht an vorderste Front: Viktorias Mittelfeld-Ass Corinna Statz. Foto: Matthias Vogel

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison trafen die beiden Teams zuletzt aufeinander – wie morgen im Stadion Lichterfelde. Viktoria musste gewinnen, um die theoretische Chance auf den Titel zu wahren. Jena ging in Führung und verteidigte geschickt und erst die Einwechslung der langjährigen Top-Torjägerin Anja Kähler brachte die Wende. Kähler krönte ihre Karriere – es war ihr letzter Auftritt – mit dem Ausgleich und Corinna Statz erzielte sogar noch den Last-Minute-Siegtreffer. Der Titel ging freilich an den 1. FC Union Berlin und nun kommt es eben zum neuerlichen Vergleich.

Auf die Kucharz-Truppe warten selbstbewusste Viki-Girls. Nach allen Regeln der Kunst wurde der unbequeme SV Eintracht Leipzig-Süd am vergangenen Wochenende auf dessen Terrain mit 5:1 abgefieselt. Und auch wenn die ersten beiden Treffer durch Dany Barsalona wohl von Fehlern der Leipzigerinnen stark begünstigt wurden, so gab Eintracht-Coach Fabian Berger am Ende der Partie offen zu: „Viktoria hat das schon sehr gut gemacht, da steht schon Qualität auf dem Platz.“

Julia Reh hat sich untersuchen lassen. Die Diagnose: Kein Corona-Virus, dafür himmelblaues Blut. Alles bestens also. Foto: Matthias Vogel

Das dritte Tor entsprang einer tollen Kombination, an deren Ende Hülya Kaya am Elfmeterpunkt eine Flanke von rechts veredelte. Später schnürte auch sie den Doppelpack. Rießlers Problem: Hinter dem Einsatz von Kaya steht ein dickes Fragezeichen, dazu fehlt Kimberly Zietz berufsbedingt. Weil Beslinda Shigjeqi wegen eines Knorpelschadens ausfällt, fehlen dem Trainer also alle etatmäßigen Spitzen. Improvisieren ist also Trumpf. „Vermutlich werde ich Corinna Statz vorne bringen“, sagt er. Weil die ehemalige Turbine im derzeit praktizierten 4:3:3-System eine wichtige Rolle im Mittelfeld spielt und nur schwer zu ersetzen wäre, wird Rießler umstellen. „Ist aber nicht weiter schlimm, kriegen wir hin“, sagt er.

Ebenfalls nicht am Start für den himmelblauen Tabellenzweiten ist Sara Allouch, sie ist ebenfalls krank. Auch mit geschrumpftem Kader gibt es für die Viktoria wieder einmal morgen nur ein Gas: Vollgas. Wer Rießler kennt, darf das Kind beim Namen nennen: Anspruch und Wirklichkeit sollen deckungsgleich sein, gerade gegen die starken Gegner der Liga.

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