Der Blinker ist gesetzt

von Matthias Vogel

Die Jungen Wilden des FC Hertha 03 Zehlendorf sorgen in der Berlin-Liga der Frauen weiter für Furore. Die Elf von Trainer Henrik Suttinger schlug den amtierenden Meister SC Staaken auf heimischem Terrain sicher mit 2:0. Isabella Trincia und Emilia Rahaus erzielten die Treffer. Der Blinker ist gesetzt, wer vorne schludert, wird überholt.

Borussia Pankow patzte nicht an diesem Spieltag, ansonsten wären die Zehlendorferinnen bereits auf den vierten Platz im Tableau geklettert. Suttinger hat nach der makellosen Bilanz nach der Winterpause durchaus das Gefühl, seine Mannschaft habe in der Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht. „Allerdings bin ich im Zwiespalt, mir kommen manche Teams auch nicht mehr so stark vor wie in der Vorrunde.“

Selma Teuffert hat wie wild im Zehlendorfer Angriff geackert: Ein persönlicher Erfolg blieb ihr verwehrt, das Kollektiv hat davon aber profitiert. Foto: Matthias Vogel

Zu Beginn der Partie an der Onkel-Tom-Straße hatte sich eigentlich eine ausgeglichene Partie angekündigt. Doch mit zunehmender Spieldauer verlagerte sich das Spiel mehr und mehr in die Staakener Hälfte. Das hatte mit dem aggressiven Anlaufen der Zehlendorferinnen nach Abstößen zu tun. Das machten sie nämlich gut und brachten damit Staakens Trainerin Janine Köhler mächtig auf die Palme. „Aus diesen Situationen haben sich beide Gegentreffer entwickelt, weil wir uns diesem Druck nicht entziehen können“, wetterte sie nach der Partie. Eigentlich hätte sie sagen müssen: „wollen“. „Es fehlt an der Einstellung, die Mannschaft ruht sich auf ihren Lorbeeren aus. Es braucht ein Umdenken“, analysierte sie nämlich.

Egal, wie es auch läuft für den SC Staaken: Kimberly Stegermaier ist seit Jahren für ihren Club bestens auf dem dem Posten. Foto: Matthias Vogel

Starker Tobak, der aber sicher nicht völlig zu Unrecht geraucht wird. In der ersten Hälfte kam die 03er-Offensive durch Isabella Trincia zwar nur zu einem Treffer, aber Staaken hatte Glück, dass die Gastgeberinnen eine Handvoll guter Angriffe nicht konsequent zu Ende spielten. Das Tor ging so: Trincia wurde von halbrechts von Lilli Genthe bedient. Halblinks legte sich Herthas Angreiferin den Ball mit dem ersten Kontakt an ihrer Bewacherin Sarah Scheel vorbei in die Box, um ihn dann mit dem linken Fuß zur Führung in die rechte Ecke zu schieben (30.). Vor der Pause hatte Staaken noch die Chance zum Ausgleich. Maxi Wölke war über rechts durch und flankte perfekt auf den zweiten Pfosten. Dort fand sie in Celine Silhavy auch eine Adressatin, die aber diesen „Liebesbrief“ an eine Offensivkraft nicht würdigte und den Ball weit links neben das Zehlendorfer Tor setze.

Isabella Trincia war auf dem Weg zum 1:0 nicht zu halten. Foto: Matthias Vogel

Nach der Pause blieb fast alles gleich: Zum einen kam Staaken zu einer nennenswerten Chance, als die frühere Spielerin des FC Bayern München Sylvie Banecki sich ein Herz fasste, sich den Ball nach ihrem Solo durchs Zentrum einen Tick zu weit vorlegte und Herthas stets gut mitspielende Torhüterin Sophie Kernchen zuschnappte. Zum anderen erzielten die Zehlendorferinnen ein Tor, Emilia Rahaus fand sich in Schlagdistanz wieder und schlug trotz Bedrängnis aus 20 Metern per Fernschuss zu (65.). Ihr Trainer Suttinger freute sich: „Das haben wir trainiert!“. Der einzige Unterschied zu Schicht eins: Hertha war noch besser im Spiel.

Nach dem 2:0 löste Janine Köhler jedenfalls die Staakener Viererkette auf, „packte“ Sarah Scheel nach vorne – alleine der gewünschte Erfolg blieb aus. „Zu viel Kleinklein vor der Box, dabei haben ganz viele von uns einen richtig guten Schuss“, konstatierte Köhler. Laut Suttinger hätte alleine Trincia für einen deutlich höheren Sieg seiner Elf sorgen können. Dreimal scheiterte sie mit ihrer Entscheidung, aber nur eine vergebene Chance kreidete Suttinger ihr an: „Da hätte sie quer legen müssen.“

Schlüsselrolle: Elina Frieauff hat die Fäden im Hertha-Mittelfeld in der Hand. Foto: Matthias Vogel

Für Köhler war die Pleite ein dickes Ausrufezeichen an die Mannschaft, die verstehen müsse, dass es so nicht weitergehen könne. Schon gar nicht gegen Pankow am kommenden Wochenende. Und in Zehlendorf? Ist – surprise, surprise! – die Stimmung prächtig. Der nächste Eingriff in das Geschehen der Berlin-Liga erfolgt am 14. März, zuhause gegen den Friedrichshagener SV. Es sagt niemand an der Onkel-Tom-Straße, aber rasenperlen.com weiß es jetzt schon: Die Jungen Wilden haben mächtig Hunger auf die nächsten drei Punkte.

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