Mühsam, aber verdient

Tegel. Der SC Borsigwalde hat am Samstag vorgelegt im Abstiegskampf der Frauen-Landesliga. Die Elf von Trainer Rainer Lux bezwang auf heimischem Geläuf den Tabellenvierten TSV Mariendorf 1897 mit 4:3 (2:1). Begünstigt wurde der Sieg durch den frühzeitigen Platzverweis von Gäste-Torhüterin Katharina Ott.

Mit Rainer Lux kamen zu Beginn der Saison neun richtig junge Spielerinnen des 1. FC Lübars mit nach Tegel. Der Altersunterschied zum bestehenden Kader war teilweise sehr groß, deswegen habe es anfänglich noch ein wenig geruckelt, sagte der SC-Coach nach der Partie. „Jetzt sind wir auf einem guten Weg, auch wenn es noch viel zu tun gibt.“

Dosenöffner für die gesamte Partie: Coralie Kokott wird von Katharina Ott im Strafraum gelegt. Rote Karte, Elfmeter, Führung für den SCB.
Foto: Matthias Vogel

Den guten Weg haben sicher auch die Rückkehr von Coralie Kokott (Auslandsaufenthalt) und gen Ende der Vorrunde der Zugang von Katharina Schleicher, die in der vergangenen Saison zu Einsätzen für den Regionalligisten SFC Stern 1900 kam, planiert. Die beiden wirbelten die Mariendorfer Abwehr am Samstag ordentlich durcheinander, waren an allen vier Treffern maßgeblich beteiligt.

Zerfahren begann die Partie, bis Kokott einmal durch war und TSV-Keeperin Katharina Ott sie nur noch durch ein Foul stoppen konnte. Höchststrafe für die Gäste, denn Ott sah die rote Karte und Ersatztorhüterin Ronja Schönfeld, bis dato als Feldspielerin aktiv, konnte gegen den Strafstoß von Bengü Sahin nichts ausrichten. 1:0, 13 Minuten waren gespielt. In der Folge wurde das Spiel ansehnlicher, wie so oft, wenn das Salz zur Suppe kommt.

Katharina Schleicher, gekommen vom Regionalligisten SFC Stern 1900, hatte gut und gerne drei weitere Treffer für Borsigwalde auf dem Fuß.
Foto: Matthias Vogel

Borsigwalde nutzte das Plus an Raum zu mehr Dominanz und gefälligem Angriffsspiel, einige gute Kombinationen wurden aber entweder nicht konsequent zu Ende gespielt oder dicke Chancen ausgelassen. Ein Umstand, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Begegnung zog und den Lux später meinte, als er sagte, es gebe noch viel zu tun. „Da sind die Laufwege einfach noch nicht aufeinander abgestimmt.“

Mauer steht falsch: Jessica Hartwig schlägt zu

Auch in der Defensive fehlt es offenbar noch an der Feinjustierung. Als sich Jessica Hartwig den Ball zu Freistoß aus 18 Metern Entfernung in zentraler Position zurechtlegte, stand die SC-Wand falsch. Hartwig versenkte die Kugel staubtrocken und halbhoch im Mauer-Eck zum „Ausgleich aus dem Nichts“ (28.). Kurz vor der Pause stellte Schleicher die leistungsgerechte Führung wieder her. Kokott hatte sie im Zentrum blank gespielt, Schleicher umkurvte* Schönfeld und schob ein (41.). Eine Szene, die Mariendorfs Coach Arnim Jacobeit nach dem Abpfiff immer noch ärgerte: „Ein Geschenk des Schiedsrichters, Schleicher stand klar im Abseits. Das war der Bruch in unserem Spiel.“

Das stimmte so nicht. Nach drei ganz dicken Chancen für Schleicher zu Beginn der ersten Hälfte, bei denen sie stets die falsche Entscheidung traf, hatte erst Hartwig den Ausgleich auf dem Schlappen, als sie mit einem strammen Flachschuss von halbrechts auf die kurze Ecke fast SC-Torsteherin Raphaela Zimmermann überraschte. Und dann traf Doreen Mierschalla doch zum 2:2, nachdem Hartwig einen Freistoß von Links in den Strafraum getreten hatte, die SC-Abwehr den Ball nicht wegbrachte und sie wenig Mühe hatte, selbigen aus zehn Metern in die Maschen zu dreschen (77.).

Vielleicht lag „der Bruch“ im Mariendorfer Spiel also eher im Abwehrverhalten nach dem neuerlichen Ausgleich. Denn anstatt tief zu stehen und vielleicht einen Punkt aus Tegel zu entführen, stand der TSV auffällig hoch. Reichlich Platz also für Kokott, erst auf Zuspiel von Melanie Bönig aus der Tiefe der eigenen Hälfte ihrer Leibgarde zu entwischen und zum 3:2 einzuschieben (81.) und wenig später nach Flanke von der rechten Außenbahn das 4:2 zu markieren (83.). Christin Britt ließ mit einem Fernschuss-Tor (88.) – Zimmermann sah dabei nicht sonderlich gut aus – Mariendorf noch einmal hoffen, es blieb aber beim verdienten Sieg für Borsigwalde.

Cornelia Britt und der Rest des TSV Mariendorf stemmten sich bis zum Schluss gegen die Niederlage.
Foto: Matthias Vogel

Der TSV verliert so langsam den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen, Jacobeit zollte seiner Mannschaft wegen der langen Spieldauer in Unterzahl dennoch größten Respekt vor Leistung und Moral, und haderte nicht nur mit der Schiedsrichterentscheidung: „Anpfiff Samstag um 16 Uhr, da stehen mir einfach nicht alle Spielerinnen zur Verfügung. Ärgerlich. Trotzdem Glückwunsch an Borsigwalde.“ Der SC hat es sich schwerer gemacht als nötig, Lux war sich aber sicher: „In dieser Verfassung dürften wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben.“


SC Borsigwalde – TSV Mariendorf 4:3 (2:1). SCB: Zimmermann, Sahin, Bönig, Schliek, Kokott, Müller, Herpell, Schleicher, Kneisel, Grüning, Hieber. Auch am Ball: Benz, Eigenwillig. TSVM: Ott (13. R. Schönfeld), Schönfeld, Cornelia Britt, Mierschalla, Ganseko, Hartwig, Christin Britt, Lindemann, Papke, A. Schönfeld. Eingewechselt: Kunik. Tore: 1:0 Sahin (13.), 1:1 Hartwig (28.), 2:1 Schleicher (41.), 2:2 Mierschalla (77.), 3:2, 4:2 Kokott (81., 83.), 4:3 Christin Britt (88.). Schiedsrichter: David Naujeck. Zuschauer: 20.


* Beschreibung von Jens Freikowski, Trainer des SFC Stern 1900 II, der die beiden kommenden Gegner seiner Elf studierte und eifrig mitschrieb. Natürlich mit seiner ausdrücklichen Zustimmung.

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