Pflicht? Top! Kür? Solala!

von Matthias Vogel

Neukölln. Wie soll man ein 4:0 einer Spitzenmannschaft der Frauen-Berlin-Liga gegen eine Mannschaft werten, die am liebsten an diesem Spieltag gar nicht angetreten wäre? Norbert Sengstock, Trainer des siegreichen BSV GW Neukölln, gab nach dem Match die Antwort: „Ich bin nicht zufrieden. Das können wir besser!“ Gegner Lichtenberg 47 wird es hingegen recht gewesen sein, dass sich die Heimmannschaft nicht von ihrer Schokoladenseite zeigte.

„Wir hauen uns hier Torpedos als Pässe um die Ohren, unglaublich“, wütete Sengstock zur Pause. „So fest schießen wir ja nicht einmal auf’s Tor!“ Gut für die Spielerinnen des Tabellendritten, dass Laura Lück kurz vor Ende der ersten Schicht noch das 2:0 erzielen konnte, das dürfte Sengstocks Puls und damit auch die Dezibel seiner Kabinenansprache auf ein gesundes Maß reduziert haben. Im Strafraum kam sie an den Ball, zog ab, und der Ball senkte sich abgefälscht in die Maschen (40.). Viona Canning hatte früh die Führung erzielt (9.).

Neuköllns Kopf Alina Kapheim (re.) war eine der wenigen Spielerinnen mit einer vernünftigen Passquote. Foto: Matthias Vogel

Während der Woche hatte Lichtenberg aus Personalmangel noch um eine Spielverlegung gebeten. „Ich glaube, dadurch haben einige meiner Spielerinnen das Spiel auf die leichte Schulter genommen“, resümierte der BSV-Coach nach der Partie. Nach der Nachjustierung in der Umkleide mühte sich seine Elf um „mehr“ Fußball. Das gelang ihr, die Bälle liefen nun wenigstens ein bisschen besser durch die Reihen auf dem glitschigen Teppich-Geläuf, es blieb aber bei einem mäßigen Verbandsliga-Kick.

Immerhin: Nach einer Ecke von der rechten Seite gelang Chantal Brück schnell das 3:0 (49.) – „Per Oberschenkel, etwas glücklich“, sagte die Torschützin. Und Laura Waibel knallte in der Schlussminute „das Ding“ aus 20 Metern Entfernung in den Giebel des 47er-Gehäuses. „Ich hatte einfach die Nase voll“, kommentierte die Torschützin nach der Begegnung ihren Geniestreich.

An Lichtenbergs Keeperin Angela „Blacky“ Schwarz lag es nicht, dass die Partie für ihr Team verloren ging. Foto: Matthias Vogel

Pflicht erfüllt, nicht mehr und nicht weniger. Die Neuköllner Kür blieb aus, dessen war sich auch Lichtenbergs neuer Coach Fabian Bauer bewusst. „Neukölln kann mehr, das weiß ich. Von daher sind wir heute glimpflich davon gekommen.“ In der kommenden Woche muss die Sengstock-Elf zum Friedrichshagener SV. Großes Terrain, Rasen. „Das wird nicht einfach“, so der BSV-Coach. Für ihn ein ganz wichtiges Spiel, denn am 18. März steht das Halbfinale des Polytan-Cups gegen den Regionalligisten SFC Stern 1900 auf der Agenda. „Das wollen wir unbedingt gewinnen und deshalb sind die Ergebnisse in der Liga für uns gerade wichtig“, so Sengstock.


BSV GW Neukölln – Lichtenberg 47 4:0 (2:0). Grün-Weiß: Schrama, Kennin (57. Brelle), Schmalbein, Canning, Lück, Brück (69. Kowalska), Waibel, Bratschke (46. Scheidemann), Gesche, Kapheim, Becker. Li 47: Schwarz, Schubert, Henning, Oelschlägel (66. Romero), Heynen, Weinholz, Behring, Gnadke (54. Stiller), Lenk, Bax, Goldmann. Tore: 1:0 Canning (9.), 2:0 Lück (40.), 3:0 Brück (49.), 4:0 Waibel. Schiedsrichter: Andreas „Nur Bilder von der Seite, bitte!“ Konietzny. Zuschauer: Ja hau mir ins Essen!

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