Spitze!

von Matthias Vogel

Lichterfelde. Eindrucksvoll haben die Viki-Girls die Frage nach ihrem Standing im Regionalliga-Klassement beantwortet: Nix Mittelmaß, sondern spitze! Mit 7:0 kegelte die Rießler-Elf den Tabellenzweiten FC Phoenix Leipzig aus dem Stadion am Ostpreußendamm. Die Überschrift könnte auch „Kaya-Gala“ heißen, die Lichterfelder Stürmerin markierte beim Kantersieg nämlich die ersten vier Treffer.

Stephanie Gerken breitete die Flügel aus und lief die ganz große Kurve, um sich von ihren Mitspielerinnen herzen zu lassen. Die Viktoria-Kapitänin hatte den Schlusspunkt des Tor-Festivals gegen den Aufsteiger gesetzt. Per Steckpass auf die Reise geschickt, legte sie den Ball an der Leipziger Torhüterin Denise Henkel vorbei und schob ihn zum 7:0 ins Netz (82.). Gerken ist nicht gerade als Torjägerin verschrien, aber ihr Treffer war ein dickes Ausrufezeichen hinter das, was die Viktoria im Topspiel auszeichnete, nämlich eine tadellose, geschlossene Mannschaftsleistung. Klar hatte Hülya Kaya mit ihrem Viererpack einen großen Anteil an dem unerwartet deutlichen Triumph, aber das gesamte Team war schlichtweg und ergreifend auf jeder Position besser aufgestellt als die Gäste-Elf.

Viki-Kapitänin Stephanie Gerken markierte das 7:0 und ist damit ihrem persönlichen Ziel – fünf Saisontreffer – einen Schritt näher gekommen. Foto: Matthias Vogel

Relativ einfach hatte es Kaya beim Führungstreffer. Von der rechten Seite wurde sie im Zentrum blank gespielt, verpasste den Ball zunächst, erfreute sich aber dann derart viel Platz, dass sie ihn doch noch ersprinten konnte und mit dem linken Fuß zum 1:0 im Phoenix-Kasten verstaute (11.). Sehenswert war die Entstehung ihres zweiten Treffers. Selina Grosch bekam den Ball nach einem Doppelpass von Jule Reh in den Lauf gespielt, war eine Stiefelspitze vor ihrer Gegenspielerin an der Kugel und konnte sie dadurch perfekt auf den zweiten Pfosten, Höhe Elfmeterpunkt, zirkeln. Kaya nahm sie mit der Brust an und legte sie sich mit dem nächsten Kontakt nach innen. Bevor sie abziehen konnte wurde sie gefoult, den fälligen Strafstoß verwandelte sie selber sicher zum 2:0 (21.).

Ein Küsschen für den Ball, dann das Spielgerät ordentlich zum Elfmeter hingelegt – Fertig ist das 2:0. Hülya Kayas Arbeitsnachweis konnte sich sehen lassen. Foto: Matthias Vogel

Das 3:0 hätte Coach Roman Rießler nicht besser planen können. Der Leipziger Spielaufbau wurde früh gestört, der Ball erobert und Danya Barsalona bekam das Spielgerät postwendend in den Lauf gekickt und spielte sofort nach innen. Dort war Kaya schneller als ihre Bewacherin am Ball und beförderte ihn geschickt in die linke untere Ecke des Phoenix-Gehäuses (26.). Die Krone setzte Kaya kurz nach der Pause ihrer Gala auf. Wieder tauchte sie alleine vor der Kiste der Leipzigerinnen auf, diesmal entschied sie sich für einen rotzfrechen Heber – mit Erfolg: 4:0.

Viel gelaufen und gen Ende noch als Torschützin erfolgreich: Corinna Statz. Foto: Matthias Vogel

Dass Corinna Statz und Danya Barsalona das Ergebnis auf 6:0 schraubten, war kein Zufall, die beiden spielten wie entfesselt auf und hätten sich bereits vorher in die Torschützenliste eintragen können. Überhaupt war Phoenix mit den sieben Gegentreffern noch gut bedient. Das Fehlen der gelb-rot gesperrten Christin Janitzki machte sich stark bemerkbar, die Defensive der Gäste wirkte über die gesamte Spielzeit sehr anfällig. Leipzigs Top-Stürmerin Marlene Haberecht hing an vorderster Front buchstäblich in der Luft und auch Angelina Lübcke konnte trotz steten Bemühens keine Akzente setzen. Genau eine gefährlichr Szene brachte der Aufsteiger auf den Platz. Direkt nach dem 1:0 wurde Yvonne Starick schulbuchmäßig auf der linken Seite in Szene gesetzt. Sie flankte sofort nach innen zu Haberecht, und die verpasste den Ausgleich nur um Zentimeter, links neben dem Viki-Gehäuse rauschte ihr Versuch ins Leere. „Den macht sie sonst sicher, da hatten wir Glück“, erinnerte sich Rießler während seines Fazits. Überhaupt habe er das Gefühl gehabt, dass jemand Leipzig einen gebrauchten Tag angedreht hätte.

Selina Grosch (am Ball) kam zum Saisonwechsel von Hohen Neuendorf und hat sich mit Leidenschaft und konstant guten Leistungen in die Stammelf von Viktoria gearbeitet. Foto: Matthias Vogel

Jedenfalls war er zufrieden, dennoch latschte er schon bei der Post-Match-Ansprache entschieden auf die Euphoriebremse. „Das war bis auf ein paar Kleinigkeiten stark heute. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die Chanchenverwertung. Da waren wir in der zweiten Hälfte ein wenig zu fahrlässig. Vor allem aber müssen wir diesen Sieg einzuordnen wissen, gegen Magdeburg kommende Woche wird es deutlich schwerer für uns werden.“ Vierfach-Torschützin Hülya Kaya ließ sich die Laune nicht verderben: „Ich habe schon einmal vier Regionalliga-Tore in einem Spiel geschafft, sogar in einer Halbzeit. Aber da war ich noch jung. Heute wären sogar sechs Treffer möglich gewesen. Das Kopfballtor von mir war kein Abseits und in der ersten Hälfte werde ich noch einmal klar im 16er gefoult. Ich denke wir brauchen noch ein wenig, um uns richtig einzuspielen, aber das war heute schon richtig gut.“


FC Viktoria 1889 Berlin – FC Phönix Leipzig 7:0 (3:0). Viki-Girls: Haacke, Agac (70. König), Lux, Fandre, Reh (70. Trapp), Barsalona, Gerken, Sange, Grosch, Statz, Kaya (66. Steinmeyer). Phoenix: Henkel, Trotz, Sperling, Freitag, Kohlmeier, Gäbler, Haberecht, Herbst, Elste, Lübcke, Starick. Tore: 1:0, 2:0, 3:0, 4:0 Kaya (11., 21., 26., 52.), 5:0 Statz (63.), 6:0 Barsalona (74.), 7:0 Gerken (82.). Schiedsrichterin: Katharina Kruse, SR-Assistenten: Uwe Weitzmann, Nico Läufer. Zuschauer: 70.

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