Nichts zu löten

Mariendorf. Teuer wollte die Sp.V. Blau-Weiß 1890 Berlin am vergangenen Sonntag ihre Haut gegen Türkiyemspor verkaufen. Der Coach des Berlin-Ligisten aus Mariendorf Clemens Haack sah am Ende des Liedes die Mission auch durchaus erfüllt. Mehr sei aber auch aus mehreren Gründen einfach nicht drin gewesen. 1:5 (1:3) unterlagen seine Mädels dem Favoriten, Gäste-Ass Aylin Yaren traf dreimal ins Schwarze.

Im Vorfeld hatte Murat Dogan, Trainer der Gäste, das Spitzenspiel scharf gemacht. Blau-Weiß gehöre zu den Teams, die seiner Truppe den Weg zur Meisterschaft holprig gestalten könnte. Danach sah es auch lange aus. Zwar war Türkiyemspor von Beginn an feldüberlegen, aber so recht gefährlich wurde es für den von Annelie „Stocki“ John gehüteten Kasten zunächst nicht. Die Haack-Elf stand stabil, Türkiyemspor rannte sich fest oder brachte nicht genug Druck hinter den Abschluss. Mitte der ersten Hälfte passierte es dann doch: Ein geblockter Schuss landete an der Strafraumgrenze Aylin Yaren vor den Füßen. Ein, zwei Meter dribbelte sie noch an, dann schob sie den Ball aus zentraler Position mit links vorbei an John zum 0:1 ins Netz (22.). Der ungewöhnlich ausgelassene Jubel Yarens und des restlichen Dogan-Teams dokumentierte: Bis hierher war die Reise für Türkiyemspor nicht leicht. Das änderte sich auch während der gesamten ersten Schicht nicht mehr.

Obenauf: Aylin Yaren (li.) war mit drei Toren im Spitzenspiel gegen Blau-Weiß die überragende Türkiyemspor-Spielerin. Foto: Matthias Vogel

Zunächst schlug nämlich auch noch Blau-Weiß zurück. Torjägerin Daniela Schmidt war die unbedrängte Adressatin einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld von Jana Teodoridis. Die Volleyabnahme misslang ihr noch, aber handlungsschnell drückte sie den auftippenden Ball dann an der Kreuzberger Torhüterin Kevser Gündogdu vorbei in die Maschen (29.). Türkiyemspor antwortete allerdings schnell. Neuzugang Lena Cassel lief Katharina Wenk auf der linken Abwehrseite von Blau-Weiß aggressiv an. Den eroberten Ball spielte sie sofort in die Mitte und Zehra Badem verstaute die Kugel zum 1:2 in der langen Ecke, John war machtlos (32.).

Daniela Schmidt (li.) markiert den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1, Lena Pflanz (3), zu Saisonbeginn vom SV Adler gekommen, gratuliert. Foto: Matthias Vogel

Während der zweiten Schicht sah Clemens Haack insgesamt einige, aber nicht zwingende Chancen für beide Mannschaften. „In den entscheidenden Situationen hat Türkiyemspor dann aber einfach die individuelle Klasse aufblitzen lassen.“ Haack nannte exemplarisch das 1:5 kurz vor Schluss, als Yaren den Schnittstellenball von Erika Szuh erlief, die herauseilende Ersatztorhüterin Katharina Reitzig – eigentlich Feldspielerin – umkurvte und einschob (87.). „Die hat nicht einmal hingeguckt, hat das einfach gewusst, dass die Keeperin rauskommt“, berichtete der 1890er-Coach. Yaren hatte nach einem ähnlichen Zuspiel bereits das 1:3 erzielt (47.), Cassel hatte ihre starke Leistung mit dem 1:4 (79.) gekrönt.

Weil Lena Cassel intensiv anläuft, verliert Katharina Wenk (li.) gleich den Ball. Cassel spielt nach innen, es fällt das 1:2. Foto: Matthias Vogel

Am Ende waren sich beide Trainer einig: Türkiyemspor hatte das Spiel gewonnen, weil es die Fehler im Marienfelder Aufbauspiel konsequent und eiskalt in Treffer ummünzte. „Es hätte heute schon alles zusammenpassen müssen für uns, damit es spannender geworden wäre. Hat es aber nicht“, resümierte Haack und haderte ein wenig mit dem Umstand, das „Stocki“ John zur Halbzeit berufsbedingt den Kasten räumen musste. „Ich denke, zumindest das 1:3 wäre dann nicht passiert.“ Haack war dennoch zufrieden. „Wir haben uns teuer verkauft. Dass das heute schwer werden wird, war uns klar.“ Murat Dogan war eher mit der zweiten Hälfte seiner Elf als mit der ersten einverstanden. „Wir haben diese Saison eine gute Vorbereitung hingelegt. Das zahlt sich nun aus. In der vergangenen Saison waren wir es, die in den letzten 20 Minuten eingebrochen sind, jetzt können wir bis zum Schluss den Gegner anlaufen – und so wie heute zu Fehlern zwingen.“

Anstrengender Tag für Julia Primann (re.): Erika Szuh und der Rest des aktuellen Tabellenführers Türkiyemspor machen gerne Stress. Foto: Matthias Vogel

Türkiyemspor grüßt nun weiterhin ohne Punktverlust vom Platz an der Sonne, Blau-Weiß muss sich freilich nicht grämen. Aber eine Chance, den Kreuzbergerinnen auf dem Weg zum Titel einen Stein in den Weg zu legen, ist vertan.


Sp.V. Blau-Weiß 1890 Berlin – Türkiyemspor Berlin 1:5 (1:2). Blau-Weiß: John (46. Wuertz), Pflanz, Reitzig, Schmidt, Düwel (56. Felsch), Lorenz, Enge, Primann, Wenk, Teodoridis, Hess. Türkiyemspor: Gündogdu, Wagner, Kok, Badem (82. Turac), Krüger (82. Ayad), Cassel, Bernstein, Szuh, Yaren, Eren, Kaplan. Tore: 0:1, 1:3, 1:5 Yaren (22., 47., 87.), 1:1 Schmidt (29.), 1:2 Badem (32.), 1:4 Cassel (79.). Schiedsrichterin: Viola Fiedler-Babin. Zuschauer: Ein paar halt.

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