Tek hedef şampiyonluk

von Matthias Vogel

Der Frauenfußball beim Kreuzberger Club Türkiyemspor hat eine beeindruckende Entwicklung genommen. Allgemein während der vergangenen eineinhalb Dekaden, speziell aber während der jüngsten vier Spielzeiten. In den vergangenen beiden Jahren schnupperten Trainer Murat Dogan und seine Elf schon am Titelgewinn in der Berlin-Liga. In dieser Saison soll der Aufstieg her und bislang sieht es blendend aus.

Es ist der zwar lange, aber dafür nachhaltige Weg an die Spitze des Berliner Frauenfußballs, für den sich Dogan entschieden hatte, als er vor 16 Jahren begann, sich für die Fußballerinnen seines Vereins stark zu machen. Schon zu Landesliga-Zeiten drückte er gerne auf die Euphorie-Bremse, wenn es gerade verheißungsvoll lief. Seit dem Aufstieg in die Berlin-Liga 2016 hat er das Konzept ein wenig erweitert. Zum bestehenden Spielerinnen-Pool dürfen seither nicht nur Talente aus der eigenen guten Jugendarbeit stoßen, sondern auch Spielerinnen, die sich ihre Meriten zuvor höherklassig verdient haben.

Offensiver Neuzugang: Lena Cassel kam von Fortuna Köln zu Türkiyemspor.
Foto: Matthias Vogel

Schon das Debüt in der höchsten Liga der Stadt konnte sich sehen lassen: Platz 6. In der Saison 2017/18 landeten die Kreuzbergerinnen bereits auf dem dritten Rang und im vergangenen Jahr stand ihnen dann nur der SC Staaken auf dem Weg zur Meisterschaft im Wege – mickrige drei Punkte trennten die beiden überragenden Teams am Ende. Besonders bitter für Türkiyemspor: Mit einem Torverhältnis von 139:22 sollte am Ende schon der Titel zu Buche stehen. Dass das nicht geklappt hat, hat mit der Kehrseite einer Medaille zu tun. Denn Spielerinnen aus ehemals höheren Gefilden wollen vielleicht noch gerne kicken, aber nicht mehr ausschließlich. Dogan musste also nicht selten auf seine vor der abgelaufenen Spielzeit verpflichteten Leistungsträgerinnen und ehemaligen Nationalspielerinnen Aylin Yaren (Türkei) und Erika Szuh (Ungarn) verzichten.

Gespräche halfen

Das sollte in der aktuellen Spielzeit anders werden. „Ich habe entsprechende Gespräche geführt. Ich habe hier eine Top-Truppe, mit der wir um den Aufstieg mitspielen können und das auch unbedingt wollen“, skizziert Dogan die aktuelle Lage. Zu den Gesprächen gehörten auch die mit jungen Spielerinnen, die einfach schlucken müssen, am Spieltag Platz für weniger „trainingsfleißige“ Kolleginnen zu machen. Diese Offenheit hat sich offenbar ausgezahlt, denn Dogan berichtet: „Wir haben das Ziel Aufstieg definiert. Und ich habe den Mädels gesagt, ich mache da keine Kompromisse. Das haben sie verstanden. Die Stimmung ist bestens, wir haben 17 bis 18 Spielerinnen im Training.“

Die neue Türkiyemspor-Innenverteidigerin Lena Schrum, zuletzt bei Bayer Leverkusen unter Vertrag, ist eine Bereicherung für die Liga. Foto: Matthias Vogel

Sechs Spiele, sechs Siege, Platz 1: Die altbekannten Qualitäten spiegeln sich schon jetzt in dem noch so jungen Tableau der Verbandsliga wider: Starker Sturm, tolle Defensive – ein Torverhältnis von 38:2. Nicht nur gute Gespräche haben Türkiyemspor auf Kurs gehalten. Dogan durfte zum Saisonstart auch drei Neuzugänge mit passablem Background begrüßen: Innenverteidigerin Lena Schrum (28 Jahre) kickte für den 1. FC Köln in der Zweiten Liga, wechselte dann zu Bayer 04 Leverkusen, bevor es sie beruflich nach Berlin verschlug. Angreiferin Lena Cassel (26) war für Fortuna Köln am Ball, über Aylin Yaren fanden die beiden den Weg zu Türkiyemspor. Dazu kam Stürmerin Tugce Turac vom 1. FC Union Berlin. „Sie saß dort nur auf der Bank. Dafür ist sie uns definitiv zu schade“, so Dogan. Diese Neuzugänge, so der Coach und Spartenchef, würden ihm in dieser Saison deutlich mehr Optionen bieten.

Die letzten Leidtragenden: FC Hertha 03 Zehlendorf

Zuletzt musste der von der Konkurrenz hochgelobte Talentschuppen von Hertha 03 Zehlendorf die unangenehme Bekanntschaft mit den neuen Möglichkeiten von Türkiyemspor machen. Mit 0:7 kam die Suttinger-Elf auf dem großen Rasenrechteck an der Dudenstraße unter die Räder. Eine Halbzeit lang bot die Hertha Paroli, dann brachen alle Dämme. Auffallend: Türkiyemspor knackte den Zehlendorfer Riegel konsequent über außen, die beiden jungen Kreuzberger Flügelstürmerinnen Karla Krüger und Arzum Eren wurden immer wieder aus dem Zentrum glänzend in Szene gesetzt und präsentierten sich dazu selber in bester Spiellaune.

Ein Team, ein Ziel: Türkiyemspor will rauf. Foto: Matthias Vogel

Die beiden gaben dann auch den Dosenöffner: Krüger setzte sich über rechts durch, flankte perfekt nach innen, Erika Szuh sauste noch unter dem Ball hindurch aber am zweiten Pfosten nahm die eingerückte Eren den Ball an und jagte ihn unter das Dach des Zehlendorfer Kastens (22.). Eine Schlüsselminute, denn der Führungstreffer für die Dogan-Elf fiel im direkten Gegenzug einer der wenigen, aber dafür ganz dicken Hertha-Chancen. Turac hatte den Ball verloren und dann ging alles sehr schnell. Ein Steilpass aus dem Zentrum, und die 03er-Angreiferin Isabella Trincia stürmte aus halblinker Position auf das Türkiyem-Gehäuse zu, ihr Schuss landete am Außennetz.

„Wir sind schlagbar“, sagte Murat Dogan auf Nachfrage von rasenperlen.com. „Man muss es nur gut machen.“ Gut gemacht habe es an diesem Tag der Gegner, zumindest in der ersten Hälfte. Das fand auch Hertha-Coach Henrik Suttinger. „Wir haben leider in der zweiten Hälfte den Anschluss verpasst, die erste Hälfte war vollkommen in Ordnung.“ Jedenfalls stand es zur Pause 2:0, Lena Cassel überlupfte nach pikfeiner Vorarbeit von Arzum Eren Herthas Torhüterin. Dass nach der Pause für die Gäste nichts mehr ging, war sicher auch der konsequenten Türkiyem-Gangart über die Flügel geschuldet. Die Treffer drei, vier und fünf von Eren, Cassel und Yaren (52., 56., 61.) bereitete Karla Krüger über die rechte Seite vor. Aylin Yaren setzte dann noch den sechsten und siebten Treffer drauf (65., 76.).

Eine überragende Partie lieferte Karla Krüger (li.) auf dem rechten Flügel ab.
Foto: Matthias Vogel

Am morgigen Sonntag, 6. Oktober, geht es für Dogans Schützlinge um die nächsten Big Points. Eine Handvoll Teams könnten Türkiyemspor stoppen, sagt der Coach, die Sp.Vg. Blau Weiß 1890 Berlin gehöre auf jeden Fall dazu. „Attacke“, laute dennoch die Parole für seine Mädels. Sich verstecken, das könne sein Team ohnehin nicht. Sollten die Kreuzbergerinnen stolpern, ist Dogan gewappnet. „Ich sage ja nur, dass wir rauf wollen. Ob das klappt, hängt von ganz vielen Faktoren ab. Die Saison ist lang, es kann so viel passieren.“ Und selbst, wenn sein Team die Meisterschaft feiern könnte, so wäre da ja immer noch das Relegationsspiel.

Der Aufstieg? Ein Traum mit gutem Gewissen!

Sicher ist sich Dogan indes darüber, dass die Zeit reif wäre. „Ich glaube, wir könnten mit dieser Truppe in der Regionalliga mithalten.“ Bestätigung fand er während der Vorbereitung, als Regionalligist FC Phönix Leipzig klar bezwungen wurde und es gegen den Regionalligisten Blau-Weiß Hohen Neuendorf nur eine knappe 0:1-Niederlage setzte. „Ich habe in beiden Spielen keine großen Unterschiede gesehen“, sagt Dogan. Die B-Juniorinnen des Vereins kicken in der Verbandsliga und auch die vielen noch jüngeren Talente der durchgängig vorangetriebenen Jugendarbeit lassen Dogan guten Gewissens vom weiteren sportlichen Aufstieg träumen. „Da werden in den kommenden Jahren immer wieder tolle Spielerinnen nachrücken.“

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