Lück und Brück – da braut sich etwas zusammen!

von Matthias Vogel

Neukölln. Ist das nun eine Überraschung oder nicht? Die Niederlage der Berlin-Liga-Top-Elf Sp.Vg. Blau Weiß 1890 Berlin bei den Fußballerinnen des BSV GW Neukölln hatten sicher nicht alle Experten auf dem Zettel, andererseits war es noch nie leicht, an der Johannisthaler Chaussee zu bestehen. Jedenfalls gewann die Sengstock-Elf verdient mit 4:2 (2:1).

Norbert Sengstock lenkt nun bereits seit einiger Zeit die sportlichen Geschicke der Neuköllnerinnen. Wenn er dabei etwas zu bemängeln hatte, dann die unsteten Leistungen seiner Elf. An einem Tag zu allem fähig, an einem anderen nur zu wenig zu gebrauchen. Immer unumstritten: Die spielerische Stärke seiner Mädels, das Talent der gesamten Mannschaft.

Nach dem Sieg gegen Blau Weiß rangiert das Team im Moment mit sieben Punkten lediglich auf dem neunten Tabellenplatz. Aber es ist gut möglich, dass das derzeitige Standing der Grün-Weißen mit ihrem wahren Wert relativ wenig gemein hat. Das Auftaktprogramm war gesalzen und wenn auch das Punktekonto zunächst leer blieb, so hätten die guten Ergebnisse gegen die echten Schwergewichte der Liga – 0:2-Niederlage gegen Türkiyemspor, 2:3-Pleite gegen Pankow – schon einen Hinweis auf das neue, erstarkte Neukölln 2019/2020 geben können. „Türkiyemspor war nach eigenem Bekunden letztlich froh, drei Punkte gegen uns geholt zu haben“, bestätigte Norbert Sengstock.

Nele Becker (li.) wird immer stärker, hier bestreitet sie einen Zweikampf gegen 1890er-Neuzugang Naomi Kühl. Foto: Matthias Vogel

Türkiyemspor, Pankow, Marzahn (5:2-Sieg) und jetzt der 4:2-Triumph gegen Blau Weiß, Neukölln fühlt sich gerade nicht unwohl im Konzert der Großen. Beflügelt hätten die Mannschaft drei Neuzugänge, findet Sengstock, dessen Bruder und Co-Trainer Peter die Mannschaft am Sonntag coachte. Linda Kunze, „irgendwo aus Westdeutschland“, und die beiden Italienerinnen Ester Vescovi (3. Liga Italien) und Marica Valente (2. Liga Italien), alle drei am Sonntag eingewechselt, würden nicht nur menschlich hervorragend ins Team passen, sondern hätten auch endlich den Konkurrenzkampf befeuert, den er sich als Trainer schon länger gewünscht habe.

Gegen Blau Weiß führte Neukölln nach den ersten 45 Minuten mit 2:1. Laura Lück war Nutznießerin des Angriffspressings. Einen schlecht temperierten Querpass der Gäste lief sie ab und schob den Ball zur Führung ein (4.). Daniela Schmidt egalisierte fast postwendend (8.), ehe Neuköllns Spielgestalterin Alina Kapheim den Spalt in der gegnerischen Viererkette lokalisierte und den Ball genau dort hindurch in den Lauf von Lück spielte. „Tolles Zuspiel, ich musste nur noch rechts unten einschieben“, schilderte Lück die Entstehung ihres zweiten Streichs (44.).

Neuzugänge hin oder her: Kopf der Kreativabteilung beim BSV GW Neukölln ist und bleibt Alina Kapheim. Foto: Matthias Vogel

Kurz nach der Pause konnte der Favorit aus Marienfelde dann vom Glück reden, dass der Unparteiische Grün-Weiß einen Foulelfmeter versagte. Nele Becker wurde in der Box grob und illegal von den Beinen geholt, der Pfiff blieb unverständlicher Weise aus. In der nächste Aktion verletzte sich die Torhüterin der Gäste Annelie John so schwer, dass eine Feldspielerin ins Tor musste. Eine Schlüsselszene. Denn das nutzte Neukölln eiskalt aus: Zwei Freistöße von Nele Becker aus 23 Metern (56.) und von Chantal Brück aus 40 Metern (77.) – die Interims-Torhüterin blickte in die Sonne – schlugen unter der Latte der Marienfelder Kastens ein. Blau Weiß hätte zügig verkürzen können, einmal verhinderte die Latte nach einem tollen Zuspiel von Constanze Hess von der rechten Seite ins Zentrum den zweiten Torjubel von Schmidt, später kam die Stürmerin eine Stiefelspitze zu spät, um eine gefühlvolle Freistoßflanke von Jana Teodorides in Zählbares umzumünzen. Bezeichnend für den „gebrauchten Tag“ für Blau Weiß war, dass das „Trostpflaster 2:4“ von der Neuköllner Eigentor-Schützin Angelique Bratschke aufgeklebt wurde (88.).

„Wir haben keine Lösung gefunden“, bekannte die Marienfelder Torhüterin Annelie John nach der Partie. Zu allem Überfluss musste sie kurz nach der Pause auch noch verletzt vom Feld. Foto: Matthias Vogel

Annelie John sagte nach der Partie: „Wir ärgern uns weniger über die Niederlage selbst als über ihr Zustandekommen. Neukölln zuhause ist immer ein dicker Brocken, das wissen ja alle. Aber wir haben uns heute auch nicht geschickt angestellt, habe keine Lösung und nie wirklich ins Spiel gefunden.“

„Da habt ihr euren doofen Ball!“ Blau Weiß-Coach Clemens Haack hatte sich den Sonntag Nachmittag anders vorgestellt. Foto: Matthias Vogel

Wie dick der Brocken Neukölln in dieser Saison sein wird, das wird sich nun weisen. An den nächsten beiden Spieltagen wird gegen Hohen Neuendorf II und Lichtenberg 47 gekickt, beides Teams, die im hinteren Tabellendrittel stehen. Zwei Siege, und die Begegnung mit dem amtierenden Berlin-Liga-Meister SC Staaken am 20. Oktober avanciert zum Topspiel. Steht auch nur ein Remis zu Buche, wird man sich in Neukölln nochmals über fehlende Konstanz unterhalten müssen.


BSV GW Neukölln – Sp. Vg. Blau Weiß 1890 Berlin 4:2 (2:1). Dicke Brocken: Schramer, Kennin, Canning (58. Valente), Lück, Brück, Hornung, Kapheim, Scheidemann (73. Vescovi), Bratschke, Waibel (88. Kunze), Becker. Zähne ausgebissen: John, Kühl (87. Barz), Reitzig, Schmidt, Düwel, Sickelko, Wuertz, Enge (52. Engler), Primann, Teodoridis, Hess. Tore: 1:0, 2:1 Lück (4., 44.), 2:1 Schmidt (8.), 3:1 Becker (56.), 4:1 Brück (77.), 4:2 Bratschke (ET, 88.). Schiedsrichter: Donald Spaine. Zuschauer: 50.

Ein Kommentar zu „Lück und Brück – da braut sich etwas zusammen!

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  1. Zu Hause ist Neukölln eine macht, dass kann ich bestätigen. Da muss man hundert Prozent geben und keine Fehler machen. Mit Glück Geschick haben wir diese Hürde genommen. Neukölln wird definitiv entscheidend für die Meisterschaft sein.

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