Bude voll, Kopf voll!

von Matthias Vogel

Steglitz. Harald Planer hat nach den jüngsten beiden Spielen in der Regionalliga Nordost den Kopf voll. Einmal setzte es für seine Ladies vom SFC Stern 1900 vier Gegentore, einmal fünf – und das vor heimischer Kulisse. Sowohl der FC Phoenix Leipzig noch der Magdeburger FFC zählen freilich zur Laufkundschaft, „dennoch müssen wir nun den Fokus auf unsere Defensive legen“, so der Coach der Steglitzerinnen.

Vor Wochenfrist war es die individuelle Klasse der Phoenix-Asse Christin Janitzki, Angelina Lübcke und Marlene Haberecht, die den Ausschlag für die 2:4-Niederlage gab. So viele Möglichkeiten für die Gäste hatte Planer gar nicht gezählt, aber die wenigen wurden von dem Zweitliga erfahrenen Trio gnadenlos effizient in Zählbares verwandelt. Exemplarisch soll das 0:1 dienen, das die starke Anfangsphase der Steglitzerinnen zur Makulatur verkommen ließ. Ein Traumpass über die letzte gelb-blaue Reihe hinweg prallte einmal Höhe Strafraumkante auf und Marlene Haberecht wuchtete die Kugel mal eben in den Giebel (10.). Kurz nach der Halbzeit fiel das 0:4, laut Planer seien auch die restlichen drei Phoenix-Buden schlichtweg nicht zu verteidigen gewesen. Für die Sterne sprach die große Moral, am Ende hieß es durch zwei blitzsaubere Tore durch Nicole Schröder (76.) und Jacqueline Behrends (90.) nämlich nur noch 2:4 und Planer war einigermaßen versöhnt. „Eine tolle zweite Hälfte, wenn uns früher das 1:4 gelungen wäre, wäre es sicher noch einmal spannend geworden.“

Auch Jaqueline Behrends (li.) war ab Minute 46 vorwiegend in der Defensive gebunden.
Foto: Matthias Vogel

Eigentlich war die erste Hälfte beim 1:5 gegen den Magdeburger FFC am vergangenen Sonntag auch genau nach dem Geschmack des Coaches. Das 1900er-Spiel war – im Bewusstsein der Magdeburger Qualität – auf Kontern ausgelegt und in der 19. Minute trug der Matchplan Früchte. Einen herrlichen Konter schloss Kimberly Lange zur Führung ab, einen weiteren vereitelte Magdeburgs Keeperin Jana Tauer in letzter Sekunde gegen Lisa Weinberg. „Sie war eigentlich schon vorbei“, berichtete Planer. Den Ausgleich in der 34. Minute hätte Stern wohl noch verkraftet, der Magdeburger Doppelschlag kurz vor und nach der Pause durch Chantal Schmidt war aber dann doch zu viel. Zumal Schmidt beide Male nach groben Schnitzern im Spielaufbau alleine auf das Steglitzer Tor zulaufen durfte. Fortan war der FFC eindeutig Chef auf dem Sterner und schraubte mit zwei Abstaubern durch die eingewechselte Manuela Knothe (90.) und Antonia Schulz (90.+2) das Ergebnis in die nicht unverdiente Höhe. Dem Tor von Schulz ging ein Schuss von halbrechts auf die kurze Ecke voraus, den Sterns Torhüterin Jamie-Lee Tißler sicher hätte haben müssen. Sie ließ ihn jedoch zur Mitte abprallen, die FFC’lerin bedankte sich.

Immer einen Schritt zu spät, so wirkte das Agieren der Steglitzerinnen. Hier probiert Nicole Schröder (li.) vergeblich, Antonia Schulz an ihrem Pass in die Spitze zu hindern.
Foto: Matthias Vogel

Planers Beobachtung: „Und fehlt ein wenig die Balance. In dem Moment, wo wir uns auf das schnelle Umschalten konzentrieren und es gut machen, machen wir in der Defensive Fehler – und umgekehrt.“ Den Magdeburgern wollte er allerdings nichts wegnehmen: „Gemessen an ihrem Aderlass haben sie wieder ein unglaublich lauf- und spielstarkes Team auf die Beine gestellt. Nachdem sie den Respekt vor uns verloren hatten, haben sie hinten quasi nur noch mit den beiden Innenverteidigerinnen abgesichert, ansonsten waren alle permanent an den Offensivaktionen beteiligt.“ Für einen anderen Spielverlauf fehlte den Steglitzerinnen auch das nötige Spielglück. Beim Stande von 1:3 jagte Kimberly Lange nach einer Freistoßflanke aus dem linken Halbfeld den Ball aus kürzester Distanz in Richtung Breitenbach-Platz anstatt in die Magdeburger Maschen. „Vielleicht wäre der FFC dann noch einmal ins Grübeln gekommen“, mutmaßte Planer.

Permanent unter Druck und vorne kaum Anspielstationen – Für Rechtsverteidigerin Tamara Schwabe und ihre Abwehr-Kolleginnen war die zweite Hälfte kein Zuckerschlecken.
Foto: Matthias Vogel

Zu viel Konjunktiv, das weiß auch der Sterner Vorturner. Er ist nach den beiden Ergebnissen auf der Hut, auch wenn er weiß, dass er sich mit seiner Elf an Teams unterhalb der Spitzengruppe orientieren muss. Aber ein Platz im Mittelfeld ist für ihn in dieser Spielzeit kein Selbstläufer. „Wenn ich mir die Ergebnisse anschaue, kann sich die Saison für uns in beide Richtungen entwickeln.“ Im Moment schielt er offenbar eher nach unten, jedenfalls erhob er die nächste Partie am 15. September zuhause gegen Aufsteiger 1. FFV Erfurt zum ersten Vergleich mit großer Bedeutung. Planer wird an der Defensive basteln, die sei derzeit einfach nicht „sattelfest“, und er wird froh sein, dass er dafür zwei Wochen Zeit hat.


SFC Stern 1900 – Magdeburger FFC 1:5 (1:2). Sterne: Tißler, Schwabe, Behrends, Schröder (80. Armanious), Wacker, Pilz (57. Selmke), Miethke (67. Nowak), Weinberg, Cibusch, Sohr, Lange. FFC: Tauer, Oerlecke, Münch, Hornetz, Seidler, Schmidt (75. Knothe), Hildebrand, Fischer (70. Klamt), Spiller, Wendt (66. Alsleben), Schulz. Tore: 1:0 Lange (19.), 1:1 Münch (34.), 1:2, 1:3 Schmidt (42., 46.). 1:4 Knothe (90.), 1:5 Schulz (90.+2). Schiedsrichterin: Katharina Kruse ( Ludwigsfelder FC). Zuschauer: 50.

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