Messow macht den Sack zu

von Matthias Vogel

Kreuzberg. Es war Fußball-Magerkost, was die beiden ersatzgeschwächten Landesliga-Teams des FSV Hansa 07 und der 1. FC Schöneberg auf dem Kunstrasen in der Wrangelritze zeigten. Weil die Gäste nicht aufsteckten, blieb es aber lange spannend, erst ein Foul-Elfmeter brachte in der Schlussphase die Entscheidung für die Hansa-Mädels.

Wenn Kai Weber eine Erkenntnis aus dem Spiel gezogen hat, dann die: „Wir müssen wieder an die Basics ran. Ballan- und -mitnahme und das Passen üben. Das war heute nicht schön anzusehen“, resümierte der Hansa-Coach nach der zähen Partie. Begonnen hatte es gut für seine Elf. In Abwesenheit von Torjägerin Sophie Duschl nominierte er die agile Iris Forcadell Ciuret auf dem rechten Flügel als Zielspielerin für die Offensivaktionen. Das fruchtete gut, Schöneberg hatte Mühe mit ihr. Das erste Tor fiel allerdings über die andere Seite. Jeanette Tolle hatte aus dem linken Halbfeld einen Ball auf den langen Pfosten geschlagen. Zwei Kolleginnen von hier rauschten zwischen Elfmeterpunkt und Torraum an der Kugel vorbei und das brachte Schönebergs gute Keeperin Tabea Raasch auf den falschen Fuß. Der Ball trudelte ohne weiteren Kontakt einer Spielerin in die von ihr aus gesehen linke untere Ecke (28). Kurz vor der Pause zog dann auch die „Variante Ciuret“. Auf die Reise geschickt, war sie nicht mehr zu stoppen, sie schob den Ball an Raasch vorbei zum 2:0 in die Maschen (40.).

Mandana Wannek (61) im Zweikampf mit Hansas Antonia Schuster. Foto: Matthias Vogel

Glück für Hansa, dass auch das Team von Trainer Dieter Schilling an diesem Tag große Probleme mit der Ballkontrolle hatte. Pech für die Zuschauer. Denn der Ball blieb während der zweiten Schicht selten länger als zehn Sekunden in den Reihen einer Mannschaft. Phasenweise glich das Treiben auf dem harten Kunstrasen einer absichtlich inszenierten Fehlpassorgie inklusive jeder Menge Stockfehler. Immerhin war im pausenlosen Ballbesitzwechsel noch das Ansinnen Schönebergs zu erkennen, Hansa früh zu stören und doch noch den Anschluss zu schaffen. Nach einer Stunde titschte ein Freistoß aus 25 Metern halbrechte Position auf der Latte des Hansagehäuses auf, ein wenig später rutschte Sabrina Kurth am zweiten Pfosten eine Bilderbuch-Flanke über den Scheitel. Vermutlich war Schönebergs Angreiferin wie ihre Bewacherin von der Ankunft des immer länger werdenden Balls überrascht. Hansa konterte in dieser Phase ab und an nicht ungefährlich, die dickste Chance zum 3:0 hatte Andrea Pürstinger auf dem Schlappen, als sie zentral Höhe Elfmeterpunkt frei an den Ball kam, das Spielgerät aber über den Fangzaun in die Botanik donnerte, als es überlegt im Schöneberger Tornetz zu platzieren.

Schönebergs Trainer Dieter Schilling zeigt die Richtung an, seine Mädels sollten Hansa früh anlaufen. Foto: Matthias Vogel

Dann war es doch soweit. Schöneberg traf. Und die Entstehung des Treffers passte zum Spiel wie die Faust auf’s Auge. Eine Freistoß-Flanke von halblinks sauste an Freund und Feind vorbei, am zweiten Pfosten lauerte Jenny Hoffmann und staubte ab (82.). Lange Bestand hatte die Hoffnung der lila gewandten Schilling-Elf nicht, drei Minuten später trat Hansa-Abwehrchefin Barbara Messow, eine der wenigen FSV’lerinnen mit Normalform an diesem Tag, zum berechtigten Foulelfmeter an und vollstreckte sicher zum 3:1 (85.). Der erste Saisonsieg stimmte Weber nicht wirklich versöhnlich. Die vielen fehlenden Spielerinnen zum Saisonbeginn hatten ihn schon vor der Begegnung nachdenklich gestimmt, der mangelhafte Spielfluss polierten seine Laune nicht gerade auf. „Ich finde, aufgrund der ersten Hälfte und des Plus‘ an guten Chancen war der Sieg verdient. der 1. FC Schöneberg hat sich zwischendurch für sein engagiertes Pressing mit dem 2:1 belohnt.“ Wenn er sich am kommenden Wochenende in eine dickere Personaldecke würde hüllen können, hätte er den Sieg unter der Rubrik: „Nach dem Zustandekommen fragt doch keiner mehr“ abgeheftet. Kann er aber nicht. „Die Situation zieht sich noch ein bisschen. Das nervt.“

Barbara Messow vor ihrem Spiel entscheidenden Elfmetertor zum 3:1 für Hansa. Foto: Matthias Vogel

FSV Hansa 07 – 1. FC Schöneberg 3:1 (2:0). Hansa: Stockbrügger, Schuster, Pek, Kickel, Messow, Pürstinger, Tolle, Dube, Hüntelmann, Ciuret, Buning. Eingewechselt: Högden, Pieplow. 1. FC Schöneberg: Raasch, Peretti, Richert, Hoffmann, Tantow, k. A., Kurth, Glassman, Blanarsch, Wannek, Linke. Eingewechselt: Kant. Tore: 1:0 Tolle (28.), 2:0 Ciuret (40.), 2:1 Hoffmann (82.), 3:1 Messow (85., FE). Schiedsrichter: Ali Zaidan. Zuschauer: 40.

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