Unbequemer Besuch

von Matthias Vogel

Steglitz. Harald Planer (Titelbild) freut sich auf das Regionalliga-Match am heutigen Sonntag, 25. August, auf dem „Sterner“. Aufsteiger FC Phoenix Leipzig will Punkte entführen und seine Mädels haben etwas dagegen. „Toller Gegner, tolle Aufgabe, ich erwarte einen offenen Schlagabtausch.“, sagte der Coach im Vorfeld des Heimspiels seines SFC Stern 1900.

Vor Wochenfrist hat der Steglitzer Coach seine Mannschaft gegen eine junge Hohen Neuendorfer Formation zum Sieg geführt, 2:0 hieß es am Ende eines harten Stücks Arbeit. Jetzt rechnet Planer mit völlig umgekehrten Vorzeichen. „In Hohen Neuendorf waren wir ein bisschen ausgefuchster, jetzt kommt eine wirklich sehr erfahrene und starke Elf zu uns. Wir werden, egal wie es ausgeht, lernen können.“

Rechtsverteidigerin Tamara Schwabe ist zurück, dafür fehlt Emina Wacker. Foto: Matthias Vogel

Der Kern des Aufsteigers geht aus dem ehemaligen Zweitligisten FFV Leipzig hervor, der Verein, zu dem 2013 auch die komplette Frauen- und Mädchensparte des 1. FC Lokomotive Leipzig wechselte. Zuletzt spielte der FFV noch in der Regionalliga, dann kam das Aus des Vereins durch Insolvenz. Anstatt sich in alle Himmelsrichtungen zu verteilen, stellte sich das Frauenteam auf die Hinterbeine, wollte als Team zusammen bleiben. Vor zwei Jahre erfanden sie sich dann neu und weil es das Ziel war, so schnell wie möglich dorthin zurückzukehren, wo alles begann – in die Regionalliga – lag der Name FC Phoenix Leipzig fast auf der Hand.

Schon ein Fingerzeig auf den Charakter der Mannschaft: Sie hält zusammen, gibt nicht auf. Großartige Fußballerinnen wie Christin Janitzki, Marlene Haberecht und Angelina Lübcke hätten sicher auch woanders unterkommen und sich den Weg über die Dörfer sparen können. Haben sie nicht und deshalb wurde erst die Landesklasse und dann die Landesliga Sachsen ordentlich aufgemischt. In der Aufstiegsrelegation setzten sich die Leipzigerinnen dann gegen den Berliner Meister SC Staaken aufgrund einer tadellosen Leistung im Rückspiel (3:0) verdient durch. Mit dem 4:3-Sieg gegen den Magdeburger FFC am ersten Spieltag schwang sich der Phoenix nun endgültig aus der Asche, Janitzki (2), Haberecht und Lübcke erzielten die Treffer.

Christin Janitzki (schwarzes Trikot) gibt bei Phoenix eine solide Defensivspielerin ab, setzt aber auch gerne mit dem Ball am Fuß Impulse in der Offensive. Foto: Matthias Vogel

„Wir sind vor diesem Trio gewarnt“, sagt Planer, der allerdings kein Freund von Sonderbewachungen ist. Zudem komme seine Elf ja auch nicht ohne Qualitäten zum Anstoß. „Ich denke, auch für uns werden sich in der Offensive Möglichkeiten ergeben“, so der Coach. Vergangene Woche reiste ein erneut dünner Kader zum Vergleich nach Hohen Neuendorf. Diesmal ist es auch nicht anders. „Das hat ja mittlerweile schon fast Tradition bei uns. Die Spielerinnen geben sich die Klinke in die Hand. Emina Wacker fehlt heute, dafür ist Tamara Schwabe wieder da.“

Elf Sterne aus dem Kader der Ersten, dazu Laura Faulhaber und Lina Rehländer aus der Landesliga-Elf. „Ohne die Unterstützung von der Zweiten ginge es im Moment gar nicht“, sagt Planer. Von seinem System möchte er nicht abrücken, es bleibt also beim 4:1:4:1, das sich im ersten Spiel bewährt hat. „Ich muss nur innerhalb der Start-Elf ein wenig rotieren.“ Schwabe war es, die Planer ein wenig tröstete. „Sie hat mich daran erinnert, dass wir zu Beginn der vergangenen Saison ähnlich dünn besetzt waren, in dieser Phase aber die meisten Punkte geholt haben.“ Und die Situation, so der Sterner Trainer, schweiße zusammen, dazu sei es nicht so, dass alle Verletzten oder Urlauber auch aus dem Sinn wären. „Wir bekommen jede Menge Zuspruch aus der Ferne.“ Erst im Oktober rechnet er mit einer vollen Sterner Kapelle. Ab 14 Uhr versucht jetzt erst einmal eine 13-köpfige Steglitzer Rumpftruppe, dem unbequemen Besuch aus Leipzig ein möglichst unbequemer Gastgeber zu sein.

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