„Realismus macht keinen Spaß!“

von Matthias Vogel

Steglitz. Die Regionalliga-Fußballerinnen des SFC Stern 1900 haben einen Plan: Sie wollen wieder in jedem Spiel für eine Überraschung gut sein, unabhängig von der Qualität des Gegners oder vom Spielstand. Trainer Harald Planer hat sich dafür einen breiteren Kader als in der vergangenen Saison zusammengestellt.

Wer einmal mit dem Coach der Steglitzerinnen gen Ende der vergangenen Spielzeit über seine Sterne gesprochen hat, hat ihn erlebt wie selten zuvor in der nun zwei Jahre währenden Zugehörigkeit zur Regionalliga: ein wenig genervt war er, fast wirkte er demotiviert. Warum das so war, fasst er heute so zusammen: „Der Kader war dünn, die Mannschaft hat sich fast von alleine aufgestellt. Dazu hat sie sich mit dem Platz im Mittelfeld der Liga abgefunden. Deshalb war in den Spielen immer schnell zu sehen, auf welche Seite das Spiel kippen wird. Das hat mir nicht gepasst.“ Am Ende habe man dann zwar den sechsten Platz belegt, aber auch nur, weil die Teams hinter den Steglitzerinnen eben auch nicht gepunktet hätten.

Schnell und torgefährlich: Aldijana Ibrisevic stößt aus der Zweiten zum Sterner Regionalliga-Kader. Foto: Matthias Vogel

Jetzt soll es wieder so werden, wie in der Debüt-Saison. Als Aufsteiger hatte Stern damals zum Auftakt vier Top-Teams der Liga vor der Brust und holte prompt nur einen Punkt. „Trotzdem haben uns diese Begegnungen durch den Rest der Saison getragen, weil wir gesehen haben, dass wir uns in Sachen Spieltempo und Spielwitz auf Augenhöhe bewegen.“ Der Respekt war erspielt, das Konterspiel der Sterne gefürchtet, der Wille, einen Rückstand umzubiegen, unbändig.

Gefühlt zehn neue Spielerinnen

Um zurück zu den Wurzeln zu gelangen, hat sich Planer in der Sommerpause um einen breiteren Kader bemüht. Keine leichte Aufgabe, schließlich wechselten in Vanessa Lux und Anina Sange zwei Leistungsträgerinnen sowie die Ersatztorhüterin Ronja Faulhaber zum Lokalrivalen und Ligakonkurrenten FC Viktoria 1889 Berlin. Gelungen ist es trotzdem: Vom Landesligisten 1. FC Schöneberg kommt Lisa Weinberg (26 Jahre) an den Sterner, die Mittelfeldspielerin sammelte vor Jahren Regionalliga-Erfahrung beim Nachbarn Viktoria. Pia Sösemann (31), früher schon für Stern in der Berlin-Liga aktiv, kommt aus Frankfurt zurück und ist laut Planer eine echte Verstärkung im Sturm. Von der SpVg Blau-Weiß 90 Berlin stößt Torhüterin Jamie-Lee Tißler zum Kader, dazu flog dem Coach Youngster Edda Pilz vom 1. FC Union Berlin zu. Aus der eigenen Reserve holt Planer zudem Flügelflitzerin Aldijana Ibrisevic und Innenverteidigerin Jaqueline Miethke in den Regionalliga-Kader. Und weil er die drei Rekonvaleszentinnen Aischa Grundmann, Marlena Klatte (beide Kreuzbandriss) und Jaqueline Behrends (Außenband Knie) sowie Kimberly Lange, die zurück von ihrem Auslandssemester ist, wieder im Training begrüßen kann, fühlt es sich für Planer an, „als hätte ich zehn neue Spielerinnen“.

Vom Berlinligisten SpVg Blau-Weiß 90 Berlin kommt Torhüterin Jamie-Lee Tißler zu den Sternen. Foto: Matthias Vogel

Den Konkurrenzkampf erhöhen, auch am Ende einer schweren Saison genügend leistungsstarke Spielerinnen zur Verfügung haben, ein spielintelligentes, selbstbewusstes Team formen, das jeden Gegner schlagen will, das möchte Harald Planer. Und er weiß auch, warum: „Ich glaube, so stark wie diese Saison war die Liga schon lange nicht mehr. Kein Team ist aufgestiegen, RB Leipzig will es sicher unbedingt wissen und Erfurt und Phönix Leipzig sind ganz starke Aufsteiger. Ich glaube das Gedrängel hinter den Top-Five wird wesentlich intensiver.“ Vor diesem Hintergrund erklärt der realistische, vernünftige Planer, auch im dritten Jahr sei für den SFC Stern 1900 der Klassenerhalt das Ziel. Der wieder hoch motivierte, Fußball verrückte Planer, der prinzipiell jedes Spiel gewinnen will, sagt etwas ganz anderes: „Realismus macht keinen Spaß!“


Der SFC Stern 1900 testet am Donnerstag, 18. Juli, in der Sachtlebenstraße gegen den FC Viktoria 1889, fährt dann vom 19. bis zum 21. Juli ins Trainingslager ins Landesleistungszentrum des BFV an den Wannsee, bestreitet am 4. August beim SC Eintracht Miersdorf/Zeuthen (13 Uhr) und am 11. August bei Borussia Pankow (15.30 Uhr) zwei weitere Testspiele, und nimmt am 28. Juli am Supercup der Frauen teil. Zum ersten Punktspiel am 18. August gastieren die Sterne bei Blau-Weiß Hohen Neuendorf.

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