In Mitte brennt die Luft

von Matthias Vogel

Mitte. Auf „dem Bero“ an der Kleinen Hamburger Straße wird am heutigen Sonntag, 26. Mai, das Rückspiel in der Relegation um den Einzug in die Landesliga angepfiffen. Der zweite Anzug des SV Blau Weiß Berolina Mitte empfängt den Nachbarn SV Rot-Weiß Viktoria Mitte. Das Hinspiel vor einer Woche endete mit einem leistungsgerechten 0:0. Aufstiegsspiel, Derby – schon klar. Aber für beide Vereine steht einiges auf dem Spiel.

Beide Clubs streben nach oben, betreiben eine vorzügliche Jugendarbeit und für beide Clubs fehlt der Aufstieg ihrer Bezirksliga-Fußballerinnen in die nächst höhere Etage im Mosaik ihrer weiteren Entwicklung. Schon im vergangenen Jahr hatte Bero II an das Tor zur Landesliga angeklopft. „Wir hatten uns bereits sportlich qualifiziert, bekamen aber dann wegen Missachtung der B-Juniorinnen-Regelung Punkte abgezogen und haben es dann nicht einmal in die Relegation geschafft“, erinnert Andreas Weiss, Abteilungsleiter der Frauen- und Mädchenabteilung bei den Blau-Weißen. In diesem Jahr schaffte es die Berlin-Liga-Reserve auf den letzten Drücker auf den Relegationsplatz. Wieder mussten drei Punkte abgezogen werden, aus dem gleichen Grund, aber an Meister Concordia wäre so oder so kein Vorbeikommen gewesen. B-Juniorinnen können vom Verband vorzeitig für den Spielbetrieb der Frauen „freigemacht“ werden, dürfen aber dann nur in der Ersten Mannschaft eingesetzt werden. Weiss ist nicht der einzige, der diese Regelung „unsinnig“ findet.

Im Hinspiel erkämpfte sich Beros Zweite ein 0:0 bei Viktoria Mitte. Heute soll vor heimischer Kulisse der Aufstieg perfekt gemacht werden. Foto: Berolina Mitte

In letzter Zeit war vereinsintern ein wenig Sand im Getriebe. „Erste und Zweite haben sich von einander entfernt. Die Spielerinnen kennen sich deshalb persönlich kaum noch. Das ist überhaupt nicht meine Politik und deshalb wollen wir dem wieder entgegenwirken“, sagte Weiss vor der Weichenstellung heute Nachmittag. Ein Schritt wäre es, die Zweite so nah wie möglich an das Niveau der Ersten heranzuführen. Das mache das Spielpraxis Sammeln für Kickerinnen aus der Ersten sinnvoller und den Schritt nach oben für Talente aus der Zweiten einfacher. Dazu gilt es für Bero auch, den Jahr für Jahr dem Juniorinnen-Bereich entwachsenden Spielerinnen die bestmöglichen Plattformen für den Frauenbereich anzubieten. Weiss, der fünf Spieltage vor Schluss der Punkterunde interimsmäßig das Amt des Trainers übernahm, gab sich zuversichtlich für das große Match. „Torhüterin Pia Hechtfisch hat sich gestern krank gemeldet. Das ist natürlich nicht gut, aber wir werden schon eine Lösung finden.“

Ausgerechnet in der Relegation muss Viktoria Mitte auf Toptorjägerin Sara Dieng verzichten. Foto: Matthias Vogel

Nur eineinhalb Kilometer Luftlinie nördlich sah es lange danach aus, als ließe die Viktoria keinen Zweifel aufkommen, wer am Ende die Meisterschaft in der Bezirksliga Staffel 2 und damit den direkten Aufstieg würde feiern können. Das Team, das zu Beginn der Saison komplett vom SV Pfefferwerk an die Stralsunder Straße wechselte, war zwar bis einschließlich des 13. Spieltages ohne Trainer, dafür mit einem brandgefährlichen Stürmer-Duo unterwegs. Am Ende der Punktspiele zierten Sara Dieng (29 Treffer) und Insa Giersberg (21) die Plätze eins und zwei der Torjäger-Liste. Drei Wochen vor Beginn der Rückrunde war man dann heilfroh gewesen, in Nour Aldeen Hamzeh endlich einen Coach gefunden zu haben. Doch die Chemie zwischen ihm und dem Team passte nicht, was sich sportlich in den unerwarteten Niederlagen beim 1. FFV Spandau und zuhause gegen den SV Askania Coepenick niederschlug. Die Viktoria zog die Reißleine, schaffte unter der Leitung von Jakob Dieng eine Viertelstunde vor Schluss im letzten Punktspiel bei Schmöckwitz noch ein 4:4 und damit gerade noch den Sprung auf den Relegationsplatz, hinter Meister SV Adler.

C-Juniorinnen Trainer Geronimo Komp hat übernommen

Für die beide Relegationsspiele ist nun C-Juniorinnen-Coach Geronimo Komp in die Rolle des Frauentrainers geschlüpft. Nach dem „Fight“ im Hinspiel erwartet er heute erneut ein Duell auf Augenhöhe. Eine weitere Parallele zu Bero: Auch Komp muss auf eine Leistungsträgerin verzichten. Wie im Hinspiel fehlt Sara Dieng, sie weilt schon im Urlaub. Insa Giersberg muss also beim Streben nach einem wichtigen Auswärtstor auf ihre kongeniale Partnerin verzichten, dafür hat die Viktoria laut Komp „eine Überraschung“ für Bero im Gepäck.

Die Hoffnungen der Rot-Weißen ruhen auf Insa Giersberg. 21 Mal traf sie in dieser Saison bereits ins Schwarze. Foto: Matthias Vogel

Holprige Saison hin oder her: Viktoria Mitte hat es in die Relegation geschafft. „Und nun wollen wir den Aufstieg auch mitnehmen“, sagte der Interimstrainer, wohl wissend um die Bedeutung für den Verein. Mittelfristig solle es außer eines durchgehenden Angebots für jede Altersstufe im Mädchenbereich auch zwei Großfeldmannschaften im Frauenbereich geben. Und auch bei den Rot-Weißen spielt das Niveau der Frauen natürlich eine Rolle, um den gut ausgebildeten Juniorinnen ein sportlich attraktives Umfeld anbieten zu können. Es geht also für beide Mannschaften um viel, ab 15.30 Uhr brennt die Luft auf „dem Bero“.

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