Die Schwingen der Adler zucken wieder

von Matthias Vogel

Lichtenrade. Fast wäre der einst stolze Greifvogel auch nach dieser Saison in seinem Interims-Horst knapp über der Grasnarbe verblieben. Die Vorrunde der Bezirksliga-Fußballerinnen des SV Adler Berlin war nicht gerade überzeugend. In der zweiten Halbserie gewann der ehemalige Berlin-Ligist aber alle Spiele und rauschte deshalb an der schwächelnden Konkurrenz vorbei zum Titel.

Einfach war diese Saison für den SV Adler wahrlich nicht. Eine Mischung aus altgedienten Spielerinnen, Kickerinnen aus dem eigenen Nachwuchs und Neuzugängen aus anderen Vereinen startete in die Spielzeit. Und der Auftakt war entsprechend holprig, Sieg und Niederlage wechselten sich ab, gegen den DFC Kreuzberg, den SV Askania Coepenick und den SV Rot-Weiß Viktoria Mitte hatte Adler überhaupt nichts zu melden und es sah frühzeitig danach aus, als wären die ersten beiden Plätze achon an Kreuzberg und Viktoria vergeben. Zur Winterpause hörte dann auch noch Lena Pflanz auf. „Sie war so etwas wie der Kopf der Mannschaft“, ließ Adler-Urgestein Bianca Förster nach dem Gewinn der Meisterschaft Revue passieren. Ihren Verlust kompensierte die sehr junge Mannschaft aber blendend, und eilte unter der Ägide von Trainer Andre Pflanz von Sieg zu Sieg. Einen ersten Fingerzeig für die Konkurrenz, was da auf sie zurollen würde gab es Ende März. Erst düpierten die Adler in ihrem Jagdrevier Viktoria mit 5:3 und dann erwilderten sie sich bei Schmöckwitz-Eichwalde einen 4:2-Sieg.

Naomi Kühl (vorne) im Zweikampf um die Kugel. Die Partie gegen den Konkurrenten DFC Kreuzberg geht 6:4 für ihren SV Adler aus. Foto: Matthias Vogel

Eine Woche später wurde der außer Konkurrenz antretende FC Nordost mit 19:0 abgefieselt. Umso überraschender, dass Andre Pflanz trotz der bis dato makellosen Rückrunde nach diesem Kantersieg seinen Hut nahm. „Es gab Meinungsverschiedenheiten und hat das dann so entschieden“, erklärte Förster, die fortan zusammen mit Manfred Kümmel, der treibenden Kraft hinter der vorzüglichen Jugendarbeit der Adler, die Mannschaft trainierte und betreute. „Das haben wir immer im Wechsel gemacht“, sagte Förster. Auch dieser Nackenschlag brachte die Mannschaft nicht außer Tritt. In den letzten beiden Saisonspielen bezwang sie den Tabellenführer DFC Kreuzberg auf dessen Geläuf nach nicht unbedingt hochklassigen, aber unfassbar packenden 90 Minuten mit 6:4 und setzte mit einem 4:0 über Askania die Konkurrenz mächtig unter Druck. Die Hausaufgaben waren also gemacht vor dem letzten Spieltag der Bezirksliga Staffel 2, an dem der SV Adler spielfrei war und machtlos und bange das Geschehen auf dem Platz des DFC verfolgte. Der hätte den 1. FFC Spandau bezwingen müssen, dann hätte sich der SV mit dem Relegationsplatz begnügen müssen. Doch Kreuzberg patzte und unterlag mit 0:1. „Wir haben das gemeinsam bei uns verfolgt, von uns war eine Spielerin dabei und hat getickert“, sagte Förster. „Die Freude war dann riesengroß.“

Den DFC erwischt es im Endspurt arg

Bitter für den DFC: Viktoria glich ebenfalls am letzten Spieltag bei Schmöckwitz kurz vor dem Abpfiff noch zum 4:4 aus und klaute so den Kreuzbergerinnen sogar noch den Relegationsplatz.

Mannschaftliche Geschlossenheit – eine Qualität, die den SV Adler zum Meistertitel brachte. Foto: Matthias Vogel

Für den SV Adler war der Aufstieg, der laut Förster in der Rückrunde vor allem der mannschaftlichen Geschlossenheit und mutigem Angriffsfußball zuzurechnen war, immens wichtig. Im kommenden Jahr entwachsen sehr talentierte Spielerinnen der B-Jugend, ihnen lediglich die unterste Spielklasse anbieten zu können, hätte wahrscheinlich bei der ein oder anderen Spielerin Abwanderungsgedanken geschürt. Eben weil die Mannschaft erhebliche Verstärkung aus eigener Ausbildung erhält, könnte sie auch für Furore in der Landesliga sorgen. Vielleicht gelingt es mittelfristig sogar, an alte Verbandsliga-Zeiten anzuknüpfen, die mit dem Abstieg nach der Saison 2013/2014 ein Ende gefunden hatten. Der Adler zuckt also wieder mächtig mit seinen Schwingen, ob er sie gänzlich ausbreiten kann, wird sich weisen.

Bewährtes Trainergespann übernimmt in der Landesliga

Ein alt bekanntes Trainergespann wird den Aufsteiger in der neuen Saison betreuen. Nils Amarell und Andreas Schöpp übernehmen zusätzlich zu den B-Juniorinnen auch das Ruder bei den Damen.

Meisterschaft? Check! Martha Mücke (28) und Sera Mettner herzen sich. Foto: Matthias Vogel

Einen dicken Wermutstropfen muss der Meister leider verdauen. Im Spiel beim DFC brach sich Doppeltorschützin Maja Wasiak bei einem Zweikampf in der ersten Hälfte die Hand, spielte weiter und zog sich bei einem Zusammenprall im gegnerischen Strafraum ganz am Ende der Partie noch einen komplizierten Kreuzbandriss zu. Teammate Luisa Garnatz: „Sie ist ja noch B-Jugendliche, wäre zur kommenden Saison zu uns hoch gekommen. Sie ist wichtig für uns aber jetzt werden wir wohl ein bis eineinhalb Jahre auf sie verzichten müssen.“

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