Zum Pott gerollt

von Matthias Vogel

Im Pokal-Finale der zweiten Mannschaften ist die Verbandsliga-Vertretung des 1. FC Union Berlin ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Die Elf des Trainers Oliver Hartrampf bezwang den SFC Stern 1900 II mit 8:1 (2:0). So chancenlos, wie es das Resultat vermuten ließe, waren die Steglitzerinnen zunächst nicht, doch mit zunehmender Spieldauer machte sich der Klassenunterschied immer deutlicher bemerkbar.

Die erste Vorlage für Jenny Trommer kam von der linken Seite. Warum sie sich im Zentrum mutterseelenalleine aufhalten durfte, bleibt das Geheimnis der letzten Sterner Reihe. Jedenfalls ließ sich Unions Offensivkraft nicht lange bitten und knallte das Spielgerät von der Strafraumkante aus in die linke untere Ecke. Ärgerlich für die Sterne: Viel Zeit zum Sortieren hatten sie nicht bekommen, gerade einmal fünf Minuten waren auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld verstrichen. Etwa zehn Minuten später legte der Tabellenführer der Berlin-Liga die größte Schwäche des Landesligisten an diesem Tag offen: Steckbälle. Trommer erlief den Schnittstellenpass und erhöhte auf 2:0. In der Folge hätten Union nach gleichem Schema weitere Treffer gelingen können, mit etwas Glück und Geschick verteidigte Stern den Spielstand.

Zwei Treffer steuerte Sarah Wippig zum Erfolg von Union bei. Mit ihrem 0:3 und 1:4 zog sie der Sterner Reserve den Zahn. Foto: Matthias Vogel

Seinerseits suchte der Underdog sein Heil in Tempogegenstößen – mit Krissi Krömer als Strippenzieherin und den schnellen Angreiferinnen Aldijana Ibrisevic, Hannah Schmitz und Ella Barthelemy als Adressaten. Das eine oder andere Mal lag auf diese Weise durchaus ein Tor für Stern in der Luft. Einmal etwa, als Krömer Schmitz im Zentrum bediente, die mit ihrem Linksschuss an Unions Torhüterin Kathy-Diane Reich scheiterte (35.). Im Gegenzug ballerte Celine Henschel die Kugel über den Sterner Kasten. Kurz vor der Pause prüfte Lina Rehländer auf Zuspiel von Ibrisevic nochmals Reich, die aber auch ihren halbhohen Schuss sicher fing.

Krissi Krömer (am Ball) verteilte und behauptete (hier gegen die dreifache Torschützin Jenny Trommer) die Bälle und markierte per Foulelfmeter den Ehrentreffer für Stern II. Foto: Matthias Vogel

Wie schon zu Spielbeginn kassierte Stern auch nach Wiederanpfiff ein schnelles Gegentor. Sarah Wippig war auf dem rechten Flügel blank gespielt worden. Unions Torjägerin zog los und versenkte den Ball zum 3:0 im Netz. Der durch den sicher verwandelten Foulelfmeter von Krömer (62.) aufkeimenden Hoffnung der Steglitzerinnen – Ibrisevic war im Strafraum gelegt worden – schraubte Union fast postwendend den Dämpfer auf. Julia Marinowski setzte sich gut über die linke Seite durch und passte nach innen, Wippig brauchte nur noch den Fuß hinhalten (69.). Noch einmal zuckte Stern, Ibrisevic konnte ihren Alleingang aber nicht mit einem Tor veredeln, Reich war zur Stelle. Danach erlosch die Gegenwehr, Jenny Trommer traf aus dem Gewühl im Torraum zum 5:1 (82.) und nach einer Ecke lenkte Martha Karpe den Ball ins eigene Tor – das halbe Dutzend war voll (83.). Wiebke Strübig versenkte noch einen sehenswerten Fernschuss zum 7:1 (87.), den Schlusspunkt zum 8:1 setzte Tiziana Udich (88.).

„Wir wollten, dass Union schwitzt“, sagte Sterne-Coach Jens Freikowski nach dem Spiel. Das ist gelungen, auch weil die Zweikämpfe beherzt geführt wurden, wie hier von Jaqueline Miethke (re.) gegen Unions Spielführerin Wiebke Strübig. Foto: Matthias Vogel

Union-Coach Hartrampf strahlte nach dem Abpfiff über das ganze Gesicht und genoss sichtlich die Freude von und die Feier mit seinen Schützlingen. Was sollte er auch noch groß sagen, sein Team hatte den Gegner in der zweiten Hälfte schlichtweg überrollt. Sterns Trainer Jens Freikowski war kein Stück maulig mit seinen Mädels, die irgendwann einfach die Waffen streckten. „Wir haben so viele junge Spielerinnen dabei, einige sind gerade einmal 16 Jahre alt. Wer will ihnen verdenken, wenn sie irgendwann einbrechen?“ Eben weil seine Truppe noch unerfahren ist, ist er mehr als zufrieden mit ihr. „Ich bin stolz darauf, was diese Mannschaft nicht nur im Pokal, sondern auch in der Punkterunde geleistet hat. Wir haben ein paar Torchancen liegen lassen und aufgrund der guten ersten Hälfte ist für mich die Niederlage ein wenig zu hoch ausgefallen. Ist aber alles nicht weiter schlimm“, so Freikowski. Seine Mannschaft sah es genauso, nach dem Abpfiff skandierten sie: „Zweiter ist auch gar nicht so schlecht“ und hüpften dazu genauso ausgelassen im Kreis wie der Sieger Union.


SFC Stern 1900 II – 1. FC Union Berlin II 1:8 (0:2). Sterne: Schmidt, Bautista (69. Karpe), Ibrisevic, Roth (46. Haertel), Schlanser, Krömer, Faulhaber, Schmitz, E. Barthelemy, Miethke, Rehländer. Union: Reich, Marinowski (70. Mahlau), Wippig, Gierth, Trommer, Strübig, Ram (80. Liersch), Udich, Dittrich, Henschel, Thomas. Tore: 0:1, 0:2, 1:5 Trommer (5. , 17. , 82.), 0:3, 1:4, Wippig (55. , 69.) 1:3 Krömer (ist 62.), 1:6 Karpe (83. ET), 1:7 Strübig (87.), 1:8 Udich (88.). Schiedsrichter: Peter Birgel. Zuschauer: 400.

Starker Auftritt: Unions Reserve kam in der zweiten Hälfte ins Rollen und deklassierte ihren Pokal-Final-Gegner. Foto: Matthias Vogel
Starke Geste: Die Sterner Elf ließ sich von dem Debakel nicht beirren und feierte einfach mit. Foto: Matthias Vogel
Starker Bodyguard: Shari Dittrich (vorne) konnte Sterns Sprinterin Aldijana Ibrisevic weitgehend in Schach halten. Foto: Matthias Vogel
Starker Kopfball: Alex Bautista (7) hatte beim Stande von 0:1 nach einer Krömer-Ecke die dicke Chance zum Ausgleich. Foto: Matthias Vogel

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