Prüfung in zwei Teilen

von Matthias Vogel

Marzahn. Der BSC Marzahn durchlebt wohl die schwierigste Spielzeit seit seiner Zugehörigkeit zur Regionalliga Nordost. Doch die Moral der Truppe ist offenbar nicht zu brechen, wie der sensationelle 1:0-Sieg gegen Aue vor zwei Wochen belegte. Damit war sie urplötzlich da, die Chance, mit zwei Siegen gegen Bischofswerda und Leipzig-Süd die Abstiegszone aus eigener Kraft zu verlassen.

In der Schule, da gab es in Mathe diese verflixten Aufgaben, deren zweiter Teil sich nur dann lösen ließ, wenn das korrekte Ergebnis des ersten eingefügt werden konnte. Einen ähnlichen Charakter hat die Hürde, welche die BSC-Fußballerinnen nun nehmen müssen. Müssen! Sie ist so etwas wie der letzte Strohhalm. Die Elf des Trainers Harald Lindner bekleidet den elften Platz und hat nacheinander zwei Gegner auf Augenhöhe vor der Brust. Ein Dreier zuhause gegen den Bischofswerdaer FV (9.) am Sonntag, 7. April, und dann ein weiterer beim SV Eintracht Leipzig-Süd (10.) eine Woche später, und man hätte mit der Eintracht die Plätze getauscht. „Unter der Voraussetzung, dass Union morgen gegen Leipzig-Süd gewinnt“, ergänzt Marzahns Team-Managerin Franziska Schöber.

Ab durch die Mitte!

Alles in die Waagschale kippen, was man hat, das wird in beiden Spielen die Grundvoraussetzung sein. In Bischofswerda kommt eine körperlich sehr robuste Mannschaft an die Franz-Stenzer-Straße. Im Hinspiel habe die Schiedsrichterin ihre klare Linie verloren, darauf hin sei die Partie in ein „Hauen und Stechen“ ausgeartet, erinnert sich Schober. „Ich hoffe also morgen auf eine Unparteiische, die es nicht so weit kommen lässt.“ Freilich bedeutsamer ist die fußballerische Marschroute. „Wir sind immer dann besser, wenn wir unser Spiel machen und uns gar nicht großartig anschauen, was der Gegner anbietet.“ Und das Marzahner Spiel heiße, den Ball im Allgemeinen laufen zu lassen und im Speziellen über das Zentrum. Hier habe der BSC die Akteurinnen kicken, die bereits höherklassig am Werke waren – Paula Schöber etwa oder Jennifer Lüdicke. „Sie gewinnen in der Defensive viele Zweikämpfe und sind in der Offensive in der Lage, die Bälle effektiv zu verteilen. Entweder direkt in die Schnittstellen der letzten Reihe oder auf die Außenbahnen“, so die Teammanagerin. „Das hat sogar gegen Union recht gut geklappt, auch wenn wir schließlich verdient mit 0:2 verloren haben.“

Gegen die robusten Gäste aus Bischofswerda heißt es für Jennifer Mundstock (13) und den Rest des BSC Marzahn, die Zweikämpfe anzunehmen, „eng an der Frau“ zu sein. Foto: Matthias Vogel

Wenn man in der Penne gut vorbereitet war, hat man die schweren Mathe-Aufgaben weniger gefürchtet und selbstbewusster versucht zu bewältigen. Der BSC ist gut vorbereitet. „Die Trainingswoche war richtig stark, die Mädels sind hoch motiviert“, berichtet Schöber. Mit in die Waagschale kommt zudem, dass in Astrid Pankow, Philia Henning und Juliana Heynen drei schnelle Spielerinnen nach längeren Verletzungspausen wieder zur Verfügung stehen. Wermutstropfen: Der Einsatz von Stefanie Henke ist wegen Kniebeschwerden äußerst fraglich. „Und Jette Wegener weilt noch in Mexiko, also direkt um die Ecke“, witzelt Schöber.

BSC-Coach Harald Lindner hat seine Schützlinge auf die zweiteilige Prüfung vorbereitet. Foto: Matthias Vogel

Morgen um 14 Uhr werden die Aufgabenblätter verteilt. Schiedsrichterin Patrizia Aylin Schütz wird ein wachsames Auge auf die Prüflinge werfen, damit niemand betrügt und der Abgabetermin eingehalten wird. 90 Minuten haben die Lindner-Schützlinge Zeit, den ersten, sehr kniffligen Teil mit der Überschrift „Bischofswerda“ zu lösen und sich für den zweiten Teil zu qualifizieren. Im Gegensatz zu Schülern dürfen Fußballerinnen übrigens während der Prüfungen angefeuert werden.


Titelbild (Matthias Vogel): Quo vadis BSC Marzahn? Verliert die Lindner-Elf nur eines der beiden kommenden Spiele, wird es schwer mit dem Klassenerhalt.

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