Was tun im letzten Drittel?

von Matthias Vogel

Hohen Neuendorf. Im Halbfinale des Polytan Cups der ersten Mannschaften stehen sich morgen die beiden Regionalligisten von Blau-Weiß Hohen Neuendorf und dem FC Viktoria 1889 Berlin gegenüber. Beide Coaches gaben sich im Vorfeld optimistisch, ins Finale des Berliner Pokals einziehen zu können. Ein Aber gab es nicht, wohl aber das gleiche Wenn auf beiden Seiten: Wenn es nämlich in der Offensive besser klappe als zuletzt.

Hohen Neuendorfs Trainer Rene Zampich wurde zuletzt einmal heiß und einmal kalt von seinen Mädels gebadet. Dem Torfestival gegen Bischofswerda (9:0) folgte ein ernüchterndes 0:0 gegen Leipzig-Süd – und der Coach war so schlau wie vorher. Seit der Rückkehr von Patrycja Pozerska nach Polen und der Verletzung von Yasmin Ben Houssine im November 2018 fehlen dem SV Blau-Weiß ausgebildete Stürmerinnen, daher experimentiert Zampich fleißig herum, wer sich denn am besten umfunktionieren ließe. Die Ergebnisse der Versuchsreihe sind nicht leicht zu interpretieren, wie diese beiden Spiele zeigten, schließlich war das gleiche Personal an Deck. „Gegen Ende der Partie gegen Leipzig haben wir zwei Torchancen, das ist natürlich zu wenig, auch wenn der Gegner überraschend zweikampfstark war.“

Großartiger Rückhalt für den FC Viktoria in dieser Saison ist Inga Buchholz. Foto: Matthias Vogel

Im Vergleich zu Zampich hat Viki-Trainer Roman Rießler genügend Spielerinnen, die offensiv denken und vor des Gegners Bude gefährlich sind. Und der Tabellenzweite kann sich über seine Auftritte in den Strafräumen der Gegner in dieser Saison nicht beschweren. Mehr als drei Treffer gelangen den Himmelblauen durchschnittlich pro Match, das ist eine ordentliche Quote. Rießler ist auch nicht im Allgemeinen bange vor einer Torflaute, sondern im Speziellen. Vor zwei Wochen im Punktspiel tat sich sein Team sehr schwer gegen Hohen Neuendorf, siegte „nur“ mit 2:0. Und das auf dem heimischen, großzügig dimensionierten Rasenplatz im Stadion Lichterfelde. „Der Kunstrasenplatz in Hohen Neuendorf ist deutlich kleiner. Unser Spiel im letzten Drittel muss diesmal deutlich schneller und präziser sein, sonst wird es schwierig.“

Beide Teams sind vollständig, Favorit ist Viktoria. Zampich und seine Horde aus der Niederheide freuen sich auf die Partie, ein Sieg wäre ein dickes Pflaster für die Wunden der Vergangenheit, erlitten durch den Abstieg aus der Zweiten Bundesliga, einen amtlichen personellen Aderlass und einigen Trainerwechseln. „Wer weiß, vielleicht hat ja der Pokal der Frauen auch seine eigenen Gesetze“, sagt der aktuelle Übungsleiter, der übrigens zum Ende der Saison ebenfalls sein Amt schon wieder niederlegt.

Evelyn Nicinski ist wieder im Spiel bei Hohen Neuendorf und immer für einen Treffer gut. Foto: Matthias Vogel

Der Druck lastet zweifelsfrei auf der ambitionierten Elf aus Lichterfelde, die durch zwei Schlappen gegen RB Leipzig und Union den Nimbus der Unschlagbarkeit und die Tabellenführung der Regionalliga eingebüßt hat. Und zwar ganz abgesehen davon, dass es ein erklärtes Saisonziel ist, den Pokal zu verteidigen. Schon das Erreichen des Endspiels würde bei einer bestimmten Konstellation nämlich schon zur Teilnahme am DFB-Pokal reichen, natürlich auch für Hohen Neuendorf. Das ist es aber gar nicht, was Roman Rießler so heiß auf die Partie macht. „Ich will Titel mit dieser Mannschaft gewinnen“, gibt er zu Protokoll. Um 19 Uhr ist Anpfiff an der Friedrich-Engels-Straße, dann wird sich zeigen, ob ihn sein Team diesem Ziel einen Schritt näherbringt oder ob Zampichs Experimentierfreude noch einmal Früchte trägt.


Titelbild (Matthias Vogel): Femke Scholau (li.) und der Rest des SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf wollen ins Pokalfinale. Dort könnten sie dann auf Union mit Marta Schrey treffen.

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