Woche der Wahrheit

SC Staaken bestreitet drei Top-Spiele in Folge

von Matthias Vogel

Staaken. In der Berlin-Liga brennt seit der Niederlage des Spitzenreiters SC Staaken bei Blau-Weiß 90 Berlin die Luft. Der zweite Anzug des 1. FC Union Berlin zog vorbei. Jetzt kommt es zum direkten Vergleich. Die Eisernen gastieren am morgigen Sonntag, 24. März, beim Tabellenzweiten, der erste Ballkontakt ist auf 12 Uhr terminiert.

Es ist schon erstaunlich, oder? Da leisten beide Vereine in dieser Saison beinahe Unglaubliches und wenn die Trainer zur gegenwärtigen Situation befragt werden, ist lediglich Coolness Trumpf. Dabei könnte es kaum prickelnder für die beiden Kontrahenten, ja für den gesamten Berliner Frauenfußball sein als im Moment. Staaken würde mit einem Sieg gegen die Eisernen einen bedeutsamen Schritt in Richtung dritter Aufstieg in Folge machen. Und Stephan Illmann begleitet diesen sensationellen Umstand mit einem lapidaren „Ja gut, wir könnten von Vereinsseite aufsteigen, aber wir müssen nicht. Wenn es passiert, okay. Wenn nicht, dann nicht.“

Kimberly Stegermeier ist eine wichtige Zutat des Staakener Erfolgsrezeptes. Foto: Matthias Vogel

Und Union steht urplötzlich vor einem Erfolg, der die Konkurrenz bis ins Mark schocken und gleichzeitig dem Frauenfußball der Hauptstadt wohl unfassbar gut tun würde. Nicht nur, dass die Zweite Staaken überholt hat, nein, in der Regionalliga hat die erste Garde der Köpenickerinnen jüngst den bis dato Klassenbesten FC Viktoria 1889 Berlin auf dessen Geläuf mit 4:0 gedemütigt. Und nun stelle man sich bitte vor, beide Teams würden aufsteigen und die Reserve würde den Platz der in die Zweite Bundesliga entfleuchenden Ersten in der Regio einnehmen – es wäre ein weitere Meilenstein der Vereinsgeschichte. Überspitzt gesagt, hätte Coach Falko Grothe nach dem Triumph deshalb jede seiner Spielerinnen vor Freude abschmatzen und per Michael-Jackson-Moonwalk das Stadion Lichterfelde verlassen müssen. Aber auch er zeigte sich eher sachlich nüchtern: „Ich bin zufrieden. Aber eine Entscheidung war das heute nicht.“

„Richtig dicke Kulisse!“

Die Coaches haben auch Recht. Es ist noch zu gehen. Und es ist auch legitim, die Fallhöhe zu scheuen und bescheiden zu bleiben oder auch tief zu stapeln. Das macht die Partie in Staaken aber nicht weniger brisant und die Emotionen der Übungsleiter muss man eben zwischen den Zeilen suchen. Illmann sagte zum Beispiel, während der Trainingswoche seien einige Dinge einstudiert worden, mit denen man Union überraschen werde. „Ähnlich wie im Hinspiel“, sagte der Staaken-Coach. Das macht er sicher nicht jede Woche. Und wenigstens offenbarte er die Gefühlsregungen seiner Mädels. „Sie sind richtig heiß, haben sehr gut trainiert. Meine Tochter Julie hat ja dort gespielt und will es Union sicherlich zeigen.“ Und darauf, dass die Auseinandersetzung mit dem ärgsten Rivalen auch für Vater Illmann eine größere Bedeutung hat, als er zugeben möchte, lässt diese Aussage schließen: „Wir haben richtig viel Werbung gemacht. Die Erste Männer spielt an diesem Wochenende nicht. Wenn alles so läuft, wie wir uns das erhoffen, gibt es morgen hier eine richtig dicke Kulisse.“

Staakens Trumpf sind Schüsse aus der Distanz

Zwölfter Mann und so – immer gut. Aber vorleisten müssen die Spielerinnen. Staaken will das Zentrum dicht machen, um eine von Unions Stärken zu entkräften. „Dazu hoch stehen, früh pressen und schnell über die Außen den Torerfolg suchen“, beschreibt Illmann seinen Matchplan. Bange ist ihm kein Stück, selbst wenn der nicht aufgehen sollte. „Wir haben in meiner Tochter, Kimberly Stegermeier oder Pia Feldhahn Spielerinnen, die auch aus der Distanz brandgefährlich sind. Das ist unser Trumpf.“

Wenn Julie Illmann Maß nimmt, ist immer Gefahr in Verzug. Foto: Matthias Vogel

Die Favoritenrolle schanzt Illmann trotz des 4:0-Hinspiel-Erfolges den Gästen zu, denn seine Agenten haben ihm geflüstert: Union komme mit erheblicher Verstärkung aus der Ersten. Wenn dem so ist, hält es Illmann für Wettbewerbsverzerrung. „Ich sehe aber auch eine Chance. Meistens fehlt solchen Spielerinnen die Bindung zum Spiel.“ Gästetrainer Oliver Hartrampf winkte ab: „Die Erste will Meister werden und fährt mit einem 16er-Kader nach Bischofswerda.“ Klar seien Spielerinnen dabei, die das Zeug für die erste Garnitur hätten. „Aber die haben schon ewig kein Spiel mehr da oben gemacht“, so Hartrampf. Sein Team sei eher dezimiert: „Mir fehlen Wiebke Strübig, Julie Ram und Annika Mahlau, also meine komplette Abwehr.“ Im Staakener Boot sitzen morgen auch nicht alle. „Aber das ist nicht so schlimm. Wir haben einen großen Kader und wer sonst unzufrieden ist, weil er nicht drankommt, kann nun in die Bresche springen“, so Illmann. Einen großen Kader braucht der SC auch. Denn das Duell mit dem Verfolger ist nicht der einzige Kraftakt in den kommenden acht Tagen. Am nächsten Mittwoch steht das Halbfinale im Polytan-Cup gegen Union I an, am Wochenende drauf gastiert Türkiyemspor in Staaken. „Es ist die Woche der Wahrheit für uns“, so Illmann.

Hartrampf: „Julie Illmann ist der Dreh- und Angelpunkt.“

Vor ein paar Wochen, nach dem 4:2-Pokalsieg von Union II gegen Viktoria II, hat wenigstens Hartrampf das Visier hochgeklappt. Klar wolle die Zweite zur Stelle (also Meister) sein, wenn der Ersten der Aufstieg in den Profi-Bereich gelänge und damit sein Team aufsteigen dürfte, sagte er. „Ist doch logisch, wenn die Möglichkeit schon einmal besteht.“ Darauf werde in Köpenick auch fleißig hingearbeitet. Er freue sich auf das Spiel beim SC Staaken. „Immer besser für uns, wenn der Gegner stark ist.“ Es gebe eine Spielidee und einen Plan, aber meistens komme meistens ja eh alles anders. Unabdingbar für einen Erfolg seiner Mannschaft sei aber, die Kreise von Julie Illmann einzuengen. „Sie ist der Dreh- und Angelpunkt.“


Titelbild (Matthias Vogel): Staakens Trainer Stephan Illmann (re.) hat offiziell den Fuß gerne auf der Euphoriebremse, weiß aber eigentlich sehr genau, was er, der Rest des Funkionsteams und seine Elf in den vergangenen Jahren geleistet haben – und was er will: Rauf!

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