… ist der Wurm drin!

von Matthias Vogel

Kreuzberg. Trotz des Ausfalls einiger Stammkräfte haben die Fußballerinnen von Türkiyemspor einen engagierten Auftritt auf dem glitschigen Teppichboden an der Blücherstraße hingelegt. Alleine vor dem Tor von Borussia Pankow agierten die jungen Schützlinge von Coach Murat Dogan zu umständlich. Anders die Gäste: Aus zwei Großchancen machten sie eine Bude und siegten nach dem 4:1-Hinspiel-Erfolg auch beim zweiten Vergleich mit 1:0.

Als die Mannschaften sich nach der spannenden, rasanten und guten Verbandsliga-Partie am Mittelkreis verabschiedeten, sah man Josi Ruß unter ihrem Regenschirm und etwas abseits die Becker-Faust ballen. „Sechs Punkte gegen Türkiyemspor, das schaffen nicht viele“, sagte die Borussen-Trainerin stolz. Einzuschätzen wusste sie den Triumph gegen das Kreuzberger Spitzenteam aber auch: „Nicht ganz verdient, auch wenn die zweite Hälfte besser war von uns.“

Ein echtes Juwel: Teenager Arzum Eren machte ein bärenstarkes Spiel auf dem linken Flügel. Foto: Matthias Vogel

Türkiyemspor war von Beginn an deutlich präsenter und meistens den berühmten Schritt schneller. Über die Flügel sollte die Pankower Defensive offenbar ausgehebelt werden, immer wieder nahmen die flinken Offensiven Arzum Eren über links und Karla Krüger über rechts Anlauf, und ihre Gegenspielerinnen Jessica Lippke beziehungsweise Alexandra Friese hatten wirklich alle Hände voll zu tun, ihre Seiten einigermaßen dicht zu behalten. Wenn aber doch der Ball nach innen segelte, fand sich dort über die gesamte Spielzeit kein Abnehmer – Abwehr-Chefin Franziska Klausch hatte leichtes Spiel. Und Murat Dogan dürfte mit jeder leer durchlaufenden Hereingabe seine etatmäßige Stürmerin Sanna El Agha ein bisschen mehr vermisst haben. Stellvertreterin Hülya Kaya war nach ihrer langen Verletzungspause merklich noch nicht wieder voll auf der Höhe. „Sie kann ihre Qualitäten noch nicht ausspielen“, sagte der Coach.

Da geht noch mehr. Winter-Neuzugang Hülya Kaya, hier im Zweikampf mit Borussen-Abwehr-Bank Franziska Klausch, ist nach ihrer Verletzung noch nicht wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte. Foto: Matthias Vogel

Richtig gefährlich wurde es für Pankow während des ersten Spielabschnitts zweimal: Erst nach einer langen Flanke aus dem rechten Halbraum in der Anfangsphase, als Borussia-Schlussfrau Sarah Atoui den Ball fallen ließ, sich die nachsetzenden Türkiyemspor-Beine aber vergeblich streckten. Dann, als Erika Szuh mit einem Freistoß aus 25 Metern halblinker Position Maß nahm und die Kugel nur um einige Zentimeter über die Latte des Pankower Gehäuses rauschte. Hochwertiger waren die beiden Möglichkeiten für die Gäste. Schon Mandy Vorwerk hätte nach einer halben Stunde Josi Ruß glücklich machen können. Zwei Kreuzbergerinnen sprangen gemeinsam zum Kopfball, als der lange Abschlag aus der Gästehälfte angeflogen kam. Die Folge fehlender Kommunikation: Von einem Scheitel der beiden rutschte das Spielgerät auf der rechten Seite in den Lauf von Vorwerk, die nicht mehr einzuholen war. Sie schob den Ball dann zwar links an Keeper Douha Mzoughi vorbei, aber zum großen Glück von Dogan & Co auch am Gehäuse. Also durfte es Hannah Diesen sein, die ihre Trainerin zum Jubeln brachte. Zwei Minuten vor dem Abpfiff steckte Caro Klausch einen Pass schlau durch die Türkiyem-Viererkette. Irgendeine Abwehrspielerin fälschte das Zuspiel noch ab, nur deshalb landete es punktgenau bei der Norwegerin im Borussia-Gewand. Richtig sauber traf sie den Ball zwar nicht, aber ihr Schuss senkte sich aus zehn Metern Distanz über Mzoughi hinweg ins Pankower Glück.

Vergebliche Liebesmüh‘

Obwohl Leistungsträgerin Erika Szuh zur Pause wegen eines privaten Termins ausgewechselt werden musste, behielt Türkiyemspor das Heft in der Hand. Das Bild änderte sich kaum, nur Pankow tauchte nun gar nicht mehr nennenswert vor dem Tor der Gastgeber auf. Trotz aller Mühe und allem Anrennens gab es allerdings auch keine echte Torchance mehr für die Dogan-Elf.

Pankows Außenverteidigerin Alexandra Friese (re.) bei ihrer mühevollen Aufgabe, die quirlige Karla Krüger in den Griff zu bekommen. Foto: Matthias Vogel

Mit dem Abpfiff rissen die Borussinnen die Hände in den verregneten Kreuzberger Himmel. Ruß war einfach nur glücklich, Dogan immerhin zufrieden: „Wie diese junge Mannschaft bis zum Schluss gekämpft hat, ist aller Ehren wert. Ich finde, wir haben die Partie dominiert, den Takt angegeben. Der Sieg ist daher unverdient. Dass wir keine Tore gemacht haben, liegt zum einen daran, dass der letzte Pass nicht sauber gespielt wurde. Zum anderen ist – wie gesagt – im Moment einfach der Wurm drin. Das müssen wir annehmen.“ Typisch Dogan: Der Meisterschaftskampf ist seiner Ansicht nach trotz der Niederlage nicht entschieden. „Die Saison dauert ja schon noch ein paar Spieltage. Da kann wirklich noch viel passieren.“


Türkiyemspor – Borussia Pankow 0:1 (0:1). Murats Lieblinge: Mzoughi, Kok, Badem, Krüger, Kaya, Solmaz, Abel, Bernstein, Szuh (46. Oppie), Eren, Kaplan. Josis Schätzeken: Atoui, Vorwerk (86. Hallstein), Reicke, Krüger (69. Kucera), Agal, Lippke, Friese, Diesen (46. Zweidorff), C. Klausch, F. Klausch, Kiszler. Tor: Diesen (43.). Schiedsrichter: Ronny Seitz. Zuschauer: 30. Titelbild: Matthias Vogel

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