Einfach abserviert!
* Im Regionalliga-Vergleich Zweiter gegen Dritter ist Union eindeutig Chef im Ring

von Matthias Vogel

Der 1. FC Union Berlin hat das Berlin-Duell gegen den SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf mit 6:2 für sich entschieden und damit den zweiten Platz in der Regionalliga Nordost gefestigt. Dabei präsentierten sich die eisernen Ladies vor heimischer Kulisse in allerbester Spiellaune.

Köpenick. Es störte Rene Zampich nicht die Bohne, dass seine rechte Außenverteidigerin Chantal Pistorius mit der pfeilschnellen Flügelspielerin Josephine Bonsu überfordert war oder seinen Youngster wie Sophie Büttner der Dampf fehlte, um sich gegen den eisernen Angriffswirbel wirkungsvoll zu wehren. „Pistorius kommt aus der Zweiten und es ist normal, dass sich bei unseren B-Jugendspielerinnen am Ende der Vorrunde ein gewisser Substanzverlust einstellt. Und die geben trotzdem ihr Bestes“, konstatierte der Hohen Neuendorfer Coach nach dem Spiel. Was ihm hingen die Zornesröte ins Gesicht trieb, war der Auftritt seiner routinierten Spielerinnen. „Wenn ich in der Halbzeit eines Derbys mehr Leidenschaft verlangen muss, dann stimmt etwas nicht“, schnaubte er.

 

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Sensationelles Tor. Diese Direktabnahme von Greta Budde (25) landet im Knick. Foto: Matthias Vogel

Zur Verteidigung der Gäste muss gesagt werden, dass sie ersatzgeschwächt antreten mussten und Union an diesem Tag wirklich mächtig viel Bock auf Fußball. Coach Falko Grothe hatte in Bonsu und Maria Zander Zeidam beide Flügel mit extrem flotten Kickerinnen besetzt, dazu wirbelte Marta Stodulska als zentrale Spitze die Hohen Neuendorfer Deckung pausenlos durcheinander, entweder wenn sie selber am Ball war, oder mit langen Laufwegen auf die Flügel, gepaart mit dem Wechsel der Flügelflitzer ins Zentrum. Auf gut Deutsch: Die Post ging ab. Und obwohl Zander Zeidam und Bonsu deshalb in aussichtsreichster Position vor dem SV-Gehäuse zum Schuss kamen, brauchte es einen Elfmeter für das Einbiegen auf die Siegerstraße. Charleen Niesler, die eine tolle Partie auf der Zehn ablieferte, wurde nach einem Übersteiger im Strafraum von den Beinen geholt, den Elfmeterpfiff von Katia Kobelt quittierte Stodulska mit der Führung.

Abgedrehte 23 Minuten

Ihr Treffer in der 24. Minuten leitete auch die womöglich abgedrehtesten 23 Minuten der Saison ein. Nur eine Minute später verteilte Union nämlich ein amtliches Gastgeschenk: Grober Fehler im Spielaufbau, schnelles Anspiel auf Janine Neue, mit dem linken Fuß den Ball kompromisslos in die Maschen gedroschen. Der Jubel blieb Hohen Neuendorf im Halse stecken, als wiederum nur 60 Sekunden später Kobelt erneut auf Strafstoß entschied. „Frechheit!“, schimpfte Zampich am Spielfeldrand, ganz unrecht hatte er damit nicht. Bonsu wurde im Luftkampf schon am Kopfball gestört, allerdings kommen solche Szenen in jedem Spiel sicher ein Dutzend Mal vor. Wen interessierte das alles nicht? Genau: Marta Stodulska. Die knallte den Ball sicher zum 2:1 ins Netz (26.).

 

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Marta Schrey beackerte zusammen mit Josephine Bonsu die linke Seite von Union, zum Leidwesen der Hohen Neuendorferinnen sehr gut. Foto: Matthias Vogel

Genug Turbulenz? Mitnichten! Greta Budde fand vier Tore in sieben Minuten besser als drei Kisten in drei. Deshalb packte sie eine Freistoßflanke von Niesler per Hüftdrehstoß zum 3:1 in den Giebel des Hohen Neuendorfer Gehäuses (30.) – Kategorie „Sehr sehenswert“. Mit einer weiteren Nachlässigkeit hätten die Eisernen Ladies dann die Gäste fast wieder ins Spiel gebracht. Eine Spieleröffnung von Torhüterin Monique Eichhorn landete bei Antonia Heinrich: 3:2 (45.). Gut für Union, dass es im Fußball immer noch einen „psychologisch ungünstigeren“ Zeitpunkt gibt: In der Nachspielzeit der ersten Schicht zog die ebenfalls glänzend aufgelegte Spielführerin Marie Weidt erst auf und davon – und dann einfach mal ab: SV-Keeperin Laura Schulz, auch aus der Reserve, lenkte die Kugel an die Latte, am zweiten Pfosten stand aber Bonsu und drückte sie zum 4:2 über die Linie (45.+2).

Noch dominanter in der zweiten Hälfte

„Wir waren dann in der zweiten Hälfte noch dominanter“, sagte Grothe. Wir hatten uns in der Pause vorgenommen, diese leichten Fehler im Spielaufbau zu vermeiden. Das ist uns gelungen. Am Ende hätten wir vielleicht noch zwei Tore mehr machen können, aber ich bin natürlich auch so sehr zufrieden.“ Auch verständlich, zwei schöne Buden bekam der Coach von seinen Schützlingen ja schließlich auch noch zu sehen. Erst bewies Stodulska, dass sie auch ohne Elfmeter kann. Ein Anspiel in die Box nahm sie mit dem Rücken zum Tor an, und packte das Spielgerät aus der Drehung in die kurze Ecke (53.). Den Schlusspunkt setzte Niesler, die nach einem perfekten Schnittstellenball von Stodulska das 6:2 markierte (74.).

 

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Konstruktives Angriffsspiel von Hohen Neuendorf – hier dringt Selina Grosch in die Hälfte von Union ein, waren Mangelware. Foto: Matthias Vogel

„Ein völlig verdienter Sieg für Union, keine Frage. Sie haben das auch viel besser gemacht als noch im Hinspiel bei uns. Wenn wir hier mit einer anderen Einstellung antreten, verlieren wir vermutlich auch, aber eben nicht so hoch. Das hat mich schon enttäuscht“, sagte Zampich. Ob des geringen Kaders wolle er aber auch nicht zu hart mit seiner Elf ins Gericht gehen. Ich denke, Tabellenplatz drei ist schon ganz in Ordnung.“


1. FC Union Berlin – SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf 6:2 (4:2): Eiserne Ladies: Eichhorn, Stodulska, Görsdorf, Weidt, Zander Zeidam (65. Boedeker), Bonsu, Ahlswede (74. Schindler), Niesler, Schrey (74. Pilz), Götz, Budde. BWHD: Schulz, Scheffler (70. Stöckert), Neue, Pistorius, Büttner, Scholau, Buchwalder, Grosch, Nicinski, C. Pantelmann, Heinrich (46. Wojtecki). Tore: 1:0, 2:1, 5:2 Stodulska (24., 26., 53.), 1:1 Neue (25.), 3:1 Budde (30.), 3:2 Heinrich (45.), 4:2 Bonsu (45.+2), 6:2 Niesler (74.). Schiedsrichterin: Katia Kobelt. Zuschauer: 50. Rasenperlen des Tages: Stodulska, Niesler, Görsdorf (Union), Schulz (BWHN).

 

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