Pankow macht die Liga spannend
Ruß-Elf bezwingt überraschend Türkiyemspor - Duygu Agal gelingen drei Kisten

von Matthias Vogel

Im Eiskunstlauf hätte die neue Figur schnell einen geschmeidigen Namen: Der dreifache Agal. So weit ist es im Berlin-Liga-Fußball der Frauen noch nicht, aber immerhin bedeutete der Hattrick der Borussen-Stürmerin den Knockout für Tabellenführer Türkiyemspor – nach Abpfiff des Topspiels hieß es 4:1 für Pankow.

Pankow. Die Pflicht absolvierte Pankow in der ersten Hälfte. Die Gastgeberinnen boten dem Favoriten ein packendes, sehr intensiv geführtes Duell auf Augenhöhe, sehr zur Freude der Zuschauer. Richtig zwingende Chancen gab es zwar weder hüben noch drüben, dafür gab es aber jede Menge beherzte Zweikämpfe zu sehen und das Tempo war hoch. Die leichte optische Überlegenheit der Borussinnen lieferte den ersten Hinweis auf das, was da noch kommen sollte. Genauso wie der Führungstreffer. Nach einem Einwurf auf der rechten Seite gelangte der Ball zu Caro Klausch, die ihn gefühlvoll in die Mitte beförderte. Dort leitete Duygu Agal „ihren“ Tag ein. Sie nahm sich die Zeit, das Spielgerät mit der Brust herunterzustoppen und es dann mit einem tollen Drehschuss im Netz der Kreuzbergerinnen zu verstauen (17.). Türkiyemspor reagierte mit wütenden Angriffen, ein Durchkommen gestattete die gut disponierte Pankower Deckung aber kaum. Und so brauchte es schon ein kurioses Tor für den Ausgleich. Sinem Solmaz trat eine Ecke, der Ball zischte die Linie entlang, über Torhüterin Sophia Kirchhoff hinweg an den Innenpfosten und in den Kasten (40.).

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Pankows Angreiferin Duygu Agal, hier im Spiel gegen den SV Blau-Gelb Berlin, hat mit einem Hattrick ihr Konto aufpoliert: Sieben Saisontreffer. Foto: Matthias Vogel

Türkiyemspor-Coach Murat Dogan fehlten nach eigenen Angaben sechs Stammkräfte, darunter Leistungsträgerinnen wie Aylin Yaren, Sana El-Agha und Ulrike Beyer. Dennoch missfiel ihm hörbar, was er in der zweiten Hälfte von seinem Team zu sehen bekam. Pankow begann nun mit der Kür, wurde von Minute zu Minute dominanter, brachte die Ordnung im Defensivverbund der Gäste zunehmend durcheinander. Logische Folge war ein Chancenplus, das sich nach gut einer Stunde auch im Ergebnis niederschlug. Und zwar sehr sehenswert. Ein Querpass lief etwa in Höhe der Mitte der Türkiyemspor-Hälfte parallel zur Strafraumkante in Richtung Hannah Diesen auf halbrechts. Die Norwegerin täuschte die Ballmitnahme in Richtung Zentrum an, ließ den Ball aber stattdessen mit der Innenseite rechts an ihrer Gegenspielerin vorbeilaufen, sprintete nach und versenkte aus 16 Metern den Ball mit einem Aufsetzer in der linken Ecke des Türkiyemspor-Kastens – 2:1. Und wenn das Wahlprogramm einmal gut läuft, dann probiert man eben auch gewagte Figuren. Das 3:1 markierte Agal auf Zuspiel von Caro Klausch von der Strafraumgrenze aus (67.), das 4:1 gelang ihr nach einer Klausch-Ecke, als sie den Ball nach Chaos im Gästestrafraum aus nächster Distanz irgendwie noch in die lange Ecke stocherte (75.).

Für Türkiyemspor-Coach Dogan ist die Pleite kein Weltuntergang

Da war er also der dreifache Agal, der Pankow den zweiten Sieg in Folge unter der Ägide von Trainerin Josefine Ruß brachte. „War jut“, berlinerte die nach Abpfiff. „Wir hätten nicht gedacht, dass es dann so eine deutliche Geschichte wird.“ Murat Dogan hatte das sicher auch nicht in dieser Form auf dem Zettel, eine enge Kiste habe er aber schon erwartet. „Ich wusste, dass es schwer wird, wenn wir nicht mit der vollen Kapelle antreten. In dieser Aufstellung ist Pankow oben dabei. Jetzt hoffe ich, dass sie gegen die anderen auch in dieser Besetzung auflaufen.“ Ein Weltuntergang war die Pleite für ihn nicht, auch wenn seine Truppe die Tabellenführung an den Rivalen SC Staaken abgeben musste. „Gut, dass es jetzt passiert ist. Die Saison ist noch lang.“

 

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Borussia-Ass Caro Klausch bereitete alle drei Tore von Duygu Agal vor. Foto: Matthias Vogel

Duygu Agal, die vom VfL Lüneburg in Niedersachsen kam und seit Oktober vergangenen Jahres die Kickschuhe für die Borussinnen schnürt, freute sich natürlich über den Dreierpack. „Den ersten habe ich ganz gut erwischt, das stimmt, bei den anderen beiden Toren war auch ein bisschen Glück dabei.“ Danach fragt im Fußball schon recht bald niemand mehr. Fakt ist: Duygu schraubte ihr Torekonto auf sieben Saisontreffer und Pankow hat mit dem Sieg die Liga ungemein spannend gemacht. Hinter Staaken (25 Punkte) tummeln sich Türkiyemspor, Union II und Blau-Weiß 90 mit jeweils 23 Zählern und – gar nicht mehr so weit hinter dem Spitzenquartett, haben sich der FC Internationale (19) und Borussia Pankow (18) fast schon in Schlagdistanz gebracht.


Borussia Pankow – Türkiyemspor 4:1 (1:1). Borussia: Kirchhoff, Vorwerk, Reicke, Agal (84. Hallstein), Lippke, Friese, Diesen, C. Klausch (86. Simon), F. Klausch, Verena Baier, Theresa Kiszler (88. Hientz). Türkiyemspor: Mzoughi, Fabarius, Kok, Badem (80. F. Abel), Solmaz, Schäfer (70. Krüger), I. Abel, Bernstein, Szuh, Eren, Kaya. Tore: 1:0 Agal (17.), 1:1 Solmaz (40.), 2:1 Diesen (63.), 3:1, 4:1 Agal (67., 75.). Schiedsrichter: Dieter Löbert. Zuschauer: 70.

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