Vom Wickeltisch zum Fußballplatz
* Gerade erst Mutter geworden, hat Josefine Ruß bereits wieder das Fieber gepackt - jetzt geht sie als Trainerin der schönsten Nebensache der Welt nach

von Matthias Vogel

Eigentlich sollte ihre Babypause länger dauern, doch weil das Trainer-Duo Soika/Fokkena aus heiterem Himmel das Handtuch warf, ist sie jetzt seit einem Monat Trainerin des Verbandsligisten Borussia Pankow: Josefine Ruß.

Pankow. So ganz zufällig wählte der Vorstand nicht die Nummer der 32-Jährigen, als es nach dem Punktspiel der Borussia gegen Neukölln zwischen den Coaches und dem Team knatschte und Sebastian Soika und Aike Fokkena die Nase voll hatten. Eigentlich hatte das Trainer-Gespann schon zum Saisonwechsel mit einer Wachablösung durch ihre ehemalige Torjägerin geliebäugelt. „Ich hätte da schon Lust gehabt, musste aber wegen des Nachwuchses absagen.“ Ein, zwei Nächte habe sie dann über die neuerliche Offerte nachdenken müssen. Verständlich, ihr Sohn kam schließlich erst im Juli zur Welt und braucht noch ihre volle Aufmerksamkeit. Sie entschied sich dafür und deshalb lenkt sie nun eben die sportlichen Geschicke an der Pichelswerderstraße.

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Möglichst hoch hinaus möchte Josefine Ruß (Nummer 6) auch als Trainerin mit Borussia Pankow. Foto: Josefine Ruß

Als Spielerin hat Josefine Ruß viel erlebt. Über den FV Liebenwalde, Eintracht Wandlitz und Medizin Eberswalde landete sie beim SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf, kämpfte sich dort über die Reserve in die erste Mannschaft. Nach drei Jahren Pause schloss sie sich dann Pankow an und ging für die Borussinnen neun Jahre lang unglaublich erfolgreich auf Torejagd. „In meiner stärksten Saison waren es 43 Treffer, ansonsten immer so zwischen 20 und 30.“ Insgesamt schätzt Ruß ihre Beute für Pankow auf etwa 250 Pflichtspieltore – eine mehr als stattliche Quote.

Viele Freundinnen in der Mannschaft – das entlastet

Als Trainerin hatte sie sich schon so ein bisschen bewährt, bevor sie offiziell in Soikas Fußstapfen trat. Vor einem Jahr gelang der Borussia mit Ruß an der Bande der sensationelle dritte Platz bei den Berliner Hallenmasters. Seit Mitte Oktober 2018 leitet sie nun das Training in Pankow. Und weil sie innerhalb der Mannschaft viele Freundinnen hat, ist es auch kein Problem, wenn sie nur knapp vom Wickeltisch zum Fußballplatz findet. „Die helfen mir alle sehr, das ganze Material ist zum Beispiel bereit, wenn ich ankomme.“ Die Stimmung sei exzellent, etwas, was vor ihrem Amtsantritt zuletzt nicht mehr der Fall war. Das Debut von Josefine Ruß verlief blendend, nach der dreiwöchigen Ligapause schlug Pankow die Reserve des FC Viktoria 1889 Berlin sicher mit 3:0. „Wir hätten auch höher gewinnen können, Julia Haacke im Tor von Viktoria hat überragend gehalten“, so Ruß. Und – viel wichtiger – die Mannschaft sei mit viel Teamgeist und Spaß bei der Sache gewesen.

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Josefine Ruß erzielte etwa 250 Pflichtspieltore für die Borussia – eine beeindruckende Marke. Foto: Josefine Ruß

Nach dem Fehlstart der Borussia hatten Sebastian Soika und Aike Fokkena das Team bereits wieder auf die Erfolgsspur zurückgebracht. Nach dem Sieg gegen Viktoria steht die Borussia schon fast wieder da, wo Ruß mit ihr hin will. „Ich denke, wir gehören unter die besten Fünf der Liga.“ Derzeit steht Pankow auf dem sechsten Platz, einen Zähler hinter dem FC Internationale. „Für ganz oben reicht es vermutlich nicht, aber wir wollen die Großen schon ärgern“, sagt sie. Dazu hätten sie und ihre Truppe am heutigen Sonntag, 18. November, um 15 Uhr die beste Gelegenheit. Der Spitzenreiter gastiert nämlich an der Pichelswerderstraße. „Wenn wir komplett sind, ist unser Kader nicht recht viel schwächer als der von Türkiyemspor“, kommentiert Ruß den Vergleich mit den Kreuzbergerinnen. Und ihre Mannschaft sei heute schließlich komplett.

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