Herzlich willkommen zur Vorwerk-Schau!
Agile Borussen-Flügelspielerin ist an sechs von sieben Toren beteiligt

von Matthias Vogel

Böse unter die Räder gekommen ist der SV Blau-Gelb Berlin im Verbandsliga-Vergleich mit Borussia Pankow. Mit 7:1 (3:1) fegte die Soika-Elf die Mädels von der Rennbahnstraße vom heimischen Platz. Überragende Akteurin war Mandy Vorwerk, die vier Buden vorbereitete und zwei selber markierte. 

Pankow. Sandra Brelauw war bedient. Während ihr Co-Trainer Tom Rimasch nach dem Debakel die in rot-weiß gewandeten Blaugelben zur kurzen Kopf-hoch-Runde auf dem Platz versammelte, saß die SV-Trainerin völlig konsterniert im Kabinenhäuschen – das hatte sie sich anders vorgestellt. Und das hat auch einen Grund: Die Borussia war richtig gut aufgestellt in diesem vermeintlichen Keller-Duell. „Wenn die immer in dieser Besetzung antreten, haben die im unteren Tabellendrittel nichts verloren. Im Gegensatz zu mir hat Sebastian Soika eben ein paar Nummern, die er anrufen kann, wenn Not am Mann ist.“ Eine von diesem Nummern gehört Caroline Klausch. Sie wollte in dieser Spielzeit nur auf Abruf kicken und nun wurde sie eben abgerufen. Und das war schon ein ordentliches Pfund, was damit in die Pankower-Waagschale plumpste. Klausch wirbelte zusammen mit Verena Baier die Blau-Gelbe Hintermannschaft über die gesamte Spielzeit gehörig durcheinander. Zig Schnittstellenbälle hagelten durch die letzte Reihe der Gäste und wären die Adressaten vor der Kiste konsequenter zur Sache gegangen, wäre der Borussia-Sieg noch höher ausgefallen.

 

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Marie Thome (re.) macht das 0:1, da war die blau-gelbe Welt noch in Ordnung. Foto: Matthias Vogel

Dabei ging es Brelauw in der Anfangsphase der Partie noch so richtig gut. Der Sekundenzeiger hatte noch keine ganze Umdrehung hingelegt, da klingelte es nämlich im Pankower Kasten. Marie Thome hatte sich auf ihrem Weg von der halblinken Seite zur optimalen Schussposition im Zentrum großartig durchgesetzt und einfach mal abgezogen. Ihr Schuss glitt Torsteherin Sophia Kirchhoff durch die nach oben gerissenen Fänge: 0:1. „Da habe ich gedacht, vielleicht straffen wir uns und können die Partie offen gestalten“, resümierte Brelauw. Die Borussia brauchte auch tatsächlich 20 Minuten, um sich vom Überraschungscoup der Gäste zu erholen und in dieser Zeit dürfte Mandy Vorwerk in etwa die gleiche Laune gehabt haben, wie die Blau-Gelb-Trainerin nach dem Abpfiff. Zwar kam sie auch da schon einige Male über die linke Seite durch, traf aber vor dem Tor stets die falsche Entscheidung.

 

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Dieser Schuss von Verena Baier landet zum 6:1 für Borussia im Torgiebel. Foto: Matthias Vogel

Aber Adel verpflichtet bekanntlich, also blieb Vorwerk hartnäckig wie ein Vertreter des gleichnamigen Staubsauger-Herstellers. Den ersten Verkauf tätigte sie dann in der 22. Minute, als sie sich bis auf die Grundlinie durchtankte und nach innen legte – ein Gästebein bugsierte den Ball vor der einschussbereiten Alexandra Friese ins eigene Tor. Nach gleichem Muster fiel das 2:1 (40.), diesmal war Friese selbst der Treffer vergönnt. Sehenswert an diesem Treffer war der traumhafte Flugball von Verena Baier über die Abwehr hinweg, mit dem sie Vorwerk links blank spielte. Als die dann nach Klausch’schen Steilpass auch noch selbst zum 3:1 einschieben konnte (44.), war endgültig aller Frust bei ihr verflogen.

Ersatztorhüterin Anne Schüler bewahrt Blau-Gelb vor Schlimmerem

So richtig ins Rollen kam der Borussen-Express aber erst nach der Pause. Klausch (66.), Vorwerk (69.) und Baier (75.) münzten die turmhohe Überlegenheit in weitere Treffer um – die Zuspiele für Klausch und Baier kamen dabei – richtig! – von Mandy Vorwerk. Vermutlich hätte sie auch das 7:1 durch Loredana Kucera vorbereitet (78.), wäre sie nicht vorher ausgewechselt worden. Kucera und Jana Gadau hätten noch zwei weitere Joker-Tore machen müssen, scheiterten aber an Anne Schüler, die eigentlich im Feld spielt, an diesem Tag aber die Ersatztorhüterin für Blau-Gelb gab und ihre Sache richtig gut machte.

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Jut jemacht, Digge! Caro Klausch (hinten) und Mandy Vorwerk freuen sich über das Torfestival. Foto: Matthias Vogel

Brelauw war auch deshalb zerknirscht, weil ihr gerade weitgehend die Hände gebunden sind. „Uns fehlten heute fünf Stammkräfte. In unserem Kader steckt viel mehr Qualität, aber ich bekomme sie nie zur Gänze auf den Platz.“ Und Soika? Der hatte schon vor dem Spiel geahnt, dass es wohl etwas werden würde mit dem Dreier. „So stark waren wir bisher selten sortiert, in dieser Saison sowieso noch nicht.“ Nach der Begegnung bilanzierte er: „Unser Zentrum ist kaum auszuschalten und Mandy Vorwerk ist schon eine Waffe.“

Und das bleibt nach den 90 Minuten an der Pichelswerderstraße festzuhalten: Kommt die Borussia künftig immer so um die Ecke, findet sie sich schon bald im vorderen statt im hinteren Drittel des Tableaus wieder. Und ein SV Blau-Gelb in dieser Verfassung wird es ganz schwer haben in dieser Berlin-Liga-Spielzeit.

Titelbild und Rasenperle des Tages: Mandy Vorwerk

 

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