Ost-Derby-Dreier bleibt in Lichtenberg
Die Borussia macht zu wenig aus ihren Möglichkeiten und muss sich kampfstarken Gastgeberinnen beugen

von Matthias Vogel

Lichtenberg 47 hat das Ost-Derby gegen Borussia Pankow mit 2:0 (2:0) für sich entschieden. Mit ein bisschen Glück und viel Geschick sicherte sie die junge Mannschaft des Trainers Jens-Uwe Ludwig den Dreier. Zusätzlichen Wind in die Segel erhielt sie dabei durch einen fragwürdigen Foulelfmeter Sekunden vor dem Halbzeitpfiff. 

Lichtenberg. Es muss so um die 80. Spielminute herum gewesen sein, als die Borussin Verena Baier nach einem Pass zurück in die eigene Hälfte resigniert die Schultern nach unten fallen ließ. Zum x-ten Mal hatte sie vergeblich eine Mitspielerin nebst Lücke im dicht gestaffelten Abwehrverbund der Lichtenbergerinnen gesucht. Es gab einfach kein Durchkommen und so hieß es am Ende der intensiv geführten Berlin-Liga-Partie genauso wie zur Pause: 2:0. An Baier lag es wahrlich nicht. Unermüdlich hatte sie das Pankower Spiel angetrieben, war immer anspielbar, verteilte klug die Bälle und schoss auf das Tor. So wie Mitte der ersten Hälfte, als sie nach schöner Kombination kurz nach der Strafraumgrenze freigespielt wurde und mit dem linken Fuß abzog. Sie erwischte die Kugel nicht voll, weshalb nach der Parade von Lichtenbergs Torhüterin Lisa Bockshammer ein wütendes „Mann ey!“ über den Platz an der Bornitzstraße hallte – als hätte sie geahnt, wie wichtig der Ausgleich in dieser Phase gewesen wäre.

 

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Die bärenstarke Verena Baier zieht ab, Laura Gadke kommt zu spät. Foto: Matthias Vogel

Den besseren Start erwischten die lauffreudigen und zweikampfstarken Gastgeberinnen, Pankow brauchte eine Zeit, um sich mit dem aggressiven Anlaufen anzufreunden. Gerade als die Begegnung sich mehr und mehr in die Hälfte der 47er verschob – Sina Krüger kam einige Male gefährlich über die rechte Seite durch – fiel die Führung für Lichtenberg. Abwehrchefin Anela Zakomac wuchtete eine Ecke von Jenny Waldow per Kopf in die Maschen (17.). Das machte sie gekonnt, allerdings auch gänzlich unbehelligt. Borussia-Coach Sebastian Soika löste nach Spielende auf: „Das ist bei uns ein Ball für die Torhüterin, aber Sophia sagt, sie hätte den Ball gegen die tiefstehende Sonne nicht gesehen.“

Elfmeterpfiff sorgt für großen Unmut

In der Folge hatte die Borussia dann ihre beste Phase. Erst die Chance von Baier, dann verfehlte Lucie-Maria Müller aus aussichtsreicher Position den Kasten (24.) und schließlich steuerte Alexander Friese zweimal alleine aus halbrechter Position auf Bockshammer zu. Doch zweimal behielt die Lichtenberger Torhüterin das bessere Ende für sich und heimste dafür nach dem Spiel ein dickes Lob von Ludwig ein: „Da hat uns Lisa im Spiel gehalten, wenn da nur einer von reingeht, kann die Partie ganz anders laufen.“ So lief sie aber weiter nach dem Gusto des 47er-Coaches und das lag auch an dem zweifelhaften Elfmeter. Eine Kerze hatte sich knapp innerhalb des Pankower Strafraums gesenkt, Laura Gnadke kam für Lichtenberg zum Kopfball, soll aber dabei von Sarah Atoui gestoßen worden sein. Als sich alle auf die Fortsetzung des Spiels konzentrierten, blies Michael Frank jedenfalls in seine Pfeife, zum Entsetzen und großen Unmut von Soika und dem Pankower Anhang. Den von Georgina Weinholz souverän verwandelten Elfer ließ er wiederholen, was dann beide Lager in Rage versetze. Weinholz war das einerlei, den zweiten Versuch versenkte sie sicher. 2:0, Abpfiff, Pause.

 

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„Hat jemand Aylin Jüterbock gesehen? Ach so, die hab ich ja auf dem Arm!“ Anela Zakomac lässt sich für ihren Kopfballtreffer feiern. Foto: Matthias Vogel

Die restliche Partie war von den vergeblichen Bemühungen von Baier & Co geprägt, das Prestige-Duell noch umzubiegen. Zwingend kam die Borussia aber nicht mehr vor das Tor, zum einen fehlte es an Ideen, zum anderen rührte Lichtenberg ordentlich Beton an. Pankows Torhüterin Sophia Kirchhoff musste kurz vor Schluss einen gefährlichen Distanzschuss von Olga Kolomiets herunterpflücken, mehr nennenswerte Szenen vor den Toren gab es nicht.

Manöverkritik von Soika

Soika saß nach dem Schlusspfiff auf der Auswechselbank und vergrub das Gesicht in seinen Händen. Den Elfmeter konnte er immer noch nicht fassen. „Der Schiedsrichter hat nicht einseitig gepfiffen, aber warum muss er denn in dieser Situation das Spiel mitentscheiden?“ Soika übte aber auch Manöverkritik: „Wir waren heute sicher fußballerisch nicht schlechter als Lichtenberg. In der ersten Halbzeit müssen wir aber einfach unsere Chancen nutzen und in der zweiten Hälfte ist uns nach vorne nichts eingefallen. Ärgerlich, wir haben oft trainiert, was auf engem Raum zu tun ist.“ Jens-Uwe Ludwig blies indes durch. „Klar führen wir, aber man weiß ja nie, ob da bei den Angriffen der Borussia nicht doch noch etwas passiert. Jetzt bin ich einfach froh.“


Lichtenberg 47 – Borussia Pankow 2:0 (2:0). Lichtenberg: Bockshammer, Weinholz, Pöppe, Gnadke, Becker, Jüterbock (81. Stiller), Waldow (55. Buggisch), Goldmann (59. Stolpmann), Kolomiets, Zakomac, Wittkowski. Pankow: Kirchhoff, Reicke (73. Kucera), Krüger, Müller, Atoui (63. Gadau), Brock, Friese, Diesen, Klausch, Baier, Kiszler. Tore: 1:0 Zakomac (17.), 2:0 Weinholz (45.). Schiedsrichter: Michael Frank. Zuschauer: 90. 

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