Großer Wille, kein Weg
Engagierte Stern-Frauen müssen sich dem Talentschuppen FF USV Jena II beugen

von Matthias Vogel

Die Regionalliga-Fußballerinnen des SFC Stern 1900 haben am Sonntag ihre erste Saisonniederlage hinnehmen müssen. 0:2 (0:2) hieß es am Ende einer interessanten Partie gegen die erwartet lauf- und spielfreudige Mannschaft des FF USV Jena II. 

Steglitz. Es hätte schon alles zusammenpassen müssen für die stark dezimierte Sterner Elf, um den talentierten und auffallend abgezockt agierenden zweiten Anzug des Zweitligisten zu gefährden. So hätte die Partie sicher einen anderen Charakter gehabt, wenn Stürmerin Sonja Goll  nach fünf Minuten ihren unbegleiteten Sturmlauf auf die Gäste-Torhüterin Julia Gornowitz erfolgreich abgeschlossen hätte. Und als die Schützlinge von Coach Harald Planer ab Mitte der zweiten Hälfte wirklich alles in die Waagschale warfen, um den 0:2-Rückstand doch noch wett zu machen, fehlte vor der Jenaer Kiste schlichtweg der letzte Punch.

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Unermüdliche Antreiberin im Sterner Mittelfeld: Jacqueline Behrends. Foto: Matthias Vogel

Ein Großteil der USV-Truppe ist gerade der Bundesliga-B-Jugend des Vereins entwachsen. Und die Gäste zeigten, was sie während ihrer Ausbildung gelernt haben. Von Beginn an ließen sie den Ball und die Sterner Spielerinnen laufen, das Geschehen spielte sich hauptsächlich in der Steglitzer Hälfte ab und die Entstehung des 0:1 war für Planer dann Ausdruck einer umfänglichen taktischen Schulung des Kontrahenten: „Die sehen eben sofort, wenn etwas in der Abwehr nicht stimmt und spielen den Ball da hinein.“ Mit einem blitzschnellen Seitenwechsel hatte Jena einen Stellungsfehler auf der rechten Defensivseite entblößt. Adressatin Sonja Merazguia, erst 16 Jahre alt und 2017 zu einem Lehrgang der U16-Nationalmannschaft berufen, nahm das scharfe Zuspiel an und mit, und schob den Ball wie selbstverständlich durch die Beine der herausstürmenden Stern-Torhüterin Nicole Bartholdi zur Führung ein (37.) Der Treffer lag zu diesem Zeitpunkt in der Luft, kurz zuvor war Anna Krafczyk mit einem Schuss aus der Distanz knapp gescheitert. Das Pausenunglück für Stern war vollendet, als sich das Spielgerät nach einer verunglückten Kopfballabwehr von Vanessa Lux als eine für Bartholdi unhaltbare Bogenlampe in die eigenen Maschen senkte (42.).

Enormer Kraftaufwand, enormer Wille

Mit einem enormen Kraftaufwand blies Stern in der zweiten Hälfte nach ereignislosen 20 Minuten zur Aufholjagd. Unermüdlich angetrieben von Nicole Schröder und Jacqueline Behrends, wurde Jena nochmals aggressiv angelaufen und somit zu Fehlern gezwungen. Nach der Balleroberung wurde sich auch durchaus in Schlagdistanz kombiniert, alleine die klaren Abschlüsse blieben Mangelware und so blieb es beim 0:2. „Wenn uns in dieser Phase der Anschlusstreffer gelingt, wird das nochmal eng“, sagte Planer, der abgesehen von leeren Händen sehr zufrieden war mit dem Auftritt seiner Mannschaft. „Wir haben gegen einen erwartet starken Gegner alles gegeben und unsere Einstellung war phänomenal. Es ist uns einfach nicht gelungen, Jena richtig aus der Reserve zu locken.“

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Körperlich an ihre Grenzen gegangen ist Nicole Schröder, der Schmerz über die Niederlage war nach der Partie schnell verdaut: „Das wird ein interessantes Rückspiel.“ Foto Matthias Vogel

Schlüsselszene war für Planer die vergebene Großchance kurz nach Beginn, weil eine Führung dem Konterspiel seiner Elf in die Karten gespielt hätte. Der Stern-Coach war aber weit entfernt von einem Vorwurf an Sonja Goll. „Da haben wir improvisiert. Sie ist eigentlich keine Stürmerin und hat ihre Sache hervorragend gemacht da vorne. Hätte ja auch fast geklappt.“ Eine „sensationelle“ Leistung attestierte Planer auch Nicole Schröder, und die sagte nach der Partie: „Wenn man Jena packen kann, dann über das körperbetonte Spiel. Das haben wir zum Schluss hin versucht, leider ging nichts mehr. Zwischendurch waren wir heute ein bisschen zu konfus. Das wird auf jeden Fall ein interessantes Rückspiel.“


SFC Stern 1900 – FF USV Jena II 0:2 (0:2). Stern: Bartholdi, Schröder, Armanious (79. Haertel), Krömer (65. Rehländer), Ibrisevic, Schwabe, Lux, Klatte, Behrends, Sohr, Goll. Tore: 0:1 Merazguia (37.), 0:2 Lux (ET, 43.). Schiedsrichterin: Pauline Meincke. Zuschauer: 50.

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Stern-Coach Harald Planer war in der zweiten Hälfte unheimlich aktiv an der Seitenlinie. „Das war Schwerstarbeit heute.“ Foto: Matthias Vogel

 

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Sonja Goll, defensive Mittelfeldspielerin im Gewand einer Stürmerin, hatte das 1:0 auf dem Fuß. Foto: Matthias Vogel

 

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