Großartige Performance
Starkes Union-Kollektiv holt gegen RB Leipzig die ersten Big Points

von Matthias Vogel

In einer nicht nur wegen der tropischen Temperaturen hitzigen Fußballpartie behielten die Frauen des 1. FC Union Berlin am Sonntag mit 2:1 die Oberhand über RB Leipzig. Weil der Gegner stark auftrat, darf man in Köpenick getrost von den ersten Big Points der Saison sprechen.

Köpenick. Wenn Falko Grothe „zu 90 Prozent“ zufrieden mit der Performance seiner Schützlinge ist, dann darf davon ausgegangen werden, dass es die Fans zu 100 Prozent sind. „Ich glaube ich neige manchmal dazu, unsere Leistung ein bisschen kritischer zu sehen als sie ist“, hatte Grothe vor dem Spiel gesagt, nach dem Spitzenspiel-Triumph über Leipzig ließ er das Tadelheft bewusst geschlossen. Es war nicht nur der Sieg, die gute Umsetzung seiner taktischen Direktive oder der gute körperliche Zustand, der ihn begeisterte. Mehr noch waren es Teamgeist, der Wille jeder Einzelnen, sich für die Mitspielerinnen ins Zeug zu legen und die positive Energie von der Auswechselbank. „Wir sind als echtes Team aufgetreten, es hat heute großen Spaß gemacht zu coachen.“

Spieß umgedreht

Im Wissen um die Stärke von RB – das Konterspiel – verzichtete Grothe auf die sonst erwünschte Dominanz. „Wir wollten Leipzig mehr Raum geben und unsererseits nach Ballgewinn schnell umschalten“, sagte Grothe. Das gelang recht gut, wie eine brandgefährliche Situation vor dem Leipziger Kasten aus der 55. Minute belegt: Elisa Emini bekam im Zuge eines Konters den Ball auf der rechten Seite zugespielt, legte ihn traumhaft hinter die Abwehrkette, wo ihn Marta Stodulska ersprintete, dann aber an RB-Torhüter Gina Schüller scheiterte. Förderlich für den umgedrehten Spieß war freilich das sehr frühe Tor von Neuzugang Lätizia Radloff. Die junge Ex-Turbine entwischte nach einem Chip über die aufgerückte Leipziger Abwehr auf der rechten Seite und knallte das Spielgerät aus spitzem Winkel hoch in die kurze Ecke (4.). Grothe: „Ein starkes Ding!“ Einmal geriet die Führung während der ersten Schicht ins Wanken. Da musste Unions Torhüterin Monique „Momo“ Eichhorn gleich zweimal im Frau gegen Frau verteidigen – mit Erfolg (34.). Laut Grothe hatte Union das Geschehen ansonsten im Griff und hätte die Führung durch Marie Weidt durchaus ausbauen können, als ihr nach einer Gegenpress-Attacke der Ball an der Strafraumkante vor der Flinte lag, ihr Schuss aber nicht den Weg ins Schwarze fand.

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Monique Eichhorn war eine Bank im Tor von Union. Fotos: Judith Diecke

Das was Leipzig Union abverlangte, umschrieb Grothe so: „Körperlich war das heute Ausnahmezustand!“ Die Eisernen hielten dagegen und profitierten in der 83. Minute von der robusten Gangart der Gäste. Pia Zander-Zeidam war mit Tempo in die Box eingedrungen und konnte nur mit unlauteren Mitteln vom Torschuss abgehalten werden. „Da hingen zwei an ihr dran, die eine hat sie oben gestoßen, die andere ihr unten fast die Hose ausgezogen. Ein glasklare Elfer“, urteilte ihr Trainer. Marta Stodulska verwandelte ebenso glasklar: 2:0. Fisch in der Dose? Mitnichten!

Brisante Nachspielzeit

Wenn Grothe sein Tadelheft überhaupt noch einmal aufschlägt zu diesem Spiel, dann handelt sein Vortrag von der Nachspielzeit. „Da haben wir nachgelassen.“ Mit fast verheerenden Folgen. Sekunden vor dem Abpfiff übte die letzte Union-Reihe keinen Druck auf Madlen Frank aus. Sie zog aus 20 Metern ab, Eichhorn sah den Ball nicht: 2:1. Nicht auszudenken, wenn die glänzend aufgelegte Köpenicker Torhüterin nicht eine Minute zuvor einer Doppel-Großchance für Leipzig zunichte gemacht hätte. So blieb es beim 2:1 und einem glücklichen Falko Grothe. „Was wir heute gelaufen sind, war unglaublich.“ Die gereizte Atmosphäre auf und neben dem Platz nahm der Union-Coach mit Gelassenheit und Humor: „Das hat einfach Spaß gemacht. Und so lange die Punkte auf der richtigen Seite bleiben, ist ja alles gut.“


1. FC Union Berlin – RB Leipzig 2:1 (1:0). Union: Eichhorn, Stodulska, Görsdorf, Weidt, Boedecker, Fröhlich (64. Budde), Emini (78. Cosme), Niesler (76. Zander Zeidam), Schrey, Götz, Radloff. Tore: 1:0 Radloff (3.), 2:0 Stodulska (83.), 2:1 Frank (90.+). Schiedsrichterin: Sarah Hartmann. Zuschauer: 100.

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