Das verflixte zweite Jahr

von Matthias Vogel

„Stern am Regionalliga-Himmel“, so könnte die jüngste Spielzeit der Steglitzer Fußballerinnen nachträglich überschrieben werden. Mit dem fünften Platz in der Abschlusstabelle war nach dem Aufstieg nicht zu rechnen. Trainer Harald Planer und seine Mädels würden ihre Top-Leistung in der nächsten Saison gerne bestätigen – müssen dafür aber einige Hürden überwinden.

Steglitz. Das zweite Jahr in der Regionalliga Nordost für den SFC Stern 1900, das siebte Jahr an der Seitenlinie für den Coach. Da fallen einem auf der Stelle zwei mehr oder weniger bewiesene Thesen ein. In der globalen Fußball-Saga gilt das zweite Jahr nach dem Aufstieg als das schwerste, weil die erste Euphorie verflogen ist, die Gegner einen besser kennen und nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen – besonders nach einem glorreichen Debüt. Zum anderen gelten Beziehungen im „verflixten siebten Jahr“ als gefährdet – zumindest Ehen, wie die Statistik belegt. Bedenken in dieser Richtung wischt Planer mit zwei Sätzen weg: „Ich kann mir im Moment nichts anderes vorstellen, als hier zu trainieren“, sagt er. Und: „Wir wollen wieder über die emotionale Schiene, über Einsatz und die mannschaftliche Geschlossenheit kommen.“ Das würde er nicht sagen, wüsste er sein Team nicht hinter sich.

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Gute Stimmung, lernwillige Mannschaft – Harald Planer liebt seinen Job als Sterne-Coach. Foto: Matthias Vogel

Wenn also etwas „verflixt“ sein könnte, dann also dass der Newcomer-Vorteil futsch ist. „Viele Gegner waren überrascht, dass wir so gut mithalten können. Die werden uns nicht mehr unterschätzen.“ Zudem falle wohl leider die Unbekümmertheit in den eigenen Reihen weg. „Deshalb liegt einer meiner Schwerpunkte darauf, die Mädels anzuhalten, weiter frech und mutig zu spielen.“ Die grobe taktische Ausrichtung soll sich aber nicht ändern. Aus einer kompakten Defensive heraus soll überfallartig gekontert werden. Aber eben weil die Gegner aus Respekt vor dem schnellen Umschaltsspiel made in Steglitz nicht mehr bedingungslos versuchen werden, Stern zu dominieren, legt Planer während der Vorbereitung auch großen Wert auf die Verbesserung des Ballbesitzspiels. „Da müssen wir ruhiger werden.“

Vanessa Lux bringt Zweitliga-Erfahrung mit

Dem routinierten Aufbauspiel kommt eine Neuverpflichtung besonders zu pass. Innenverteidigerin Vanessa Lux kommt vom Zweitliga-Absteiger und aktuellen Ligakonkurrenten Blau-Weiß Hohen Neuendorf an den „Sterner“. „Sehr erfahren, mit ihr werden wir hinten sicher noch stabiler“, urteilt Planer. Schmerzlich für die Pläne auf dem taktischen Reißbrett sei hingegen, dass er nicht auf seine beiden pfeilschnellen Spitzen Cheyenne Selmke und Kimberly Lange zurückgreifen kann. Selmke fällt wegen einer Knöchelverletzung die komplette Saison aus, Lange geht für ein Jahr nach Südkorea. Überhaupt ist ein Umbruch zu verarbeiten. In Mareen Härte (Umzug), Nina Fiebig (Babypause) und Kapitänin Kristin Krömer (zweite Mannschaft) fehlen wichtige Säulen der Vergangenheit. „Dafür bekommen wir ein oder zwei jungen Spielerinnen aus der Zweiten und dann kommen noch einige zum Probetraining. Ich denke, der Kader zählt am Ende 20 Spielerinnen“, sagt Planer.

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Aufgrund ihrer Schnelligkeit wichtig für das Sterner Umschaltspiel: Emina Wacker (li.). Foto: Matthias Vogel

In den vergangenen zwei Wochen schufteten die Sternschnuppen nach den individuellen Trainingsplänen des beruflich nun in Dublin tätigen Co-Trainers Jacob Basche, der dem Verein übrigens in beratender Rolle erhalten bleibt. Das Mannschaftstraining beginnt am Dienstag, 17. Juli. Planer hält es eher mit intensiven Trainingseinheiten als mit ausgedehnten Testspiel-Reihen. Gegen den Lokalrivalen Viktoria wird recht bald geprüft und am Ende der Vorbereitung geht es gegen den Verbandsligisten Lichtenberg 47. Dazwischen liegt der erstmals ausgetragene Supercup in Hohen Neuendorf. Nach dem kürzlich veröffentlichten, vorläufigen Spielplan startet die Saison für Stern am 19. August mit dem Gastspiel beim SV Eintracht Leipzig-Süd.
Planer schätzt die Liga stärker ein als in der abgelaufenen Saison, aber ob er nun mit seiner Elf wieder auf Platz fünf landet oder nicht, ist für ihn nicht entscheidend. „Mir ist wichtig, dass wir uns weiterentwickeln.“

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