Von Fansels Last-Minute-Hammer

von Matthias Vogel

Der DFC Kreuzberg bleibt in der Bezirksliga, Bero II trifft in der Aufstiegsrelegation nun auf Stern II und der SV Blau-Gelb II? Der steigt nach einem extrem hart erkämpften 2:1-Sieg gegen den zweiten Anzug des BSV GW Neukölln direkt in die Landesliga auf.


Weißensee. „Die Mauer stand falsch und da habe ich mir gedacht, den packe ich da jetzt rein“, so beschrieb Sieg-Torschützin Michelle Fansel nach Abpfiff die Sekunden vor ihrem Freistoß aus 16 Metern, durch den sie mit Urgewalt die Tür zur Landesliga für Blau-Gelb auftrat. Wie an der Schnur gezogen rauschte der Ball aus ihrer Sicht rechts oben in die Maschen. 2:1, großer Jubel, Fansel von ihren Mitstreiterinnen an der Auslinie gewhoppert, letzte Minute. SV-Coach Marcel Retzkowski-Lehmann unterbrach den Jubel schroff: „Hey! 4:4:2 jetzt! Das geben wir nicht mehr her“, befahl er. Habachtstellung tat auch Not. Aus dem Nichts – wie zuvor bei Fansels Freistoß – entschied Referee Mehmet Kizilgül in der Nachspielzeit auch auf Freistoß für Neukölln. Gleiche Position, nur entschieden sich die Gäste für Finesse. Angelique Aust legte überraschend quer für Laura Lück und deren Schuss aus dem Zentrum konnte das Meer blaugelber Abwehrbeine blocken. Sekunden später war Schluss, erst jetzt durfte sich ausgiebig gefreut werden.

Aus fad mach‘ spicy!

Es war unfassbar, wie sich aus einer faden Partie innerhalb von einer Minute ein packender Schlagabtausch entwickelte. So gut wie nichts gab es in den Boxen bis dahin zu sehen. Blau-Gelb körperlich stark, Neukölln spielerisch stärker – mehr Erkenntnis gab das Treiben an der Rennbahnstraße wirklich nicht her. Aber dann: Aust taucht nach schöner Kombination vor SV-Keeperin Elena Aulich auf, scheitert aber mit ihrem Flachschuss unglücklich an ihr (60.). Eine Minute später pfeift Kizilgül Foul-Elfmeter, sehr zur Verblüffung der Gastgeber. Alina Schrama ist das schnuppe, sie verwandelt eiskalt: 0:1 (62.), Aufstieg für Blau-Gelb in weiter Ferne, jubelnde Youngster hier, gesenkte Routinier-Köpfe dort – nicht einmal eine Minute lang. Denn direkt im Anschluss fährt die Retkowski-Truppe einen Angriff, Neukölln bringt den Ball nicht weg und so fällt er dann eben Ewelina Omachil vor die Füße, die sich um den Ausgleich nicht zweimal bitten lässt (62.). „Das ging alles zu schnell, ich wollte nur das Tor machen“, sagte Omachil nach Spiel und Jubelarie. „Aber der schnelle Ausgleich war natürlich wichtig für uns.“

 

DSC05733
,Zittern für Blau-Gelb in der Nachspielzeit: Angelique Aust läuft zum Freistoß an. Foto: Matthias Vogel

Jetzt sahen die Zuschauer jedenfalls endlich das beherzte Spiel, das sie sich erhofft hatten. Lücks Freistoß an das Lattenkreuz (67.) hätte Blau-Gelb erneut in schwere Nöte gebracht, danach aber hatten die Gastgeberinnen die besseren Chancen. Jenny Bohnenstengel nach Ecke per Kopf (80.), Fansel mit einem kuriosen Halbvolley von der Auslinie, der von oben auf die Latte klatschte (82.), und Sylvana Spröck, die völlig unbedrängt den Ball aus zehn Metern am Neuköllner Kasten vorbei schob, wollten schon früher die Weichen auf Aufstieg stellen. Haben sie aber nicht. Und deshalb musste der blau-gelbe Anhang zittern, bis Fansel Maß nahm.

„Jeder Blau-Gelbe ist heute tausend Tode gestorben“

„Wir wollten heute nichts verschenken, das haben wir auch nicht gemacht. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meiner jungen Mannschaft“, sagte GW-Coach Daniel Czyplis. Und Retkowski-Lehmann? „Ich bin einfach nur wahnsinnig stolz auf mein Team. Was heute für Emotionen und Leidenschaft in dieses Spiel investiert wurde, war einfach unglaublich. Unglaublich, was die Mannschaft, die Ersatzspieler und die Kulisse für eine Reaktion und Charakter nach dem 0:1 gezeigt haben. Jeder Fußballfan hat sich solch ein Endspiel gewünscht. Allerdings ist auch jeder Blau-Gelbe heute tausend Tode gestorben. Hut ab, wie sich Neukölln nochmal in dieses Spiel geworfen hat.“


SV Blau-Gelb Berlin II – BSV GW Neukölln II 2:1 (0:0). Blau-Gelb: Aulich, Jahrmärker, Schüler, Orphal, Omachil, Syunzhanova, Fritze, Sproeck, Neuschäffer, Bohnenstengel, Krämer. Eingewechselt: Fansel. GW Neukölln: Kennin, Berg, Hüttich, Lemberger, Engfer, Schrama, Lück, Prange, Moorad, Knüppel, Aust. Eingewechselt: Villwock, Pissarek, Blaseio. Tore: 0:1 Schrama (62.), 1:1 Omachil (62.), 2:1 Fansel (90.). Schiedsrichter: Mehmet Kizilgül. Zuschauer: 50.

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

von Anders Noren.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: