Das Wunder von Zehlendorf bleibt aus

Oben geblieben. Die Fußballerinnen des FC Hertha 03 Zehlendorf spielen auch in der kommenden Saison in der Verbandsliga. Mit 6:0 (4:0) schlug die Suttinger-Elf am Mittwoch Abend souverän den Adlershofer BC, der nun den Gang in die Landesliga antreten muss.

Zehlendorf. Abpfiff, die ABC-Frauen gehen vom Platz, einige von ihnen etwas unrund, aber alle erhobenen Hauptes. In der Rückrunde hatte Coach Marcel Seidel nur einen sehr kleinen Kader zur Verfügung, in Zehlendorf konnten sich nur zehn Spielerinnen für den zumindest theoretisch noch möglichen Klassenerhalt ins Zeug werfen . „In den vergangenen Wochen haben wir uns trotzdem gut verkauft und hätten durchaus auch punkten können, aber heute war nichts drinnen für uns, Hertha war einfach besser“, gab eine Spielerin nach der Partie zu Protokoll.

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Anna Laue war gefühlt an jedem Treffer der Hertha beteiligt. Foto: Matthias Vogel

Kein „Wunder von Zehlendorf“ also, das hatte aber auch damit zu tun, dass der Matchplan von 03-Trainer Henrik Suttinger voll aufging. „Wir wollten innerhalb der ersten halben Stunde die Entscheidung herbeiführen.“ Seine Mädels taten wie geheißen und nach zehn Minuten war es auch schon so weit: Ein Pass auf die rechte Seite überraschte die aufgerückte ABC-Abwehr, Nevetha Rajkumar passte scharf nach innen, Selma Teuffert schob ein – 1:0. Kurz darauf fiel die Vorentscheidung. Nach einer Ecke und zu kurzer Abwehr hielt Anna Laue aus 16 Metern drauf und traf ins Schwarze (14.). Jennifer Kandetzki (38.) mit einem prächtigen Fernschuss aus der Distanz und Rajkumar (45.) schraubten das Ergebnis noch vor der der zweiten Schicht auf 4:0, damit waren Auf- und Abstiegsfisch endgültig in der Dose.

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Zehlendorfer Schussgewalt: Jennifer Kandetzkis Freistoß verursachte lediglich blaue Flecke bei den Adlershofer Mauersteinen, später packte sie aber einen herrlichen Fernschuss in die Maschen. Foto: Matthias Vogel.

Der ABC behielt bemerkenswerter Weise trotzdem die Köpfe oben und es gab wohl niemandem am Spielfeldrand, der Theresa Raab den Ehrentreffer nicht gegönnt hätte, als sie nach einer Flanke aus aussichtsreicher Position zum Kopfball kam. Der Ball zischte aber über das Zehlendorfer Gehäuse und so blieb es zunächst beim 5:0, das Selma Teuffert zuvor erzielt hatte (64.). Die eingewechselte Isabella Trincia machte das halbe Dutzend voll (87.).

Hut ab vor der Einstellung des ABC

Dass Seidel nicht wirklich an den Verbleib in Berlins höchster Spielklasse geglaubt hatte, belegte sein Fazit: „Wir hatten das Spiel als ganz normales Punktspiel ausgegeben. 6:0 – das ist gemessen an den Umständen gar nicht so schlecht.“ Jetzt müsse er kräftig am Kader für die kommende Saison basteln, mit nur 13 Spielerinnen – so wie in dieser Spielzeit – wolle er keinesfalls an den Start gehen. Neuaufbau auf der einen Seite, Weiterentwicklung in sportlich förderlicherem Umfeld auf der anderen. Für die junge, talentierte Hertha-Elf wäre die Landesliga eine mittlere Katastrophe gewesen und deshalb war es Suttinger gleich, dass er sie schon besser hat spielen sehen als an diesem Tag: „Kein schöner Sieg, aber ein wichtiger. Und wer auch solche Spiele gewinnt, der hat es verdient in der Liga zu bleiben.“ Vor dem Engagement des ABC zog er den Hut: „Woche für Woche mit einem solch dezimierten Kader anzutreten und nicht einfach aufzugeben, zeugt von Größe. Ich hoffe, dass der Verein trotz seines schweren Standortes es schafft, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen und den Wiederaufstieg packt.“


FC Hertha 03 Zehlendorf – Adlershofer ABC 6:0 (4:0). Nicht virtuos aber effektiv: Das Hertha-Kollektiv. Moralischer Sieger: Team ABC. Tore: 1:0, 5:0 Teuffert (10., 64.), 2:0 Laue (14.), 3:0 Kandezki (38.), 4:0 Rajkumar (45.),  6:0 Trincia (87.). Gelbe Karte: Grossmann. Schiedsrichter: Jörg Zielsdorff. Zuschauer: 40.

 

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